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Kriminalität
Ein Waffennarr von Kindesbeinen an

 Waffen aus dem Ersten Weltkrieg: Auch die sind von den mutmaßlichen „Reichsbürgern“ in Kordel gesammelt worden.
Waffen aus dem Ersten Weltkrieg: Auch die sind von den mutmaßlichen „Reichsbürgern“ in Kordel gesammelt worden. FOTO: Neubert Rainer
Kordel. Der gelernte Sprengstoffexperte aus Kordel hat vor fünf Jahren einem Reporter des Trierischen Volksfreunds einen Teil seiner Sammlung präsentiert. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Wer ist der Mann, bei dem Mitarbeiter der Kreisverwaltung Trier-Saarburg und der Polizei am Donnerstag Waffen und Munition sichergestellt haben?  Der 60-jährige gelernte Maschinenbauingenieur und Sprengstoffexperte hatte seit seiner Kindheit Devotionalien aus dem Ersten Weltkrieg gesammelt. Das berichtete er dem Autor dieses Berichts vor fünf Jahren.

Bei Recherchen des Trierischen Volksfreunds für eine Serie zum Beginn des Ersten Weltkriegs war im Juni 2014 der Kontakt zu dem Mann entstanden. Er hatte auf den Aufruf an die TV-Leserinnen und Leser reagiert und die Redaktion zu einem Besuch in Kordel eingeladen. Der Anblick, der sich dort auf einem großen Tisch vor dem Haus bot, war beeindruckend und besorgniserregend. Denn der Waffenhändler präsentierte dem überraschten Redakteur sorgfältig angeordnete Originalstücke und Nachbauten von Militärzubehör und Munition. „Da ist natürlich nichts scharf“, versicherte er auf Nachfrage.

Und dann erzählte er seine Geschichte. Nach seinem Studium habe er sich selbstständig gemacht und 1985 gemeinsam mit seinem Vater das Waffengeschäft in Kordel gegründet. Er bezeichnete sich als „Sachverständiger in Sachen Waffentechnik, Pyrotechnik und Sprengstoff“, der in der Region Trier und deutschlandweit tätig gewesen sei. Als Referent sei er auch beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aktiv gewesen.

Die Funktionsweisen und technischen Details der präsentierten Granaten, Zünder, Patronen, Zündmechanismen und Waffen erklärte der Mann detailliert und mit Begeisterung. „Wer sein ganzes Leben lang sammelt, der bekommt einiges zusammen“, war die Antwort auf die Frage, ob die präsentierten Waffenrelikte die komplette Sammlung darstellten. Zahlreiche weitere Devotionalien seien sicher verwahrt an einem geheimen Ort in der Eifel. „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich auch Ihnen den genauen Ort nicht verraten werde.“

Zwar ließ der von Waffen begeisterte Händler in dem einstündigen Gespräch keine staats- oder fremdenfeindlichen Ansichten erkennen.  Nach dem anschließenden Besuch in den vollgepackten Räumen des Waffengeschäfts mit zahlreichen alten Karabinern an der Wand verstärkte sich dennoch das ungute Gefühl, das beim Anblick der Waffenpräsentation entstanden war. Auf eine Berichterstattung hat der Trierische Volksfreund deshalb damals verzichtet.