Vier Minuten, 15 Euro

TRIER. Big Brother in Trier-Ost: Um Falschparker anzuzeigen, filmt ein Anwohner die Straße vor seinem Haus. Eine Frau hat schon mehrere hundert Euro für Strafzettel bezahlt.

Christina Lampe-Clemens ist sauer: Acht Strafzettel hat sie in einem Monat bekommen - in der Helenenstraße in Trier-Ost, während sie ihren Sohn zum Kindergarten brachte. 120 Euro soll sie für die gebührenpflichtigen Verwarnungen zahlen, die ihr das Trierer Ordnungsamt geschickt hat - in einzelnen Umschlägen zwar, aber alle auf einen Schlag. Mehr als über die Strafzettel an sich ärgert sich Lampe-Clemens darüber, wie sie zustande gekommen sind. Jeweils einige Minuten hat sie im Halteverbot gestanden - und deswegen hat Heinz Müller (Name von der Redaktion geändert) sie angezeigt. Private Überwachung per Videokamera

Der Mann, der in der Nähe des Zugangs zum Kindergarten wohnt, überwacht die Straße mit einer Videokamera. Einmal im Monat schaue er sich die Bänder an, sagt er dem TV. Dann teilt er die Autonummern von Falschparkern dem Ordnungsamt mit - allerdings nur, wenn die Autos ihm wiederholt aufgefallen sind: "Es ist nicht so, dass ich jemanden anzeige, der sich einmal da hinstellt", sagt er. "Es gibt aber Leute, die sind nicht einsichtsvoll genug." Mit den Anzeigen will Müller erreichen, dass er ungehindert auf sein Grundstück fahren kann. "Seit 40 Jahren habe ich den Ärger", sagt er. Etwa so lange gibt es den Kindergarten in der Straße. "In den Anfangsjahren kamen die Kinder an der Hand der Mutti", erzählt Müller. Dann jedoch nahm die Motorisierung zu, immer mehr Eltern brachten ihre Kinder mit dem Auto und parkten vor der Einfahrt. Anfangs hat Müller noch versucht, mit den Autofahrern zu reden - doch das hat er schon lange aufgegeben. "Wenn ich mich mit ihnen angelegt habe, ging das Geschimpfe gleich los", sagt er. Dann steckte er ihnen Zettel unter die Scheibenwischer. "Das hat auch nicht viel gebracht." Daraufhin habe er sich entschieden, die Fahrer anzuzeigen. "Ich schreibe dem Ordnungsamt, sie sollen die Verkehrsteilnehmer in geeigneter Weise auf die Verstöße hinweisen." Öffentlicher Parkplatz ganz in der Nähe

Als Hinweis schickt das Ordnungsamt 15 Euro teure gebührenpflichtige Verwarnungen - oder, wie im Fall von Christina Lampe-Clemens, gleich acht. Dabei ist sie nicht die einzige Mutter, die vor dem Kindergarten Strafzettel bekommen hat. "Wer neu ist, bekommt erst mal ne gesalzene Rechnung", sagt Lampe-Clemens. Auch wenn die Kindergarten-Eltern die Hauptbetroffenen sind, liegt Müller nicht im Streit mit der Einrichtung. "Ich habe nichts gegen den Kindergarten", sagt er. "Ich hab nur etwas gegen die Falschparker." Schließlich könne, wer in die Helenenstraße wolle, auch ganz legal auf dem öffentlichen Parkplatz an der Ecke zur Gartenfeldstraße parken. "Der ist den meisten aber zu weit." Dass es in der Helenenstraße leicht Strafzettel gibt, hatte Christina Lampe-Clemens schon vor zwei Jahren erfahren. Als ihr Sohn neu im Kindergarten war, hielt sie regelmäßig vor der Einfahrt. 21 Strafzettel in einem Monat seien das Resultat gewesen, erzählt sie. Fast 300 Euro habe das gekostet. Danach brachte sie ihr Kind häufiger zu Fuß zum Kindergarten und kassierte nur gelegentlich Strafzettel. Doch im regnerischen März fuhr die Mutter doch wieder häufiger mit dem Auto - und stand jeweils für einige Minuten im Halteverbot. "Komm, für zwei, drei Minuten stellst du dich da hin", habe sie gedacht - und nicht damit gerechnet, dass Heinz Müller immer noch die Straße überwacht. Wen er anzeigt, erfährt Müller nicht. Auch nicht, was mit seinen Anzeigen bei der Stadt weiter geschieht - und auch nicht, dass eine Mutter einmal fast 300 Euro zahlen musste. "Das die so hohe Strafen verhängen, hätte ich nicht geglaubt", sagt er. Lampe-Clemens hat auch die acht neuen Strafzettel inzwischen bezahlt: "Schließlich hab ich ja falsch geparkt."

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