Wissenschaft: Vom Staub zum Stern zum Menschen

Wissenschaft : Vom Staub zum Stern zum Menschen

Was haben der Mensch, eine Orange und ein Video der Band Bon Jovi mit dem Universum zu tun? Josef Gaßner, Astrophysiker und Betreiber des Youtube-Kanals „Urknall, Weltall und das Leben“, erklärt es in Trier.

Vor der Tür des Audimax der Universität Trier versammeln sich Menschen – die Liste der reservierten Plätze ist lang. Auch drin wird die Warteschlange für ein signiertes Buch von Dr. Josef M. Gaßner immer länger.

Ob Kinder, für die das Universum noch etwas Unvorstellbares ist, Studenten, Erwachsene oder Wissenschaftler – als Gaßner ins Universum eintaucht, steht er vor einem gefüllten Hörsaal mit interessierten Zuhörern. Er zeigt Einblicke in den kosmischen Materiekreislauf, bringt uns zu unserem Ursprung zurück und erklärt in seinem 90-minütigen Vortrag faszinierende Phänomene des Kosmos. Langweilig wird es dabei nie – mit Aufnahmen und Bezügen zum Alltag unterhält Gaßner das Publikum und macht das Unfassbare anschaulich.

Das Universum – ein Raum mit lebensfeindlichen Phänomenen? Pulsare mit zerstörerischen Magnetfeldern, schwarze Löcher, die fast alles in ihrer Nähe anziehen und zerstören, Plasmasterne mit gewaltigen Temperaturen. Ist das Universum ein zerstörerischer Ort? Gaßner möchte mit seinem Vortrag ein anderes Bild vom Universum geben und betont die enge Verbundenheit von Universum und Mensch. „Denn der Mensch ist Teil des kosmischen Materiekreislaufes. Wir bestehen aus dem Material, das aus dem Kreislauf entsteht“, sagt der Astrophysiker.

Gaßner bringt den Menschen und das Universum zusammen und reduziert die Weiten des Kosmos auf den menschlichen Vorstellungshorizont, indem er das Universum einfach in den Hörsaal nimmt. So stellt eine Orange die Sonne dar und ein Zuhörer die Erde. Die 149 600 000 Kilometer Entfernung zwischen Sonne und Erde im Universum werden zu zehn Metern im Audimax.

Seine sechsstündige und 600 Kilometer weite Anreise nach Trier hätte die Erde in nur ungefähr 20 Sekunden zurückgelegt. Und der Mensch ist in Wirklichkeit gar nicht so weit von den Sternen entfernt, wie er es wahrnimmt, wenn er sich abends den weiten Sternenhimmel anschaut. „Denn wir alle waren schon mal zusammen in einem Stern“, begeistert Gaßner.

Der Wissenschaftlicher führt das Publikum mit fachlichen Details in die Geschichte des Sterns ein und zeigt gleichzeitig den Weg des Sterns zum Menschen. Mit beeindruckenden Aufnahmen veranschaulicht er das Heranwachsen eines Sterns zum „roten Riesen“, der dann explodiert und eine sogenannte Supernova auslöst. Dabei wird der Stern zerstört, Material gelangt als Sternenstaub ins Universum und findet seinen Weg zum Menschen. Denn der Mensch besteht aus Elementen, die bei einer Supernova freigesetzt werden. Ganze 99 Prozent des Menschen bestehen aus den Elementen Calcium, Wasser-, Kohlen- und Stickstoff.

Eine weitere interessante Frage ist die: Wie ist eigentlich unser Planet entstanden? Auch das präsentiert Gaßner seinem Publikum. Auf dem Urplanet herrschte eine hohe Atmosphäre, mit der kein Leben möglich gewesen wäre. Doch innerhalb 10 000 Jahren kam ein 40-facher Monsunregen, der den Planeten reinigte. „Das war die wohl schlechteste Wettervorhersage, die Sie je gehört haben“, scherzt Gaßner. Aus dem sogenannten Schneeballplaneten wurde aufgrund des Vulkanismus, der zu weniger Sauerstoff führte, unser Planet.

Ein 90-minütiger Vortrag – organisiert vom Verein Sternwarte Trier in Kooperation mit der Universität Trier und dem Projekt Ada Lovelace – gewidmet der Welt der Planeten, Sterne, Galaxien und Himmelskörper: Ein Vortrag, der eigentlich zu kurz bemessen ist für den Astrophysiker, denn er würde gerne noch viel mehr erzählen. Trotzdem schafft es Gaßner, das Publikum einzufangen und dem Verhältnis von Menschen und Universum eine neue Bedeutung zu geben. Der Meinung ist auch Besucher Martin Wantzen: „Ein Zusammenhang zwischen Menschen und Universum erscheint so unfassbar. Der kleine Mensch auf der Erde und das weite, unendliche Universum. Herr Gaßner hat uns mit auf eine Reise zu den Phänomenen des unvorstellbaren Kosmos genommen und gleichzeitig den Ursprung des Menschen gezeigt. Und das auf eine so anschauliche und unterhaltsame Weise.“

Das Weltall zu erforschen ist eine spannende Aufgabe, die noch in den Kinderschuhen steckt:  Astronaut Alexander Gerst blickt auf unserem Symbolfoto während seines Fluges mit der Internationalen Raumstation ISS durch ein Fenster in der Kuppel auf die Erde. . Foto: dpa/-

Eine besondere Szene – Gaßner spielt ein Konzertvideo von dem Lied „It’s my life“ der Band Bon Jovi ab. Was das mit dem Universum zu tun hat? Damit will Gaßner die Botschaft des Vortrags deutlich machen: „Es ist ein unendliches Geschenk zu leben. Das Universum hat sich wahnsinnig viel Mühe mit uns gegeben. Wir müssten den ganzen Tag springen, wie die jubelnde Frau im Video, die singt: ‚It’s my life‘“, schließt Josef M. Gaßner .

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