Vom Heuboden zum Wohnzimmer

Godendorf/Trier · Von einer Ruine zum Juwel: Vor 26 Jahren haben Sylvia und Norbert Krämer einen alten Bauernhof bei Ralingen gekauft. In Kleinarbeit renovierten sie Haus, Stall und Scheune. Der Charme des Hofes ging dabei nicht verloren. Heute möchten die gebürtigen Trierer das Landleben nicht mehr missen.

 Innerhalb von drei Jahren haben Sylvia und Norbert Krämer einen alten Bauernhof in Godendorf renoviert. TV-Foto: Julian Ermert

Innerhalb von drei Jahren haben Sylvia und Norbert Krämer einen alten Bauernhof in Godendorf renoviert. TV-Foto: Julian Ermert

"Früher lagen hier die Heuballen", sagt Norbert Krämer. "Heute ist der Heuboden unser Wohnzimmer." Der 56-Jährige steht vor dem Sofa und breitet die Arme aus. Hoch über seinem Kopf endet die Holzdecke der 160 Jahre alten, ausgebauten Scheune. Es riecht nach Holz, im Kamin brennt Feuer.

Auf drei Ebenen verteilen sich Wohnzimmer, Essecke und Küche. "Die alte Struktur der Scheune ist noch heute erkennbar", erklärt Sylvia Krämer. "Das war unser Ziel: Altes wiederbeleben."

Undichtes Dach, aber ein Bach vor der Haustür



Vor 26 Jahren entdeckten die beiden Trierer den alten Bauernhof in Godendorf. Der erste Eindruck des Hauses anno 1850 samt Scheune und Stall war ernüchternd: "Wir stießen auf eine Ruine", erinnert sich Sylvia Krämer. Elektro- und Sanitäreinrichtungen waren marode, das Dach undicht und Fensterläden abgebaut. Dennoch zog das Bruchsteinhaus die beiden in seinen Bann. Jeden auf seine Weise: "Mich hat der Bach neben dem Haus begeistert", sagt Sylvia Krämer und öffnet die Balkontür. Draußen rauscht es. "Sowas hat man in der Stadt nicht."

Ihren Mann überzeugte etwas anderes: "Das Haus war nicht kaputt renoviert." Die Struktur des Bauernhofes sei fast unberührt gewesen. "So konnte man dem alten Haus wieder Leben einhauchen."

Genau das taten sie in mühsamer Kleinarbeit: Jeder Dachziegel wurde abgenommen und gereinigt. Jeder Balken ersetzt. Ein Scheunentor aus Glas wurde eingepasst, und die Fassade bekam Fensterläden. Vieles erledigte der Hausherr selbst: "Ich war kein Handwerker, aber durch das Haus bin ich einer geworden", sagt der Grafikdesigner schmunzelnd. Wie man ein Mosaik legt, erweckten die Trie-rer die alte Seele des Bauerhofes zu neuem Leben. Das war nicht immer leicht: "Türen, Fensterläden und originale Steine mussten wir uns mühsam auf Antikmärkten und bei Verwandten zusammensuchen. Sowas gibt's im Baumarkt nicht", erzählt Sylvia Krämer.

Eine Tür verbindet heute Scheune und Wohnhaus. Das sei neu, denn erst bei der Renovierung habe man die Bereiche miteinander verschmolzen, sagt Norbert Krämer. Die Räume des 150 Jahre alten Hauses wirken gedrungen: Die Decken sind niedrig, die Fenster klein. Eine Holztreppe verbindet die Etagen, das Knarren verrät ihr Alter. "Die Treppe ist noch original", betont Norbert Krämer. Auch hier sind die meisten Räume unverändert. "Nur hier und da mussten wir die Decken etwas erhöhen."

Seit 23 Jahren leben die gebürtigen Trierer nun in Godendorf. Das Stadtleben vermissen sie nicht: "Auf dem Land ist die Lebensqualität höher", sagt Sylvia Krämer, die früher mit ihrem Mann in Pallien wohnte. "Hier ist es ruhig, und man kann im Sommer auch mal das Fenster auflassen." Nach Trier geht es heute nur noch zum Arbeiten und Einkaufen.

Eine Lebensart, die unter Städtern hoch im Kurs liegt. Norbert Krämer berichtet: "Wir haben viele im Dorf, die von Trier hergezogen sind und sich alte Häuser renoviert haben." Draußen neben dem Scheunentor aus Glas steht eine Keltermaschine. Darin produzieren die Krämers eigenen Viez - und lassen sich das Landleben schmecken. Verliebt in alte Steine:Lieber Leserin, lieber Leser, gerne wollen wir Sie in weitere Wohnhäuser entführen, die außergewöhnlich alt und gut erhalten sind. Wir wollen Ihnen Menschen vorstellen, die in oft jahrelanger Arbeit ein historisches Gemäuer renovieren und über Freud und Leid des Altbau-Wohnens sprechen. Leben Sie vielleicht selbst in einem alten, schönen, möglicherweise denkmalgeschützten Haus und haben Lust, uns über Ihre Motivation zu dieser Wohnweise zu erzählen? Dann mailen Sie uns ein paar Stichworte mit Name und Telefonnummer an mosel@volksfreund.de (gerne auch Bilder), und wir nehmen Kontakt mit Ihnen auf. (red)