Vom Biertrinker zum Weinliebhaber

TRIER. "Man muss schon ein wenig verrückt sein. Wenn man nicht so verliebt in Wein wäre, könnte man das nicht machen", sagt Otti Büsching. Außerdem braucht man eine gute Geschäftsidee und Erfahrungswerte. Die Mischung stimmte, und so haben sich der Ex-Karstadt- und Markthallen-Geschäftsführer und seine Frau Jutta mit einem eigenen Weinlokal selbstständig gemacht.

"Was in der Vergangenheit gelaufen ist, kann man nicht mehr reparieren", sagt Otti Büsching (59). Doch in Bitterkeit zurückzublicken, scheint nicht dem Wesen des Geschäftsmannes zu entsprechen. Ob es das "teure Kapitel Markthalle" ist oder das Verlassen des Karstadt-Konzerns nach 36 Jahren - seinen nach vorne in die Zukunft gerichteten Blick hat der 59-Jährige nicht verloren. "Es gibt immer Höhen und Tiefen, die zwar auch weh tun. Aber damit lernt man, in einem langen Berufsleben umzugehen." Aufgeben kam für Büsching nicht in Frage. Im Gegenteil: Die auch aus Niederlagen gewonnenen Erfahrungen scheinen mit zum Konzept seiner aktuellen Geschäftsidee beigetragen zu haben. "Es ist ein Lebenselixier, sich mit der Materie zu beschäftigen. Triebfeder für mich war auch der Ehrgeiz und die Verantwortung gegenüber meiner Familie", sagt Büsching. "Außerdem bin ich mir das selbst eigentlich schuldig." Er ist Geschäftsmann durch und durch. Über Jahre sei sein momentanes Projekt als Idee gereift. Ein wichtiges Ereignis auf diesem Weg sei es gewesen, dass er den Weinpreis der Stadt Trier für sein Engagement für die Weine von Mosel, Saar und Ruwer verliehen bekam. "Das war der Ansporn, mich weiter mit Wein zu beschäftigen." Und vor allem mit Weinen der Region, denn Büsching sagt, wenn Trier mit dem Prädikat Weinstadt und größte Weinstadt der Region werbe, müsste es für Weinfreunde an einem Ort konzentriert möglich sein, sich quer durch die einheimischen Tropfen zu probieren. Das habe es in Trier bisher noch nicht gegeben. Eigentlich sei er, der aus dem norddeutschen Bremerhaven stammt, ein Biertrinker gewesen. Affinitäten zum Wein habe er erst richtig entwickelt, als er seine zweite Frau Jutta während einer Weinprobe in München kennen lernte. Daraus ist eine regelrechte Passion entstanden. Kontakte zu vielen Winzern sowie "Hilfestellungen und ehrlich gemeinte Ratschläge" hätten zum ersten Gelingen beigetragen. "Klinken putzen" sei er mit der Idee gegangen. Bei 26 Weingütern habe er Unterstützer gefunden. Im Weinhaus in der Brückenstraße 7 verkaufen Otti und Jutta Büsching die guten Tropfen zu Weingutspreisen; die Geschäftsleute verstehen sich als "Promoter" für weniger bekannte Winzer. Dem Weinhaus will Büsching Seele einhauchen und die Gäste neugierig machen. Viele Ideen dafür ruhen noch in der Schublade. Ob ein Winzer- oder Weinfreundestammtisch oder die längste Weintafel Triers, Themenabende und Weinproben - Büsching geht die Fantasie nicht aus. Ein Höhepunkt ist eine kommentierte Vergleichsweinprobe, für die die Büschings Egon Müller vom Weingut Scharzhof an der Saar gewinnen konnten. "Das wird ein einmaliges Erlebnis sein", freut sich Büsching. Für diese Weinprobe am Donnerstag, 3. November, um 20 Uhr, gibt es noch wenige freie Plätze. Karten unter Telefon 0651/1704924.