Vogelfrei im Mittelalter

TRIER. Mit zwei Aufführungen der Komödie "Vogelfrei im Eifelland" begeisterte die Bühnentruppe "Schmit-z Family" das Publikum. Das Theaterstück fordert zu mehr Toleranz gegenüber Homosexualität auf.

Ein "warmes Willkommen" und Vorhang auf für "Vogelfrei im Eifelland". Die "Schmit-z Family" hat ein Theaterstück auf die Beine gestellt und entführt die Zuschauer ins Mittelalter. Die Handlung: Im Jahre 1192 verschreiben sich immer mehr Menschen in Europa der Heterosexualität. Doch ein paar unerschrockene Schwule und Lesben haben im Eifelland einen Rückzugsort geschaffen. Butscheburg bietet Platz für alle Homosexuellen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Graf (Günther Thommes), seine Gemahlin (Stefan Kronauer) und ihr Hofstaat genießen das "schwule Leben" in Butscheburg. Werben für Toleranz

Doch die Ruhe wird durch zwei Eindringlinge unsanft gestört, die sich aber als Boten des Königs entpuppen und deshalb herzlich empfangen werden. Des Grafen Sohn findet Gefallen an dem Gast - schade nur, dass der glücklich verheiratet ist. Doch der Grafensohn gibt nicht auf und versucht mit einem Liebestrank den unwissenden Gast zu einem homosexuellen Abenteuer zu verleiten. Das Theaterstück der "Schmit-z Family" begeistert durch den ständigen Wortwitz der Charaktere. Die Bühnentruppe des "Schmit-z", dem Trierer Schwulen- und Lesbenzentrum, bringt jedes Jahr ein Theaterstück auf die Bühne. In diesem Jahr übte sich die Theatergruppe an einem Experiment. "Noch nie haben wir so ein historisches Stück gespielt", berichtet Alex Rollinger, der für die Regie zuständig ist und die Rolle der Äbtissin übernommen hat. "Es ist schon eine Herausforderung, sich auf eine komplett andere Zeit einzulassen." Das Drehbuch für die historische Komödie schrieb Klaas Michel gemeinsam mit einem Team. Immer wieder streuen die Schauspieler Tanz- und Playback-Einlagen in die Handlung ein. Songs von Aretha Franklin, Pink und Texas Lighning unterstreichen die Aussage der einzelnen Szenen. Mit der Aufführung möchte die "Schmit-z Family" auf komödiantische Art und Weise verschiedene Aspekte des Lebens von Schwulen und Lesben darstellen. Das bunt gemischte Publikum möchte die Theatertruppe zu mehr Toleranz und Offenheit gegenüber Homosexuellen auffordern. Ganz bewusst entschied sich die "Schmit-z Family" in diesem Jahr für ein mittelalterliches Stück. "Schließlich gab es Schwule und Lesben auch schon im Mittelalter", erklärt Nele Engel. Wer das "warme Willkommen" der "Schmit-z Family" verpasst hat, bekommt noch eine zweite Gelegenheit. Am 7. und 8. Oktober wird "Vogelfrei im Eifelland" erneut aufgeführt.

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