Viva México

TRIER. Tequila, Mariachi und Sombrero gefällig? Wer mehr über Mexiko wissen will, kann im Internet auf zahlreiche nichtkommerzielle Seiten zurückgreifen. Eine der größten im deutschsprachigen Raum betreibt ein Trierer – aus "Liebe zu Land und Leuten".

Eine Frau ist an allem schuld: Oliver Koch nimmt an einem Berufslehrgang teil, als er Beatriz aus Mexiko kennen lernt. Die beiden freunden sich an, zwei Jahre später besucht der gebürtige Saarländer sie in ihrem Heimatland. "Ich habe damals nur wenig Spanisch gesprochen und lediglich ein Wörterbuch bei mir gehabt. Mit dem bin ich dann durch Mexiko gereist - und es hat mir bei Gesprächen, etwa mit Taxifahrern oder Polizisten, weitergeholfen." Fremd sei ihm damals das Land mit seinen rund 100 Millionen Einwohnern zunächst erschienen, doch das Gefühl wurde bald angenehmer - nicht nur der tropischen Temperaturen wegen. In Beatriz' Heimatstadt, ein Ort namens Cuernavaca, ist er bei deren Familie zu Gast, die ihn wie einen Sohn aufgenommen habe, sagt der Reisende. Sieben Jahre ist das her, und die Beziehung zur damaligen Freundin mittlerweile Teil der Vergangenheit. Doch der heute 37-Jährige hat den Kontakt zum Land der Mayas und Azteken nicht abgebrochen. Die Liebe zu Land und Leuten ist geblieben, "als ob noch immer ein Teil meiner Familie dort leben würde", bekennt Koch. Zur Familie der Verflossenen hält er weiterhin Kontakt, und im Sommer dieses Jahres wird er erneut nach Mexiko fliegen - es wird die mittlerweile fünfte Reise sein. Wen wundert es da, dass der Landeskenner auch eine der größten deutschsprachigen Internetseiten über Mexiko betreibt - nichtkommerziell, gepflegt in der knappen Freizeit und finanziert aus eigener Tasche (Adresse: www.omex.de). Seine ersten Veröffentlichungen im virtuellen Raum waren noch eine Art Verarbeitung der neuen Eindrücke, sagt er - heutzutage ist es eine immens gewachsene Seite mit zahlreichen Zusatzprojekten. Den eigentlichen Startschuss für den Ausbau lieferte ein Film über Straßenkinder. Koch fand Kontakt zu einem lokalen Hilfsverein, sammelte Spendengelder für körperbehinderte Kinder und Erwachsene. Mittlerweile hat er damit drei Betroffenen einen Rollstuhl finanzieren können. Seine Internetseite soll helfen, auf das eigene "Mexiko-Hilfswerk" aufmerksam zu machen, ist aber auch ein "Beitrag zur Völkerverständigung", erklärt Koch. Seine Reisen sind kein reiner Urlaubstrip, er sucht Hilfsorganisationen auf und pflegt Kontakte. "Ich möchte den an Mexiko Interessierten einen Bezug zum Land über den Pauschalurlaub hinaus vermitteln", sagt er. Abbau von Stereotypen und Hilfestellungen bei Reisen oder Umzügen nach Mexiko, aber auch Tipps für die Mexikaner, die in Deutschland leben. Allein 160 000 Besucher monatlich zählt das eigene Portal, das so ziemlich alle Themen zu Mexiko von A bis Z abzudecken sucht. Es wird zudem durch ein rasch wachsende Lexikon und ein Diskussionsforum mit mittlerweile 40 000 Beiträgen ergänzt - beides Gemeinschaftsprojekte von Koch und etlicher Gleichgesinnter aus Deutschland und Mexiko. Der Trierer ist dabei der "Administrator" des Ganzen, eine Art Oberaufseher. Das alles setzt der in Luxemburg tätige Krankenpfleger in seiner knappen Freizeit um. Mitunter muss dann mal eine Nacht am PC gearbeitet werden. Gebürtig ist er aus Losheim am See im Saarland, früher hat er in Merzig gewohnt. Nach Trier ist er aus persönlichen Gründen gezogen. Gänzlich unbekannt ist ihm die Römerstadt nicht, Freunde wohnen hier, vieles hier muss er aber noch kennen lernen "Das hiesige Kulturangebot etwa", gesteht der Neumoselaner - und auch die Kneipenlandschaft, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Ans Auswandern gleich über den Atlantik in sein Lieblingsland hat auch Koch durchaus gedacht. "Ich hätte gern in Mexiko gelebt und gearbeitet", sagt er. "Aber meiner Tochter wegen bin ich doch lieber hier geblieben."

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