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Viele Trierer klagen über Vermüllung - Stadt sieht keine Zunahme des Problems

Viele Trierer klagen über Vermüllung - Stadt sieht keine Zunahme des Problems

Hat die Verunreinigung der öffentlichen Flächen und Grünanlagen Triers zugenommen? Im Rathaus sieht man zwar "Anzeichen" für eine Vermüllung, aber bislang keine Zunahme des Phänomens. Ein Ärgernis ist und bleibt der Dreck allemal und eine ständige Herausforderung.

Es muss eine nette Party gewesen sein, ein Kindergeburtstag vielleicht. Etwas zu essen gab es, zu trinken natürlich auch. Wer sich aus welchem Anlass feiern ließ, lässt sich nicht mehr feststellen. Auch nicht anhand der Hinterlassenschaften, die noch Tage später in dem Tarforster Grünstreifen liegen: Plastikbecher und Pappteller, Einweggabeln und Essensreste - die Festgesellschaft entsorgte kurzerhand alles vor Ort.
"Es ist einfach nur traurig", meint eine Passantin, die bereits an etlichen Stellen ihres Stadtteils achtlos weggeworfenen Müll aufsammelte. Aus freien Stücken, weil sie es nicht habe mitansehen können, sagt sie. Doch das ist zu viel, eine derartige Menge Abfall an einem Ort wird auch sie nicht wegmachen können. Ausgerechnet in Tarforst, wo die Welt noch in Ordnung scheint und die Stadt derart attraktive Grünzüge anlegen ließ, dass man anderorts von Parkanlagen sprechen würde.
"Neuer Volkssport"



Auch Leonore Hardes brennt das Thema "auf den Nägeln", wie sie sagt. "Es scheint ein neuer Volkssport geworden zu sein, das Fenster des Autos herunterzukurbeln, um dann Müll jeglicher Art zu entsorgen." Am Rande von Straßen zeigten sich die Folgen. Die Stadt komme mit der Reinigung nicht mehr nach, mutmaßt die Tarforsterin, es fehle an Geld und Personal. "Und selbst wenn es zur Verfügung stünde - das ist noch lange kein Grund, alles unter oder neben sich fallen zu lassen."
Bei der Stadtreinigung nimmt man immer wieder Anzeichen von "Vermüllung" wahr. Allerdings könne man "nicht bestätigen, dass die Vermüllung in einigen Bereichen der Stadt und insbesondere auf der Tarforster Höhe in den vergangenen Monaten zugenommen hat", heißt es auf Anfrage. Das Phänomen zeige sich vielmehr "an verschiedenen Orten zu unvorhersehbaren Zeiten, ohne ein erkennbares System". Natürlich gebe es auch Flächen, die "immer wieder neu vermüllt" würden. Aber diese seien "in der Regel gut anfahrbar und meist nur dürftig beleuchtet". Und da diese Flächen ja auch meist bekannt seien, versuche man gerade hier, "neue Vermüllungen minimal zu halten". Warum aber häufen sich in letzter Zeit die Klagen? Bei der Stadt glaubt man eine mögliche Erklärung parat zu haben: Aufgrund der Winterzeit könne in den vergangenen Monaten der Eindruck einer verstärkten Vermüllung entstanden sein, "da noch keine Vegetation vorhanden ist und man ungehindert von Blättern in und hinter Büsche schauen kann". Unabhängig davon spricht das Rathaus von einem "gesamtgesellschaftlichen Problem", bei dem die Einflussmöglichkeiten der Stadt "wohl sehr begrenzt" seien.
In etlichen Stadtteilen tritt man dem Übel entgegen, stellen Bürger Schilder auf und appellieren: "Haltet unseren Stadtteil sauber!". Vielerorts werden Dreck-weg-Tage organisiert und von der Stadt unterstützt - häufig mit großem Erfolg. Generell gilt: Die Beseitigung von Vermüllungen geschieht auf Kosten der Allgemeinheit, und man wird der Stadt kaum widersprechen wollen, wenn sie feststellt: "Die nicht unerheblichen Aufwendungen hierzu könnten in anderen Bereichen wesentlich sinnvoller eingesetzt werden."
Gebühren müssten erhöht werden


