Vier ungeklärte Schicksale

TRIER. Schicksale von vier weiteren Trierer Opfern des Zweiten Weltkriegs will der Heimatforscher Adolf Welter klären. Er bittet dabei die Leser des Trierischen Volksfreunds um Mithilfe.

1960 beschloss der Trierer Stadtrat, ein "Buch zu Ehren der Toten" aufzulegen. Darin sollten alle Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (KZ-, Euthanasie- und jüdische Opfer) genannt werden. Dem Ratsbeschluss entsprechend begann das städtische Sozialamt damals mit der Erstellung von Namenslisten. "Diese Listen wurden jedoch nie komplettiert", bedauert der Heimatforscher Adolf Welter, "erst 2001 sind sie in einer Aktenkammer wieder aufgetaucht. Der Ehrenbuch-Beschluss ist bis heute nicht vollzogen." Und wird wohl auch nie umgesetzt, denn die weitaus meisten der Zeitzeugen, die vor 45 Jahren noch hätten Aufschluss geben können, lassen sich heute nicht mehr befragen. Adolf Welter versucht in eigener Initiative, Kriegsopfer-Schicksale zu klären. Die bisherigen Ergebnisse seiner Recherchen hat er in seinen allesamt ausverkauften Büchern "Chronik Trier-Euren 1939-1948" (erschienen 1987), "Die Luftangriffe auf Trier 1939-1945" (1996) und "Trier 1939-1945" (1998) veröffentlicht. Sie stimmen bis auf vier Fälle lückenlos mit den 2001 wieder aufgetauchten Listen des Sozialamts von 1960 überein, die inzwischen im Stadtarchiv an der Weberbach lagern. Diese vier Fälle werfen für den 70-jährigen Eurener erneut Fragen auf: "Dazu konnte ich keine Sterbe-Urkunden finden oder Eintragungen im städtischen Beerdigungsregister feststellen. Meine Hoffnung besteht darin, dass - wie bereits in früheren Fällen - Leser des Trierischen Volksfreunds bei der Klärung der Schicksale helfen können." Es handelt sich um: Anna Lillig, geboren am 1. November 1892 in Neunkirchen/Saar, gestorben am 19. Dezember 1944 in Trier (Position 249 der städtischen Kriegsopfer-Liste); Marita Weiter, geboren am 16. Januar 1944 (?), gestorben am 19. Dezember 1944 in Trier (Position 495); Wilhelmine Dexheimer, geboren am 16. Dezember 1922 (Position 65) und Anna-Maria Kail, geboren 4. August 1924, laut Position 197 der Liste "beide in Weinheim geboren und beide am 21. März 1945 in Trier verstorben". Insbesondere Anna Maria Kails Schicksal gibt Welter Rätsel auf. Ist in der Liste möglicherweise noch eine Schwester gemeint, und wie kamen "beide" ums Leben am 21. März vor 60 Jahren, als in Trier nach dem Einmarsch der Amerikaner der Krieg bereits fast drei Wochen zu Ende war? Informationen an Adolf Welter, Reulandstraße 35, 54294 Trier-Euren, 0651/87224.