Volkshochschule Trier stellt neues Programm vor und feiert Jubiläum

Bildung : „Spricht hier jemand Altgriechisch?“

Vor 100 Jahren wurde die Volkshochschule Trier gegründet und ging immer mit der Zeit. Nun bietet sie sogar Livestreams an.

Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Menschen wollten leben. Sie wollten ins Theater gehen, musizieren, aber auch sich fortbilden. Die junge Republik unterstützte das. In der Weimarer Verfassung heißt es etwa: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ Überall in Deutschland wurden Volkshochschulen (VHS) gegründet, um die 900 gibt es heute bundesweit.

Die Trierer VHS wurde am 22. Februar 1920 in der Aula der Kunstgewerbeschule am Paulusplatz gegründet. Wenige Jahre später musste sie aus Geldmangel schon wieder schließen, und im späteren Dritten Reich hatten solche Bildungseinrichtungen keinen Platz. Doch dann war auch der Zweite Weltkrieg vorbei und die Menschen wieder frei und wissbegierig. Am 30. Januar 1947 öffnete die Volkshochschule Trier wieder ihre Türen.

Von Beginn an war sie am Puls der Zeit, bot etwa 1949 Angebote über das neue Grundgesetz an oder später in den 60er Jahren Deutschkurse für Gastarbeiter. Sprachkurse dominieren bis heute das Angebot der VHS Trier, die gerade ihr Programm für das erste Halbjahr 2020 von März bis August präsentiert hat. Neben Kursen in Englisch, Französisch oder Luxemburgisch wird auch Japanisch, Swahili oder gar Altgriechisch angeboten. Daneben gibt es Deutschkurse für Nicht-Muttersprachler und Alphabetisierungsangebote für Muttersprachler. „Wir haben geschätzt einige Tausend Menschen in Trier, die nicht so gut lesen und schreiben können. Denen bieten wir kostenlose Kurse an“, sagt Rudolf Fries, Leiter der Volkshochschule Trier und Leiter des Bildungs- und Medienzentrums der Stadt Trier. Der Einstieg in laufende Kurse ist dabei jederzeit möglich.

Rund 12 000 Teilnehmer zählt die VHS Trier pro Jahr. Rund 500 Angebote von 250 Dozenten gibt es im neuen Programm. „Die Volkshochschule führt in einer normalen Semesterwoche über 200 Veranstaltungen an ihren verschiedenen Kursorten durch“, sagt Fries. Dazu gehören etwa der Hauptstandort am Domfreihof, im Bürgerhaus in Trier-Nord und an den Berufsbildenden Schulen. Dazu kommen Hallen etwa für Yogakurse. „Gesundheitskurse und ruhige Sportarten sind ein großes Thema“, sagt Fries.

Das Angebot ist breit gefächert. Es gibt etwa Kurse für Fotografie und Bildbearbeitung, kreatives Nähen, Grundlagen des Goldschmiedens, die japanische Blumensteckkunst Ikebana, Gitarrenkurse, Salsa, den Sportbootführerschein Binnengewässer oder veganes Kochen. Auch Konzerte richtet die Volkshochschule Trier aus – etwa das Sommerfest der Jazz- und Rockabteilung der Tufa. Die VHS arbeitet mit mehr als 30 Kooperationspartnern zusammen wie der Lokalen Agenda oder der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

Die Preise wurden nicht erhöht: Yoga kostet etwa neun Euro pro Sitzung, Sprachkurse meist weniger als sechs Euro. Dreiviertel der Kosten erwirtschaftet die VHS selbst, ein Viertel trägt die Stadt Trier.

Die Volkshochschule, welche bereits zwei Mal den rheinland-pfälzischen Weiterbildungspreis gewonnen hat, organisiert auch etliche Einzelveranstaltungen wie historische Führungen – etwa über die Steipe am Hauptmarkt – oder Vortragsabende. Die teilen sich in unter anderem Infoabende wie „steuerliche Aspekte bei einer Scheidung“, Genussveranstaltungen („Dufte Sache – Riesling und seine Freunde“) und politische Abende („Deutschland, Frankreich und Italien im Spannungsfeld der EU“ oder „Rekonstruktion der SPD zwischen Protest und Reform“). Letzteres ist ein Livestream aus München. Die VHS setzt erstmals auf Streams von Vorträgen, welche online abgerufen werden können.

Dazu kommen Ausstellungen wie etwa ein Fotoprojekt mit ehemaligen Frauenhaus-Bewohnerinnen. „Volkshochschulen sind Orte der Demokratie und schaffen einen öffentlichen Raum für Auseinandersetzung und Verständigung“, sagt Fries.