Aktuell arbeiten 75 Mitarbeiter beim Stadtreinigungsamt, an Beschäftigung mangelt es ihnen nicht. Der momentane Personalbestand habe sich seit 2010 nicht verändert, so das Rathaus. Das klingt nach Entwarnung, doch bekanntermaßen wächst die Stadt und gesellen sich jedes Jahr neue Straßen hinzu.
In der Verwaltung heißt es, dass die "Reinigungsleistung in Relation zu den erhobenen Gebühren als wirtschaftlich zu bezeichnen" sei. Signifikant bessere Reinigungsleistungen seien nur durch "unverhältnismäßig höhere Reinigungsgebühren zu erreichen, doch dies sei "wohl nicht im Sinne unserer Bürger".
Allerdings sieht man auch Optimierungspotenzial: Noch seien zu viele Reinigungsarbeiten dezentral organisiert, räumt das Rathaus ein. So sind Tiefbauamt, Garten- und Grünflächenamt und Stadtreinigungsamt für die Sauberkeit der Verkehrsflächen zuständig, allerdings jeder für seinen Bereich. "Dieses Organisationsdefizit soll mit der Zusammenlegung dieser Ämter auf dem neuen Bauhof abgestellt werden", hofft die Stadt.Meinung

Was soll der Müll?
Dass einige Leute meinen, in einer Wegwerfgesellschaft lasse sich ungestraft die Landschaft vermüllen, ist ein großes und immer wiederkehrendes Ärgernis. Es wäre ein Leichtes, nach härteren Strafen zu rufen, und wahrscheinlich ist manch einem der Delinquenten auch nicht anders beizukommen - wenn überhaupt. Doch wichtiger wäre es, den Übeltätern zu signalisieren, dass ihr unsoziales Verhalten wahrgenommen und nicht geduldet wird. Jemand lässt etwas "aus Versehen" fallen - eine freundliche Ansprache; ein Bekannter wirft während des Autofahrens eine Kippe aus dem Fenster - geht\'s noch?! Nach einer Fete wird alles im Grünstreifen entsorgt - nicht erst jetzt ist es Zeit für eine Grundsatzdiskussion. Was soll der Müll? Mit dieser Frage müssen zu allererst die konfrontiert werden, die allerorten ihren Dreck hinterlassen! Und wenn alles nichts hilft, ist ein Hinweis bei den zuständigen Stellen angezeigt! trier@volksfreund.deExtra

Viele Trierer klagen über Vermüllung - Stadt sieht keine Zunahme des Problems
Foto: (h_st )
Viele Trierer klagen über Vermüllung - Stadt sieht keine Zunahme des Problems
Foto: (h_st )

Wer Abfälle widerrechtlich entsorgt, muss damit rechnen, Bekanntschaft mit dem städtischen Amt für Bauen, Umwelt und Denkmalpflege zu machen. Dieses nimmt sich der Verfolgung dieser Ordnungswidrigkeiten an und verhängt die Bußgelder. Auch beim Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Trier (ART) gehen Hinweise auf illegale Abfallablagerungen ein, die in eigener Zuständigkeit vom ART bearbeitet werden. Förmliche Verfahren könnten nur eingeleitet werden, wenn Hinweise auf mögliche Verursacher vorlägen, gibt das Rathaus zu bedenken. 2014 wurden im Stadtgebiet 143 Verfahren abgewickelt und entsprechende Bußgelder verhängt. Die Anzahl der Hinweise sei jedoch deutlich höher als die geahndeten 143 Verfahren. Im jährlichen Schnitt werden bei der Stadt und dem Zweckverband rund 250 Einzelfälle aufgenommen und bearbeitet. mst