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Viezjupp vom 5. Dezember 2020

Viezjupp : Kleines Licht in dunkler Zeit

Liebe Trierer! Auf dieses Wochenende habe ich mich eigentlich sehr gefreut. Denn jedes Jahr an Nikolaus verkleide ich mich und schaue abends bei meinen Enkelkindern vorbei. Mit Bischofsstab und Bischofsmütze sehe ich fast wie der echte Nikolaus aus.

Die Kleinen haben bisher noch keinen Verdacht geschöpft, dass ihr Opa dahintersteckt. Und mir macht diese Überraschung immer einen Riesenspaß.

Aber seit Dienstag bin ich einfach nur noch traurig. Nach der Amokfahrt durch die Trierer Innenstadt kann ich nicht zum Tagesgeschäft übergehen. Bärbel geht es genauso. Ich habe mich sogar gefragt, ob ich überhaupt eine Kolumne schreiben soll. Alles ist nichtig angesichts dieser Tragödie.

Aber mein Redakteur hat gesagt: „Jupp, schreib doch ein paar tröstende Zeilen für die Trierer. Das können die jetzt am besten brauchen.“ Ich bin ja kein Pastor und kein Psychologe. Aber wenn ich über die vergangenen Tage so nachdenke, finde ich, gibt es trotz allem viel, aus dem wir Mut schöpfen können. Denn es waren Trierer, die den Verletzten auf der Straße geholfen haben, bevor die Rettungsdienste kamen. Es waren Trierer, die Trost gespendet, Decken verteilt und sich gekümmert haben. Und wir Trierer nehmen jetzt Anteil, trauern mit den Hinterbliebenen, weinen und leiden mit. Und das ist gut so. Denn diese Katastrophe ist wie eine kollektive klaffende Wunde, die heilen muss. Das wird lange dauern. Denn die wenigsten von uns, am allerwenigsten ich, hätten damit gerechnet, dass in unserem schönen Städtschie so etwas passiert.

Deswegen, denke ich, werde ich am Samstagabend trotz allem zu meinen Enkelkindern gehen. Als Nikolaus mit roter Nikolausmaske vor dem Mund und einer Bischofsstablänge Abstand. Ich werde versuchen, sie aufzuheitern, um ein wenig Licht in diese dunkle Zeit zu bringen.

In diesem Sinne: Gedenken wir der Toten, aber vergessen wir nicht die Lebenden. Euer Jupp.