Vier Millionen Brötchen weniger

Vier Millionen Brötchen weniger

Auf einem 20 Hektar großen Gelände des Industrieparks Region Trier (IRT) zwischen Föhren und Bekond soll eine große Fotovoltaik-Anlage entstehen. Doch aus Kreisen der Bauern regt sich Widerstand: Sie wollen, dass das hochwertige Ackerland erhalten bleibt und der Park auf minderwertigem Boden gebaut wird.

Föhren. Auf dem Hof von Landwirt Gerhard Portz in Bekond kamen am vergangenen Wochenende einige Bauern zusammen, um über die geplante Anlage nahe Föhren zu debattieren. Gleich zu Beginn stellte der Hausherr fest: "Wir alle hier sind für den Ausbau von Solaranlagen", wofür er Zustimmung erhielt. Doch aus Sicht der Landwirte hat das Föhrener Projekt einen Haken: Würden die 20 Hektar Land mit Solarkollektoren zugestellt, dann ginge jede Menge Ackerland verloren. Hierbei handelt es sich um guten Boden und flaches Gelände. "Die 20 Hektar entsprechen 140 000 Kilo Weizen. Davon könnten vier Millionen Brötchen gebacken werden", erklärte Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreis-Bauern- und Winzerverbandes Trier-Saarburg. Statt das gute Ackerland zu zerstören, plädieren Portz und Clüsserath dafür, die Solarzellen auf die Hallendächer im Industriepark oder auf weniger gutes Land, wie es etwa nahe der Autobahnauffahrt zur Verfügung steht, zu bauen. Die Landwirte räumen ein, dass sie mit ihrem Protest sehr spät dran seien, wo doch bereits die Entscheidung zugunsten des Projektes gefallen sei und der Industriepark auch Eigentümer der Flächen ist. Doch in den letzten Jahren habe sich die Lage geändert: Die Preise für Weizen hätten sich verdoppelt, und die weltweite Nachfrage nehme bedingt durch boomende Staaten wie China stetig zu. "Unsere Nahrungsmittelversorgung in Deutschland ist nicht mehr auf Dauer gesichert", mutmaßt Portz, dem nach eigenen Angaben Landwirte aus der ganzen Region beipflichten. Unterstützung erhalten sie vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der die Errichtung von Anlagen in "naturfernen" Räumen wie Militärgelände oder Mülldeponien empfiehlt. Der Fachbeirat Naturschutz der Kreisverwaltung Trier-Saarburg hat sich nach Auskunft des Mitglieds Clüsserath bereits zweimal einstimmig gegen das Projekt in dieser Form geäußert. "Wir wollen jetzt wachrütteln", sagen die Landwirte und hoffen, eine Änderung der Pläne zu erreichen. Sie erwarten, dass irgendwann auch öffentlicher Widerstand gegen die Ackerland-Vernichtung aufkommt - spätestens, "wenn das Brötchen 40 Cent kostet". Meinung Kilowatt oder Kalorien? In anderen Teilen der Erde wird gehungert, und wir opfern wertvolles Ackerland der Energieerzeugung - der Protest einiger Landwirte gegen den Bau einer Fotovoltaik-Anlage beim Föhrener Industriepark kommt mit ethischen Klängen daher. Doch die Sorge der Protestler gilt wohl nicht ausschließlich und uneigennützig unserer künftigen Ernährungssicherheit: Wer angesichts der erheblich gestiegenen Weizenpreise gutes Pachtland abgeben muss, weil darauf eine Solaranlage gebaut werden soll, dem entgeht auch bares Geld. Trotzdem entbehren die Argumente der Landwirte nicht einer gewissen Logik. Warum müssen gute Anbauflächen als Solarstandorte herhalten, wenn es ringsum geeignetere Brachen und große Hallendächer gibt? Und ist es nicht absurd, dass in Leiwen der Versuch scheiterte, seit Jahren verödete Weinbaubrachen für die Fotovoltaik zu nutzen, nur weil sie noch als landwirtschaftliche Nutzflächen ausgewiesen sind? Die Äcker bei Föhren sind hingegen als Ausgleichsflächen für den Industriepark ausgewiesen. Sie dürfen aber landwirtschaftlich genutzt oder mit Sonnenkollektoren zugestellt werden, solange am Boden die Kräutlein grünen. Verkehrte Welt! f.knopp@volksfreund.de

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