Visionen zu einem kostenfreien Nahverkehr

Mobilität : Visionen von einem kostenfreien Nahverkehr

Viele Menschen wünschen sich beim Blick über die Grenze nach Luxemburg auch die kostenfreie Fahrt mit Bus und Bahn in der Region. Eine Diskussion in Trier hat gezeigt: Damit das gelingen kann, muss noch viel Vorarbeit geleistet werden.

Das Kasino am Kornmarkt Trier war sehr gut gefüllt. Grund für den Andrang war eine Veranstaltung der CDU über kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr. Dazu hatte der Trierer CDU-Vorsitzende Maximilian Monzel einige Redner eingeladen, allen voran Francois Bausch, Verkehrsminister Luxemburgs und treibende Kraft hinter dem engagierten Projekt kostenfreier ÖPNV, das ab März 2020 in Luxemburg starten wird (der TV berichtete mehrfach).

Die Veranstaltung war als Diskussionsrunde zu kostenfreiem ÖPNV in der Region gedacht – aufbauend auf einem Vortrag des Ministers über die Umsetzung des Vorhabens in seinem Land. Die zentrale Position, die Bausch vertritt,  ist folgende: „Der kostenfreie ÖPNV ist lediglich die Kirsche auf dem Kuchen. Und der Kuchen muss erstmal gebacken werden.“

Sein Vergleich zielt auf den Gedanken ab, dass ein kostenfreier, aber miserabler ÖPNV wirkungslos ist, will man Verkehrsströme vom Individualverkehr auf Bus und Bahn umlegen. Damit wäre der sprichwörtliche Kuchen also zunächst ein guter, attraktiver Nahverkehr, den es zu backen gilt. „Die Vision vom kostenfreien Nahverkehr hat bei uns die Aufmerksamkeit erregt. Wirksam war aber die jahrelange Vorabeit“, postuliert Bausch.

Das Auto ist so bequem, dass niemand darauf verzichtet, wenn er kein Angebot hat, das ähnlich gut oder sogar besser ist, lautet Bauschs These. Daran sei in Luxemburg gearbeitet worden, mit innovativen, digitalen und multimodalen Lösungen. Auch stellt der Politiker den Mut für ein solches Vorhaben in den Mittelpunkt. Mut für Investitionen, den es in Deutschland so nicht gebe. „Qualität schafft Nutzer“, und Qualität könne nur durch Investitionen erreicht werden. 600 Euro pro Kopf investiere der kleine Staat pro Jahr in Infrastrukturmaßnahmen. In Deutschland sei es lediglich ein Zehntel dessen.

Diskutiert wurde vor allem die Übertragbarkeit des luxemburgischen Modells auf die Region Trier. Die Trierer in der Runde waren sich in einigen Punkten einig: Ein kostenfreier – zumindest gänzlich eigenfinanzierter – ÖPNV sei bei der aktuellen rheinland-pfälzischen Finanzlage zur Zeit nicht denkbar, sagte Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz (CDU).

Außerdem war man sich einig, dass der VRT, der ab September bereits drei und bis 2025 insgesamt 15 neue Linien schaffen wolle, auf einem guten Weg sei, den von Bausch angesprochenen Kuchen zu backen.

Inwieweit dieser Kuchen schon fertig ist, daran schieden sich aber die Geister. Stimmen aus dem Publikum lobten die Bemühungen, andere zeigten Nachholbedarf auf.

Populär war auch die Aussage aus dem Publikum vom neuen Kürenzer Ortsvorsteher Ole Seidel (Grüne), der die langen Diskussionszeiten um günstige Finanzierungsmodelle monierte. CDU-Vorsitzender Monzel sicherte ihm die Bereitschaft der CDU-Fraktion zu, schnelle Lösungen für den Trierer ÖPNV zu suchen.

Problematisch sah die Runde ebenfalls die aktuell unklare Tariflage, vor der die vielen Nahverkehrsbetriebe in der (Groß-)Region stehen: „Es geht nicht“, monierte VRT-Geschäftsführerin Barbara Schwarz, „wenn die Fahrt von Wittlich über Trier nach Luxemburg gebucht bei der CFL (Luxemburgischer Bahnbetreiber) günstiger wird als die Buchung einer Fahrt von Wittlich nach Trier bei der Deutschen Bahn.“ Da Verkehr auch ein wichtiger Standortfaktor sei, müsse das Projekt Tarifeinheit schnell angegangen werden, sagte Wilfried Ebel, Verkehrsexperte der IHK.

Generell müssten laut Andreas  Ludwig (CDU), Dezernent der Stadt Trier, die Quattropolstädte Trier, Luxemburg, Saarbrücken und Metz verkehrspolitisch enger zusammenarbeiten, um die Pendlerströme optimal zu bewältigen. Bausch stimmte von Luxemburger Seite zu und verwies auf die vielen bilateralen Projekte, die in der Vergangenheit mitfinanziert worden seien.

Timm Fuchs, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und Verkehrsexperte, riet, die Verkehrswende jedenfalls schnell anzugehen.

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