Viele Trierer Initiativen unterstützen eine umweltschonende Lebensweise. Neues Angebot in der Saarstraße.

Lebensstil : Nachhaltigkeit ist schick geworden

Viele Trierer Initiativen unterstützen eine umweltschonende Lebensweise. Ein neues Angebot in der Saarstraße zeigt, dass bewusster Konsum keineswegs Verzicht bedeutet.

Es riecht nach Kaffee und Muffins im neuen Laden in der Saarstraße, dem „Kinderkram – Second Hand & Concept Store“. Hinter dem Konzept stehen das Ehepaar Anni und Ercemil Güntepe – und eine Idee, der sich immer mehr Trierer verpflichtet fühlen: Nachhaltigkeit. „Die billigen Massenprodukte führen zu nichts, sondern haben langfristig gesehen eher einen negativen Effekt für Menschen, Tiere und Umwelt“, sagt Anni Güntepe. Ihr Laden soll es Eltern in Trier ermöglichen, zu klein gewordene Kinderkleidung zu verkaufen – und den Nachwuchs günstig mit hochwertiger Mode einzudecken.

Dass gebrauchte Kleidung oder auch Gegenstände weitergegeben werden, gab es schon immer. Neu ist, dass dies zu einer Bewegung geworden ist: In Trier haben sich viele Initiativen entwickelt, die Nachhaltigkeit im Alltag fördern – also dabei helfen, so zu leben, dass man Dinge so lange wie möglich nutzt und dabei der Umwelt so wenig wie möglich schadet. Im Umsonstladen in der Schönbornstraße zum Beispiel kann man abgeben, was ausgedient hat und mitnehmen, was man braucht – ohne dass Geld fließt. Beliebt ist außerdem die Facebook-Gruppe „free your Stuff Trier“: Dort kann man im Internet Gegenstände, die man loswerden möchte, anbieten und an Interessenten verschenken. In vielen Trierer Stadtteilen gibt es öffentliche Bücherschränke, in denen Literaturfreunde sich kostenlos mit Lesestoff versorgen und in die sie im Gegenzug Werke einstellen, die sie nicht mehr brauchen. Selbst bei Lebensmitteln ist der Trend zum Weitergeben angekommen: Auf dem Viehmarkt steht ein öffentlicher Essenschrank, der „Fair-Teiler“. Darin legen Trierer den geschenkten Tee ab, der ihnen nicht schmeckt, den Joghurt, den sie vor dem Urlaub nicht mehr verzehren können, und die Zucchini aus dem Garten, die sie unmöglich alle selbst essen können. Auch Carsharing-Angebote, bei denen viele Menschen gemeinsam ein Auto nutzen, sind in den vergangenen Jahren in Trier entstanden.

Der Trend zum nachhaltigen Leben hat breite Bevölkerungsschichten erreicht. Für den entsprechenden Lebensstil gibt es einen eigenen Namen: Lohas nennen Soziologen seine Anhänger, das steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“, Lebensstil der Gesundheit und Nachhaltigkeit. Mehr als 12,5 Millionen Deutsche gehörten Soziologen zufolge schon 2015 zu der stetig wachsenden Gruppe der Lohas. Anders als frühere „Ökos“ setzen die Lohas nicht auf Verzicht, sondern sind genussorientiert. Auch das zeigt Anni Güntepes Laden: „Kinderkram“ ist gleichzeitig ein Concept Store: Neben gebrauchten Kleidern, Spielsachen und Büchern für Kinder gibt es dort Kaffee und Kuchen – selbstgebacken. Natürlich mit Bio-, Fairtrade- und regionalen Zutaten.

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