Vom Kampf gegen die Unfallschwerpunkte

Auffahrunfälle, Vorfahrt genommen, gefährlicher Spurwechsel: An rund zwei Dutzend Stellen im Trierer Straßennetz kracht es regelmäßig aus den gleichen Gründen. Ein Team aus Fachleuten bemüht sich um Abhilfe - häufig vergebens.

Trier. Kracht es an einer Kreuzung, Ampel oder sonstigen Stelle im Straßennetz innerhalb eines Jahres mindestens fünf Mal aus gleicher Ursache, spricht die Polizei von einer "Unfallhäufungsstelle". Jedes Jahr treffen sich Vertreter von Straßenverkehrsamt, Tiefbauamt, Polizei und Landesstraßenbehörde, um vor Ort zu beratschlagen, wie die gefährlichen Stellen sicherer gemacht werden können. Erfolgreich ist die Unfallkommission dabei nicht immer, wie eine Auswertung der vergangenen Jahre zeigt.

Grob unterschieden werden können drei Kategorien: "Ewige" UHS (in der Grafik rot markiert), die trotz aller Bemühungen der Verkehrsexperten Jahr für Jahr in der UHS-Statistik auftauchen. "Beseitigte" UHS (grün), bei denen Verkehrsschilder, geänderte Markierungen oder Ampelschaltungen die Unfallzahl senken konnten. Und "neu geschaffene" UHS (blau), die erst nach straßenbaulichen Veränderungen zu Gefahrenstellen avancierten.

Zu den "ewigen UHS" gehört die Einmündung der Hornstraße in die Kölner Straße. Seit 30 Jahren passieren an der unübersichtlichen Stelle mit schwieriger Vorfahrtsregelung regelmäßig Unfälle. Die jüngste Entscheidung der Unfallkommission, den Verkehr aus der Hornstraße vor dem Abbiegen in die Kölner Straße durch neue Markierungen leicht Richtung Martinerfeld zu leiten, um so besseren Einblick in die Kreuzung zu gewähren, blieb erfolglos: 2009 krachte es an der Stelle erneut zehn Mal. Eine Änderung der unfallträchtigen Vorfahrtsregelung ist durch den nahen Bahnübergang ausgeschlossen: Martinerfeld und Kölner Straße müssen vorfahrtsberechtigt bleiben, damit es keine Rückstaus über die Gleise gibt.

Eine "ewige UHS" ist auch die Einmündung Martinsufer/Ausoniusstraße. Häufigste Ursache der zahlreichen Zusammenstöße (2008: 24 Unfälle, 2009: 22 Unfälle) sind unvorsichtige Spurwechsel auf der zweispurigen Fahrbahn, die von der Kaiser-Wilhelm-Brücke in die Ausoniusstraße oder nach rechts auf das Katharinenufer führt. Weder die von der Unfallkommission beschlossenen Plastik-Schwellen, die die beiden Fahrbahnen deutlich voneinander trennen, noch eine mit weißer Farbe markierte Sperrfläche noch zusätzliche Verkehrsschilder haben die Unfallzahl merklich reduziert.

Ebenfalls erfolglos blieben die Bemühungen der Verkehrsexperten, die Einmündung der Lindenstraße in den Georg-Schmitt-Platz sicherer zu machen: Trotz in den vergangenen Jahren nachgeüsteter Hinweisschilder und verlängerte Ampel-Rotphasen krachte es dort 2009 ganze 18 Mal. Dass auf der dreispurigen Lindenstraße seit Asphaltarbeiten im vorigen November die Fahrbahnmarkierungen immer noch gänzlich fehlen, habe allerdings keinen Unfall zur Folge gehabt, erklärt die Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage.

An der Einmündung Pellinger Straße/Pacelliufer konnte zwar eine Verlängerung der Ampel-Rotphase auf der Uferstraße Richtung City die Kollisionen mit Autos, die von der entgegenkommenden Fahrbahn nach links in die "Pellinger" einbiegen wollten und trotz "Rot" noch rüberhuschten, senken. Aber nach wie vor kommt es in beiden Fahrtrichtungen an den Ampeln zu Auffahrunfällen. Häufige Ursache: Sowohl die Fahrer, die die Stadt verlassen, als auch die, die von Konz kommend in die 50-Stundenkilometer-Zone wechseln, sind zu schnell unterwegs.

