Vom Franzosen-Kino ins Palais

Vom Franzosen-Kino ins Palais

Die Betreiber der Diskothek "Forum" im Ex-Franzosen-Kino in der Hindenburgstraße haben den "Kunst- und Kulturförderung e.V." gegründet. Nach TV-Informationen wollen die Gastronomen mit dem Verein die Nachfolge der "produktion" im Palais Walderdorff antreten.

Musik-, Theater-, Filmvorstellungen, Ausstellungen und Lesungen. Dazu Vorträge und Diskussionen für Jugendliche: Liest man die Satzung des neuen Vereins "Kunst- und Kulturförderung", seit dem 7. Juli im Vereinsregister eingetragen, fühlt man sich unweigerlich an das Programm des Jugend- und Kulturvereins "produktion" erinnert. Aber nicht nur beim Vereinszweck gibt es Parallelen. Denn der Verein "Kunst- und Kulturförderung" will nach TV-Informationen in den gleichen Räumen im Palais Walderdorff wirken, in denen die "produktion" bis zum 1. Mai zu Hause war. Weil die "produktion" sich in die Pleite manövriert und mehr als 300 000 Euro Miet- und sonstige Schulden angehäuft hatte, musste sie zum 1. Mai raus aus Partykeller und Kulturcafé.

Dabei hatte ihr Sanierungskonzept den Einstieg eines professionellen Gastronomen vorgesehen, der einen Teil der Schulden und das Catering übernehmen und wirtschaftlich betreiben wollte. Doch die Stadt, die die Räume von der Immobilienbesitzerin Nikolaus-Koch-Stiftung gepachtet und an die "produktion" untervermietet hatte, verwehrte den Neustart. Grund dafür war eine im Mietrecht verankerte Konkurrenzschutz-Klausel. Diese schließe aus, dass neben der benachbarten kommerziellen Diskothek "Tonis" eine weitere kommerzielle Disko im Palais betrieben werde. Der Einstieg eines Gastronomen käme einer solchen Kommerzialisierung allerdings gleich. Per Annonce suchte die Stadt daher ausdrücklich nach Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen als neue Mieter.

Doch auch der neue Verein "Kunst- und Kulturförderung", mit dem das Kulturamt nach TV-Informationen konkrete Vertragsgespräche über die Anmietung der Ex-"produktion"-Räume führt, ist eng mit der professionellen Gastronomie verbunden: Schließlich ist der erste Vereinsvorsitzende Francesco Sanna gleichzeitig Geschäftsführer der Disko "Forum" in der Hindenburgstraße. Zweiter Vorsitzender ist Ronny Streiss, der bei der nicht nur bei Studenten beliebten Diskothek für die Finanzen zuständig ist.

Wie ihr gemeinnütziges Vereinsangebot im Palais Walderdorff aussehen und sich vom Party-Angebot des "Forums" unterscheiden soll, darüber wollten die Gastronomen und Vereinsvorsitzenden in Personalunion trotz mehrfacher Anfrage nicht mit dem TV sprechen.

Und auch Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink verweist auf ein "laufendes Verfahren", zu dem er sich nicht "äußern darf und kann".

Meinung

Nicht zweierlei Maß anlegen!

Das Palais Walderdorff ist eine ideale Adresse fürs Club- und Party-Volk. Chices Äußeres, zentral, und die Disko "Toni" belebt das Geschäft. Kein Wunder also, dass nach Gastronom Matthias Sonnen, der bei der "produktion" einsteigen wollte, mit Francesco Sanna eine zweite Trierer Gastro-Größe Interesse zeigt. Sollte ihn der Umweg über die Vereinsgründung zum Ziel führen, dürfte das die Kulturschaffenden der "produktion" allerdings kriminell ärgern. Zu Recht. Denn mit professionellem Getränkeverkauf und Management im Rücken hätte die "produktion" es schaffen können, aus den Schulden herauszukommen und weiter ihr Programm anzubieten. Wollen sich Kulturamt und Nikolaus-Koch-Stiftung nicht dem Vorwurf aussetzen, mit zweierlei Maß zu messen, müssen sie das Konzept des "Kunst- und Kulturförderung e.V." daher ganz genau prüfen. c.wolff@volksfreund.de

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