Vom grauen Kasten zum modernen Kunstwerk

Jeder kennt sie, kaum einer nimmt sie wahr: Über 1350 Stromschaltkästen und Gasregelstationen stehen im Trierer Stadtgebiet. Während sie mit ihrer Innenausstattung zur Straßenbeleuchtung und Energieversorgung beitragen, bieten ihre Außenwände ab sofort Platz für moderne Kunst.

 Innen Funktion, außen Kunst: In zweieinhalb Arbeitstagen haben sich die Außenwände der Gasregelstation in ein Beispiel für moderne Kunst verwandelt. Foto: privat

Innen Funktion, außen Kunst: In zweieinhalb Arbeitstagen haben sich die Außenwände der Gasregelstation in ein Beispiel für moderne Kunst verwandelt. Foto: privat

Trier. (red) In Zusammenarbeit mit der Stadt, insbesondere mit Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani, haben die Stadtwerke Trier (SWT) den Trierer Graffitikünstler Laurent Steinmayer mit der Gestaltung von drei Objekten beauftragt. Seit Mitte Juni präsentieren sich eine Gasregelstation in der Kohlenstraße am Einkaufszentrum Tarforster Höhe, ein Stromschaltkasten am Simeonstiftplatz und ein Stromschaltkasten auf dem Vorplatz der Porta Nigra in neuer Außengestalt.

Während das Graffito auf der Gasregelstation ein Rohrsystem mit integriertem SWT-Logo zeigt, haben sich die Stadtwerke und Steinmayer bei der Motivwahl für die Stromschaltkästen an der direkten Umgebung orientiert.

"Aufgrund der Nähe zur Porta Nigra und zum Simeonstift war es uns wichtig, die Objekte so gut wie möglich ins historische Stadtbild zu integrieren", begründet Arndt Müller, stellvertretender SWT-Vorstand, die Entscheidung. Innerhalb von jeweils vier Stunden hat Steinmayer die beiden Stromkästen nach dem Vorbild der dahinter liegenden Steinstruktur in ein Stück Mauer verwandelt. Die Sinnestäuschung ist gelungen, wie das spontane Kommentar eines männlichen Passanten zeigt: "Oh, wenn ich jetzt schon ein Bierchen getrunken hätte, hätte ich den Kasten gar nicht gesehen, find ich klasse."

Von der Kunstaktion profitieren beide Seiten: Während Steinmayer sich über die neuen Gestaltungsmöglichkeiten in Trier freut, hoffen die Stadtwerke auf sinkende Reinigungskosten. "Wir freuen uns, mit der Graffiti-Aktion das Stadtbild aufzuwerten und hoffen, dass die drei Objekte künftig in Ruhe gelassen werden", so Müller.

Die neuen Kunstwerke sind wetterfest und halten je nach Standort bis zu sieben Jahren. Eine Fortsetzung der Aktion mit weiteren Künstlern ist bereits angedacht, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Pilotprojekte nicht verunstaltet werden. "Sonst macht die Investition für uns keinen Sinn", betont Müller. Steinmayer hofft auf weitere Aufträge. Auf die Frage nach seinem Wunschobjekt will er sich aber nicht festlegen: "Es gibt unzählige Stellen, die zur Zeit durch unschöne Schmierereien oder einfach nur ein tristes Äußeres keinen schönen Anblick bieten", so der gebürtige Franzose. extra Laurent Steinmayer: Laurent Steinmayer ist seit Anfang der 80er Jahre in der Trierer Szene aktiv und gilt als der bedeutendste Graffiti-Künstler in der Region. Mit dem Sprühen von Graffiti hat er vor 23 Jahren begonnen. Seit etwa 20 Jahren ist sein künstlerisches Können soweit ausgereift, dass seine Werke zu professioneller Graffitikunst gehören. Er arbeitet seit 1990 mit dem Jugend- und Kulturzentrum Exzellenzhaus Trier zusammen. Die ersten Anfragen der Stadtverwaltung zur Gestaltung öffentlicher Einrichtungen kamen 1988. Bisher hat Steinmayer mehrfach die Gestaltung von Unterführungen, Spielplatzwänden und Wänden des Exzellenzhauses Trier sowie der JVA Trier für die Stadt Trier übernommen.