An anderen Stellen haben Entscheidungen der Unfallkommission Abhilfe geschaffen: Zu diesen "beseitigten Unfallhäufungsstellen" gehört die Einmündung der Dasbachstraße in die Loebstraße: Weil der Radius der Ausfahrt vom Verteilerkreis in die Loebstraße nicht "scharf" genug war, schalteten sich Blinker nicht automatisch aus. Der Rechtsblinker blieb gesetzt und wurde von Fahrern, die in der Dasbachstraße auf eine Verkehrslücke in der viel befahrerenen Loebstraße warteten, fälschlich als Abbiegezeichen in die Dasbachstraße gewertet. Die bereits vor Jahren angebrachte Verkehrstafel mit der Aufschrift "Blinker aus?" konnte die so verursachten Vorfahrtsunfälle zwar nicht senken. Mittlerweile verschärft allerdings eine Sperrfläche den Ausfahrtsradius - Blinker schalten sich dadurch automatisch aus, und Loebstraße/Dasbachstraße tauchen in der Unfallschwerpunktstatistik nicht mehr auf.

Ebenfalls keine UHS mehr ist die Ausfahrt der Shell-Tankstelle in Trier-Nord auf die Zurmaiener Straße: Seit dem Ausbau der Zurmaiener verhindert ein Grünstreifen, der Stadteinwärts- und Stadtauswärts-Fahrbahn voneinander trennt, dass Fahrer von der Tankstelle aus die mehrspurige Stadteinwärts-Fahrbahn nach links Richtung Stadtausgang überqueren.

Ursache dafür, dass es an der Einmündung der Sickingenstraße in die Olewiger Straße ab 2007 häufig zu Zusammenstößen kam und die Stelle in die UHS-Statistik aufstieg, ist die wachsende Anwohnerzahl auf dem Petrisberg und der damit stärker gewordene Verkehr. Auch 2008 krachte es an der Kreuzung 17 Mal. Daraufhin beschloss die Unfallkommission, den Beginn der 30er-Zone auf der Olewiger Straße in Richtung Olewig über den Kreuzungsbereich auszuweiten, um Geschwindigkeiten und damit Unfallgefahren zu senken. Außerdem wurde die Haltelinie in der Sickingenstraße weiter nach vorne gesetzt, so dass die Olewiger Straße besser eingesehen werden kann. Ergebnis: 2009 passierten weniger als fünf Vorfahrtsunfälle - in der aktuellen UHS-Statistik taucht die Kreuzung nicht mehr auf.

Neben den "ewigen" und den "beseitigten" Unfallhäufungsstellen lassen sich als dritte Kategorie die "neu entstandenen" UHS ausmachen. Dazu gehört der Porta-Nigra-Platz. Mit Einrichtung der oberirdischen Fußgänger-Überquerung 2007 ist die Kreuzung zum Unfallschwerpunkt geworden: 2008 und 2009 passierten dort je 15 Unfälle. Durch die "zusätzlichen Verkehrsbeziehungen, nämlich die querenden Fußgänger" habe sich das "Konfliktpotenzial" deutlich erhöht, erklärt die Stadtverwaltung, die die Unfallkommission federführend leitet. Die "allermeisten Unfälle" seien "zumindest mittelbar auf die Fußgängerquerung zurückzuführen". Die Polizei warnte damals vor den Unfallgefahren, auch das Straßenverkehsamt hatte vom Bau des Überwegs abgeraten. "Jedoch war die Umsetzung der Querung von politischer Seite auf Wunsch von Gewerbetreibenden der Paulinstraße gewollt", erklärt Rathaus-Sprecher Ralf Frühauf. Einen Rat wissen sich die Verkehrsexperten nicht: "Abhilfemaßnahmen werden von der Unfallkommission nicht erkannt", bedauert Frühauf.

Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ihrer Maßnahmen scheint die Unfallkommission dabei ohnehin selbst anzuzweifeln: "Oftmals treten UHS auf, ohne dass sich an den verkehrlichen Verhältnissen etwas verändert hat. Genauso verschwinden UHS wieder, obwohl keinerlei Maßnahmen vorgenommen worden sind", erklärt die Stadtverwaltung. "Somit ist es schwierig bis unmöglich zu beurteilen, ob eine konkrete Maßnahme zum Erfolg geführt hat oder nicht."

Am heutigen Donnerstag will die Unfallkommission präsentieren, wie gegen die in 2009 festgestellten Unfallhäufungsstellen vorgegangen werden soll. Den Bericht darüber lesen Sie in der morgigen TV-Ausgabe.