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Viele schöne Erinnerungen an die Jugend in der MJC

Viele schöne Erinnerungen an die Jugend in der MJC

Geschichte

Zu Berichten über das Jubiläum 400 Jahre MJC Trier:
Ende der 1950er, Anfang bis Mitte der 60er Jahre war auch ich eifriges Mitglied in den Reihen der MJC. Gruppenstunden gab es jede Woche in der Dietrichstraße, vorab immer Tischtennis als Rundlauf mit mindestens acht Personen. Pater Plümer war ein hochinteressanter Geschichtenerzähler mit großer Vorliebe für gruselige Jakobinergeschichten (Französische Revolution). Wenn sie nicht genug Spannung erzeugten, also Unruhe aufkam, war seine Fantasie gefordert, und davon hatte er reichlich.
Schloss Dodenburg war in den Sommerferien ein äußerst beliebter Ferienort der MJC. Ein verwunschenes, damals nicht ganz wasserdichtes Gebäude. Tagesprogramm: relativ frühes Wecken, (zwangsweise) mehrere Runden Frühsport durch den Schlosspark. Waschen, Frühstück mit Olympiasuppe (Haferschleim wechselseitig mit Maggi oder Zucker).
Viel Sport, allerdings auch mit zwei tückischen Situationen: Vor dem Mittagessen wurde immer "Der Engel des Herrn" gebetet. Pater Plümer schritt vorher mit leicht sadistischem Gesichtsausdruck durch die Reihen.
Wehe, das Opfer konnte den Vorbetertext nicht oder stotterte so halb richtig. Der anschließende Spüldienst war ihm gewiss (und das bei etwa 80 Personen ohne Spülmaschine!). Die zweite Tücke war die Abendmesse. Damals konnten (scheinbar) alle Ministranten wie selbstverständlich das lateinische "Confiteor". Alle mussten also mal dienen. Da ich im Domchor war, war ich kein Ministrant - mein Pech.
Tieffrommes Gemurmel half mir nicht. Innerhalb kürzester Zeit musste ich lernen, sonst keine weitere Nahrungsaufnahme.
Später gab es in meiner Altersgruppe recht gute Leichtathleten. Höhepunkt war der Stadtlauf, ein Rundparcours mit enormer Publikumsresonanz. Neben der MJC beteiligten sich mehrere Sportgruppierungen daran, vor allem aber die TV Germania, für Pater Plümer immer der "Erzrivale". Alles durften wir: Gebete verlernen, uns schlecht benehmen, nur nicht den Stadtlauf verlieren gegen die Germania. Wir lagen recht deutlich in Führung. Der Pater begleitete auf dem Fahrrad mit höchst engagierten Anfeuerungsrufen. Als Vorletzter übergab ich mit gutem Vorsprung an den Schlussläufer. Leider ging er das Rennen zu schnell an und baute ab. Die jetzt folgenden Rufe des Paters sind nicht zitierfähig. Wir wurden nur Zweiter. Ich habe das überlebt und immer wieder schöne Erinnerungen an die MJC, da sie auch meine Kindheit und frühe Jugend mitgeprägt hat.
Joachim Reidenbach, Trier