Vom Römerwein zum Saufbähnchen

Vom Römerwein zum Saufbähnchen

Kürzertreten: ja, aufhören: nein. Karl-Josef Gilles, seit Freitag 65, ist zwar vom Rheinischen Landesmuseum in den Ruhestand verabschiedet worden, bleibt der Region aber als Buchautor und seinem Wohnort Trier-Filsch als Ortsvorsteher erhalten.

Trier. Es mutet kurios an: Bei seiner Wahl 1999 zum Ortsvorsteher von Trier-Filsch war Karl-Josef Gilles mit 49 Lenzen der jüngste im Bund der 19 Trierer Stadtteil-Ehrenbeamten; nun ist er von seinem Arbeitgeber, dem Land Rheinland-Pfalz, nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Aber mit "normalen Maßstäben" war Gilles, der am 1. Mai 65 geworden ist, ohnehin noch nie beizukommen. Der trat, wenn es der Sache diente, auch gerne stilecht römisch gewandet auf, etwa um einen Archäologiepfad zu eröffnen. Thomas Metz, Direktor der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) und Gilles\' Oberchef, formuliert es so: "Er hat seinen Beruf als Archäologe und Numismatiker gelebt und sich dabei sehr stark emotional eingebracht. Das hat mir sehr imponiert und tut es immer noch." Ein Platz in Triers Stadtgeschichte ist dem gebürtigen Zeller schon seit 1993 sicher. Damals stießen Hobby-Archäologen auf einer Baustelle in der Altstadt auf den bis dato größten Schatz von Goldmünzen aus der römischen Kaiserzeit. Gilles bekam Wind davon und verhinderte, dass die fast 2600 teils prägefrischen Goldstücke illegal in alle Winde verstreut wurden. Der Schatz gehört seither zu den herausragenden Attraktionen des Landesmuseums.
In der Region hat Gilles eigenhändig spektakuläre Funde gemacht: Die zwölf an der Mosel entdeckten antiken Kelteranlagen und damit der Nachweis, dass die Römer in der Region in großem Stil Weiß- und Rotwein anbauten, gehen auf sein Konto. Ebenso die Ausgrabung römischer Villen in Mehring, Longuich und Kenn, verschiedener Bergheiligtümer und Höhenbefestigungen. Gilles, der 1978 mit einer Arbeit über "Befestigte spätrömische Höhensiedlungen in Eifel und Hunsrück" promoviert hat, ist auch ein emsiger Autor. 300 Veröffentlichungen stammen von ihm, darunter 20 Bücher über Archäologie, Münzkunde und Weinbau sowie ein halbes Dutzend Ortschroniken.
Generationswechsel im Museum


Gilles\' Abschied vom Landesmuseum ist dort Teil eines Generationswechsels. Mit Hartwig Löhr ist bereits 2013 ein renommierter Archäologe in Ruhestand gegangen, in den nächsten Jahren folgen drei weitere altgediente Wissenschaftler (Peter Seewaldt, Hans Nortmann, Lothar Schwinden).
Wie die kommenden Abgänge kompensiert werden, steht noch nicht fest. Gilles\' Stelle bleibe dem Landesmuseum aber ebenso erhalten wie die von Löhr (für den Georg Breitner kam), versichern GDKE-Chef Metz und Landesarchäologe Axel von Berg. Der oder die Neue solle schwerpunktmäßig archäologisch arbeiten, aber auch das renommierte Münzkabinett betreuen.
Karl-Josef Gilles blickt mit "gewissem Stolz und großer Freude" auf seine Museumskarriere zurück: "Es waren sehr spannende und erlebnisreiche Jahre unter immerhin fünf Direktoren."
Auch wenn er in den vergangenen Jahren viele (ehrenamtliche) Verpflichtungen abgebaut habe, denkt er nicht an einen kompletten Rückzug. Gilles hat derzeit drei Projekte in Arbeit: Ergänzte Neuauflagen seiner Werke über antike Kelteranlagen und Höhenbefestigungen, und noch in diesem Jahr soll ein Buch über die "Moselbahn in der Nachkriegszeit" erscheinen - ein Leib- und Magengebiet für Gilles, dessen Band über das legendäre "Saufbähnchen" es auf bislang vier Ausgaben gebracht hat.
Der Kommunalpolitik bleibt der FDP-Mann, der von 2004 bis 2014 dem Stadtrat angehörte, als Ortsvorsteher von Trier-Filsch erhalten - "und ich schließe nicht aus, dass ich bei der Wahl 2019 meinen Hut erneut in den Ring werfen werde".

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