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Visionäre des vergessenen Stadtteils

Visionäre des vergessenen Stadtteils

TRIER-WEST/PALLIEN. Keinen übermäßig guten Ruf genießt der Trierer Westen. Denn prägend für das fragwürdige Image sind ruinöse Gebäude, schwierige soziale Strukturen und Schrottautos innerhalb der Wohngebiete. In ihrem Bürgergutachten haben die Menschen aber auch gezeigt, wie sehr sie mit ihrem Stadtteil verwurzelt sind und dass es auch schöne Seiten in ihrer Heimat gibt.

Trier-West und Pallien sind spätestens im Jahr 2010 attraktiv, "liebens- und lebenswert". Das ist die Vision der Bürger. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sie auf 124 Seiten im Bürgergutachten einzelne Visionsbausteine entwickelt und zusammengestellt, die teils kurz- und mittelfristig umsetzbar sind, teils auch noch sehr viel ferne Zukunftsmusik spielen. Trier-West präsentiert sich äußerlich als ein Stadtteil mit vielen Wunden, derer Heilung es zunächst durch eine übergreifende städtebauliche Sanierung bedarf. Neben der Aufwertung des Wohnumfeldes finden auch die Verkehrsproblematik, die nötige wirtschaftliche und touristische Entwicklung im blauen Heft Berücksichtigung. Notwendigkeit besteht ebenso, hinter den Fassaden aufzuräumen. "Vergessen" fühlen sich die Menschen, stigmatisiert von einigen Schandflecken. Obwohl es in Trier-West eine große Zahl sozialer Einrichtungen gibt, besteht weiterer Bedarf, den Aufbau eines allumfassenden Netzwerkes, das Selbstverständnis und Bewusstsein der Bewohner für ihren Stadtteil und aufsuchende Kinder-, Jugend-, Eltern- und Familienarbeit zu intensivieren und auch neu zu verankern.Doppel-Stadtteil mit Potenzial

In wenigen Stadtteilen war das Interesse an der Bürgerbeteiligung so stark, selten die Arbeit so ergiebig. Dies zeigt das große Potenzial des Doppel-Stadtteils, in dem sich "in den nächsten Jahren einiges bewegen wird", so Peter Kappenstein vom Büro für Sozialplanung. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zur Stadtteilrahmenplanung, die parallel zum Programm "Soziale Stadt" im Westen läuft, fließen in den Entwicklungsprozess der Bund-Länder-Förderung ein, von der es keine Gelder gäbe, wenn die Bürger nicht beteiligt würden. Die Kinder nahmen am Prozess teil, hielten ihre Wünsche für die Zukunft in Bildern fest, die im Rathaus ausgestellt werden und von denen neun prämiert wurden. Eine Umfrage unter den Jugendlichen brachte auch die Bedürfnisse dieser Altersgruppe ein, wie Schaffung neuer Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie adäquater, altersgerechter Angebote unter anderem durch die Sanierung der Sportanlagen. 75 Prozent der Befragten gaben trotz aller Missstände ein eindeutiges Votum für die Weststadt ab, denn dort wollen sie auch noch im Jahr 2010 leben. Die Arbeitsgruppen Soziales und Wohnen haben ihre Ziele mit viel Bodenhaftung entwickelt, beschäftigten sich allerdings weniger mit Pallien und dem Markusberg als mit Trier-West. "Pallien ist historisch gewachsen, da ist noch so ziemlich alles in Ordnung", sagte von der AG Wohnen Erich Kolb, der seit Jahrzehnten in der Gneisenaustraße lebt. Ortsteilübergreifend wurde das Thema Verkehr bearbeitet. Der Westen ist stark belastet durch die Blechlawinen von der B 51, aber auch vom Durchgangsverkehr zum einen aus Biewer und Ehrang sowie aus Zewen und Luxemburg. Im Vergleich zu der Situation von 1990, so AG-Sprecher Albrecht Classen, habe es einen Zuwachs des Verkehrsaufkommens in der Weststadt um 20 Prozent gegeben. Mit steigender Tendenz. Die Knotenpunkte zu entschärfen, wie etwa bei der Kreuzung Kölner-, Horn- und Römerstraße, und verkehrsberuhigende Maßnahmen sowie Ausbau der Rad- und Fußwege sind anvisierte Ziele. Großprojekte wie der Bau von weiteren Moselquerungen, einer Nordbrücke bei Biewer und mehrerer Fußgängerbrücken oder eine direkte Anbindung an die Autobahn A 64 hingegen sind derweil Zukunftsentwürfe, die der Stadtverwaltung viel Stoff zum Nachdenken geben werden.