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Vom Drei-Finger-Joe in Nells Park

Vom Drei-Finger-Joe in Nells Park

Sie ist Gastwirtin und Betreiberin des Kult-Imbiss"Beim Drei-Finger-Joe": Monika van Bellen. Nach dem Thekendienst zieht es sie einmal in der Woche ins Nells Ländchen. Was die 43-Jährige an ihrem Lieblingsplatz, im Park im Norden von Trier, schätzt, davon berichtet sie in unserer TV-Serie.

Trier. (kat) "Ich bin ein echtes Trier-Norder-Mädchen. In Trier bin ich daheim - privat und beruflich. Einige kennen mich noch als "Pillen-Mon". Meine Arbeit in einer Apotheke am Hauptmarkt hatte mir diesen Spitznamen eingebracht. Vor fünfzehn Jahren haben mein damaliger Mann Ralf und ich die Eckkneipe "Sieh um Dich" mit dem Kult-Imbiss "Beim Drei-Finger-Joe" übernommen.

Apropos: Den Namen hat der Imbiss einem Mitarbeiter zu verdanken, der dort seine Brötchen verdiente. Trotz einer Behinderung an einer Hand, weshalb ihn die Trierer irgendwann "Drei-Finger-Joe" nannten, war er unglaublich flink. Er brutzelte und verkaufte etwa zwanzig Jahre lang Pommes mit den selbst gemachten Spezialsoßen, Bratwurst und hausgemachtes Schaschlik mit Nierchen.

Er ist Algerier und wird heute wohl 70 Jahre alt sein. Nach unserer Übernahme hat er noch eine Zeit lang hier gearbeitet, aber leider weiß ich nicht, wo er heute lebt. "Drei-Finger-Joe" hatte nicht nur die Friteuse und den Grill im Griff, sondern auch die Lage nachts.

Als es noch ein richtiges Nachtleben in der Innenstadt gab! Nach einem Besuch im Starlight, Fiasko oder Royal gehörte es für viele Nachtschwärmer dazu, sich am Imbiss für den Nachhauseweg oder die weitere Party zu stärken. Bis morgens um fünf Uhr gab es was zum Essen - heute nur noch bis um eins.

Nie hat es Palaver gegeben. Denn "Drei-Finger-Joe", der starrsinnig und nicht aus der Ruhe zu bringen war, war eine Respektsperson.

Es kommt noch regelmäßig vor, dass Kinder während Stadtralleys hereinschneien und fragen: "Wo ist der Drei-Finger-Joe?"

Auch viele Promis haben schon hier eine Curry- oder Bratwurst gegessen: Udo Jürgens, Lionel Ritchie, Jürgen Drews, um nur ein paar zu nennen.

Hier kommt eben jeder hin: vom Hartz-IV-Empfänger bis hin zum fernsehbekannten Künstler, in der Kneipe trinken Omis ihren "Cappu", Motorradfahrer ein Bierchen.

Ich kenne viele Geschichten, ich bin für alle "et Mon". An der Kneipen- und Imbisstheke spiegelt sich das Leben, so wie es ist.

Das mag ich! Das ist mein Leben! Aber einmal in der Woche muss ich zu meinem Lieblingsplatz, in den Nells Park. Die Seele baumeln lassen, mich entspannen vom Trubel in der Stadt und der Arbeit.

Ich liebe den Weiher mit den Enten, die Rosensträucher, den ganzen Park. Wohl auch, weil ich früher oft mit meinen Eltern und Geschwistern dort war. Familienintern hieß und heißt der Park Nells Ländchen.

Manchmal bin ich bei meinem Papa, der einen Motorroller hatte, mitgefahren. Ich saß vor ihm, die Händchen mit am Lenker und wir sind losgebraust, mit wehenden Haaren, zum Spielplatz im Nells Ländchen. Und an die Blumentage kann ich mich noch bestens erinnern.

Vor allem an den Sonntag, an dem wir einen riesigen Gemüsekorb gewonnen hatten. Die gesamte Familie hat den Korb mit Weißkohl, Wirsing, Möhren und allem was es an Gemüse gibt, nach Hause in die Zeughausstraße geschleift. Das war ein Spaß!

Wir hatten kein Auto. Wir waren einfache, bodenständige Leute. So wie viele Trierer. Das mag ich an den Menschen hier und viele sind so wie ich - tief mit ihrer Stadt verwachsen."

Aufgezeichnet von Katja Bernardy