Viele Ratschläge, aber wenig harte Währung

Viele Ratschläge, aber wenig harte Währung

Den schwierigsten Stoff hatte sich Kulturdezernent Thomas Egger für den Schluss aufgehoben: In der fünften und letzten Dialog-Veranstaltung zur Erarbeitung eines Trierer Kulturleitbilds ging es am Samstag um die Frage, wer die Kultur bezahlen soll.

Trier. Über mangelndes Interesse konnte sich diesmal niemand beklagen: Rund 50 Vertreter der Kulturszene, darunter ein designierter Oberbürgermeister-Kandidat und mindestens drei Bewerber um den Intendanten-Job am Trierer Theater, diskutierten mit vier Experten darüber, wie sich die Kulturarbeit in Zeiten klammer öffentlicher Kassen finanzieren soll.
"Viel zu schwammig"


Dabei wurden unterschiedliche Denkansätze, aber auch eine Art gemeinsamer Ratlosigkeit deutlich. Peter Adrian etwa, Präsident der Industrie- und Handelskammer Trier, kritisierte, der Leitbild-Entwurf des Dezernenten sei "viel zu schwammig". Adrian forderte die Kultur-Macher auf, die Bürger "stärker mitzunehmen" und auf "höhere Akzeptanz" zu setzen. Mehr öffentliche Mittel für die Kultur lehnte er mit Verweis auf die Haushalts-Defizite ab. Konkrete Vorschläge oder gar Zusagen, wie man die Wirtschaft bewegen könne, sich stärker für die Kultur zu engagieren, waren dem IHK-Präsidenten aber nicht zu entlocken.
Christoph Kraus vom Mainzer Kulturministerium hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die gesellschaftliche Wertigkeit der Kultur und forderte die Kulturschaffenden auf, mit mehr Selbstbewusstsein eine bessere Mittelausstattung zu fordern. Das hätte sicher für mehr Begeisterung gesorgt, hätte der Leitende Ministerialrat nicht gleich in seinem ersten Satz darauf hingewiesen, dass die Kassen beim Land ebenfalls leer seien. Die kaum verklausulierte Botschaft: Wenn mehr Geld für die Trierer Kultur, dann jedenfalls nicht aus Mainz.
Sollten sich da die Hoffnungen auf Willi Weyer verlagert haben, so sorgte auch der Mann von der Sparkassen-Stiftung für Ernüchterung. Es könne nicht angehen, dass "immer die gleichen Verdächtigen" gefragt seien, wenn es um Kultursponsoring gehe. Die Finanzierung müsse "auf breitere Schultern verteilt werden". Wo die herkommen sollen, blieb eher im Dunkeln.
Die Tänzerin und Tanztheater-Produzentin Hannah Ma zog Vergleiche mit der Luxemburger Kulturszene und forderte offenere, flexiblere Strukturen, vor allem bei großen Trierer Institutionen wie dem Theater. Zudem regte sie an, bei der Verwaltung kompetente Ansprechpartner zu schaffen, die die Kulturschaffenden bei der Mittel-Beschaffung unterstützen. Ein Vorschlag, der ebenso auf Konsens stieß wie Mas Appell, kreative Formate zu entwickeln, die auch für mögliche Sponsoren interessant seien.
Mit dem Abschluss der Dialog-Veranstaltungen beginnt nun das "schwierige Geschäft" (Moderator Heiner Schneider) der von Kulturdezernent Egger eingesetzten Steuerungsgruppe: Sie muss die Quintessenz aus allen Diskussionsrunden, die zwischenzeitlich eingegangenen Stellungnahmen und Papiere sowie die ursprüngliche Vorlage unter einen Hut bringen. Am 12. März soll das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Protokolle aller Veranstaltungen und Infos zum Verfahren: www.trier.de/Kultur-Freizeit/Kulturpolitische-Leitlinien

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