Vom Kasernenviertel zum Stadtteil

Vom Kasernenviertel zum Stadtteil

TRIER-WEST. Hornkaserne, Gneisenaukaserne, Scheinwerferkaserne, Jägerkaserne: Im Westen der Stadt lebten früher überwiegend Soldaten. Heute zählt der Stadtteil Trier-West rund 5700 Einwohner und weist eine sehr unterschiedliche Sozialstruktur auf.

Der 74-jährige Helmut Kress, seit 15 Jahren Ortsvorsteher von Trier-West und Pallien, erinnert sich noch genau: "Die erste Ansiedlung im Westen der Stadt um die Jahrhundertwende war eine Kaserne." Einige tausend Soldaten seien im Laufe der Jahre an diesem Militärstandort stationiert gewesen. Heute kämpft der Stadtteil mit den Altlasten, die sich aus der Vergangenheit ergeben haben. Aufgrund seiner sozialen Problematik genießt er keinen besonders guten Ruf in der Bevölkerung, obwohl er nicht nur aus dem ehemaligen Kasernenviertel besteht, sondern auch viele Vorzüge zu bieten hat. In den zu Mietwohnungen umfunktionierten Kasernengebäuden sind nach dem Abzug der Soldaten viele kinderreiche Familien untergebracht worden. Der Kinderanteil beträgt rund 18 Prozent, während er in der Gesamtstadt nur bei 13,4 Prozent liegt. Der Anteil an Sozialhilfe-Empfängern ist in Trier-West überdurchschnittlich hoch. Förderprogramm "Soziale Stadt"

Zahlreiche soziale Einrichtungen, zum Beispiel der katholische Orden Don Bosco oder die Caritas, versuchen, den sozialen Schwierigkeiten entgegen zu wirken. Don Bosco kümmert sich beispielsweise intensiv um Jugendarbeit, die Caritas unterhält einen Bauspielplatz, das Dechant-Engel-Haus leistet unter anderem Kinderbetreuung. Obwohl Bund, Land und die Stadt in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in die Sanierung der Kasernen investiert haben, sind einige Gebäude noch immer nicht bewohnbar. Teilweise sind sie auch durch Brände zerstört worden und regelrecht verkommen. Nicht von ungefähr ist der Stadtteil Trier-West in das Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen worden. Was es damit auf sich hat, werden wir in einer weiteren Folge unserer Serie genauer beleuchten. Den Kern von Trier-West bilden noch immer die Kasernen, doch es gibt darüber hinaus Wohnanlagen unterschiedlicher Bauunternehmen sowie Geschosswohnungen. Auch schöne Einfamilienhäuser, etwa im Tempelweg oder am Reichertsberg, sind zu finden. Außerdem zählt der landschaftlich reizvolle Markusberg, von dem aus man einen fantastischen Blick über das Stadtgebiet genießt, zum Stadtteil. Während andernorts die Nahversorgung zu wünschen übrig lässt, gibt es diesbezüglich in Trier-West spätestens seit der Eröffnung des großen Einkaufszentrums in der Hornstraße keine Probleme. Aldi, Lidl, DM-Markt, Rofu Kinderland und viele andere Geschäfte bieten alles, was man für das tägliche Leben benötigt. An der Eurener Straße gibt es weitere Einkaufsmöglichkeiten. Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten sowie Spiel- und Bolzplätze sind ausreichend vorhanden, wenngleich sie sich nicht immer im besten Zustand präsentieren. Auch große Betriebe wie das RWE an der Eurener Straße sind im Stadtteil angesiedelt. Früher gab es noch das Ausbesserungswerk der Bahn, in dem rund 1000 Menschen beschäftigt waren. Ein Pfarrgemeinderat für drei Pfarreien

Im Jahre 1969 wurde Trier-West mit Pallien zu einem Ortsbezirk vereint. Gemeinsamkeiten sind dadurch freilich kaum entstanden. "Stellenweise wird noch immer die Eigenständigkeit betont", berichtet Ortsvorsteher Kress. Und sein Stellvertreter Horst Erasmy ergänzt, "dass die Pfarrgemeinden sich vermutlich heftig gegen eine Zusammenlegung wehren würden". Immerhin gibt es einen Pfarrgemeinderat, der für alle drei Pfarreien zuständig ist. Über den Dächern der Stadt: Morgen berichten wir in unserer Serie "Trier - ganz nah" über den Markusberg.