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Viele Institutionen - Wenige Bürger

Viele Institutionen - Wenige Bürger

Wer sich in Trier mit Kultur befasst, etwas anbietet und für Vielfalt in der Stadt sorgt, ist da, als bei einer Auftakt-Konferenz die Weichen für das Kulturangebot von morgen gestellt werden. Es ist der erste Teil des öffentlichen Beteiligungsprozesses zum neuen Leitbild (der TV berichtete). Wer fehlt, ist der normale Kulturkonsument.

Trier. Die Trierer Bürger haben den ersten Workshoptermin zur Mitgestaltung der kulturpolitischen Leitlinien der Stadt versäumt. Verstreichen lassen haben sie damit die erste Chance, daran mitzuarbeiten, dass ihre Wünsche im Kulturleitbild 2025 für Trier berücksichtigt werden.
Bei der Konferenz anwesend waren kulturschaffende Institutionen und Vereine.

Kontakte knüpfen


"Sich auf politischer Ebene mit dem Thema Kultur zu befassen, ist für unsere Altersgruppe kein Thema. Das ist zu weit weg", geben Simon Baumeister (23) und Ole Kernbach (23) offen zu. Dass sie trotzdem zur von Sozialplaner Heiner Schneider moderierten Konferenz kommen, mit der die Arbeit am Trierer Kulturleitbild startet, ist nicht ganz uneigennützig: Sie vertreten den Verein Musiknetzwerk Trier, der sich erst im Sommer gegründet hat. Den Tag im vierten Stock des Park Plaza Hotels wollen sie auch nutzen, um Kontakte zu knüpfen, sich den Oldtimern unter den Kulturschaffenden vorzustellen, von ihnen zu lernen und dafür zu sorgen, "dass lokale Musik aus dem Bereich Rock und Pop wahrgenommen wird", sagen sie. Denn sie verstehen sich auch "als Interessenvertretung" vieler, die mit Missständen wie mangelnden Probenräumen, fehlenden Auftrittsmöglichkeiten und dürftiger Förderung zu kämpfen haben. Ihre Erwartungen an den Prozess: "Ganz offen."
Baumeister und Kernbach sind nur zwei von insgesamt fast 80 Vertretern zumeist von Vereinen, Institutionen wie Theater, Tufa, Museen, Bibliotheken, der freien Szene oder etwa der Domäne Avelsbach und der Tourist-Information Trier (TIT), die sich acht Stunden Zeit für die Trierer Kultur nehmen.
In einer Anfangsrunde stellen die Akteure sich und ihre Organisation vor. Für viele ist es ein Aha-Erlebnis, als auch bislang eher unbekannte Gruppen das Wort ergreifen wie Musiknetzwerk oder Moselfreunde 191, Anne Kurtze die Pläne der Generaldirektion Kulturelles Erbe für neue Infozentren an Porta Nigra und Kaiserthermen (Start: Frühjahr 2014) vorstellt oder Stadtbibliothek-Direktor Michael Embach einen Ausblick auf die Erweiterung der Schatzkammer und eine neue Dauerausstellung "ab August 2014" mit "100 Highlights" vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit gibt.
Um Beachtung im Trierer Kulturbetrieb wirbt Inge Ginter vom Verein Trierer Spielzeugmuseum.
Das ist Grundlage für die Arbeitsgruppen, in denen die Teilnehmer anschließend die bestehende Situation analysieren, Alternativen suchen, diskutieren. Einige der Forderungen: mehr Vernetzung, Verbesserung der Kommunikation, Ausbau von Kooperationen. Ein Erfolg, den es bereits nach der Startveranstaltung gibt: Den Wunsch nach regelmäßigen Treffen, Austausch, einem runden Tisch nimmt Kulturdezernent Thomas Egger direkt auf und stellt in Aussicht, "eine Veranstaltung wie heute mindestens einmal im Jahr zu machen, vielleicht als Börse". Zuvor aber beschäftigt sich die Steuerungsgruppe im Rathaus mit den zusammengetragenen Ergebnissen.
Im Dezember sollen die daraus resultierenden Themen in Dialogveranstaltungen vertieft und intensiv diskutiert werden. Diese Veranstaltungen sind ebenfalls öffentlich, jeder kann sich beteiligen und das Kulturangebot von morgen mitgestalten - "eine Chance, die es zu nutzen gilt", ansonsten müssten die Trierer nehmen, was sie kriegen, meint TIT-Chef Hans Albert Becker.
Der Prozess wird bis kommendes Jahr dauern, der Stadtrat wird in der letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen Anfang April 2014 über das Kulturleitbild 2025 entscheiden.
Die kompletten Ergebnisse sind im Internet einzusehen unter der Adresse www.trier.de/Kultur-Freizeit/Kulturpolitische-Leitlinien/, so dass sich jeder über den öffentlichen Prozess informieren kann.