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Vom Teehäuschen und dem Naturschiefer

Vom Teehäuschen und dem Naturschiefer

Gutes Sitzfleisch haben die Mitglieder des Ortsbeirates Kürenz bei der jüngsten Ratssitzung gehabt. Sie dauerte geschlagene viereinhalb Stunden. Die Diskussion um Zahlen war das beherrschende Thema.

Trier-Kürenz. Wäre Punkt sechs der Tagesordnung nicht abgesetzt worden, hätte die Ortsbeiratssitzung in Trier-Kürenz mit Sicherheit noch ein bisschen länger gedauert. Auf einen längeren Verlauf hatte Ortsvorsteher Bernd Michels seine Ratskollegen schon zu Sitzungsbeginn eingestimmt.Drogeriemarkt am Petrisberg



Dabei wurde die Flächennutzungsplanänderung "Petrisberg-Ost" gar nicht mal beraten. Hinter diesem Punkt verbirgt sich mit dem Ja oder Nein zur Ansiedlung eines Drogeriemarktes eine nicht unspannende Frage. In der Beratungsfolge hierfür hatte die Verwaltung laut Michels den Dezernatsausschuss drei noch nicht berücksichtigt, was zur Absetzung des Punktes von der Tagesordnung führte.
Ein Grund für die zeitintensive Zusammenkunft waren die vielen Zahlen, die bewältigt werden mussten. Ein ums andere Mal ging es um die Verständnisfrage, ob es sich nun um konsumtives oder investives Geld handelte. "Haushaltsversteher" Michels versuchte, die Unterschiede aufzuzeigen und zu erläutern, was hinter dem einen und dem anderen steckt. Verhältnismäßig schnell gingen die Beratungen beim "Entwurf Finanzhaushalt 2015/2016" über die Bühne.
Bei dem Katalog des Trierer Rathauses für 2015 ging es bei zwei Maßnahmen um den eigenen Stadtteil: Brandschutzverbesserungen in der Keune-Schule mit 242 000 Euro und Konversionsvorhaben "Burgunderstraße", wo die Stadt dem Plan zufolge 5,13 Millionen Euro zum Kauf des Areals in die Hand nehmen muss.
Auf Michels\' Vorschlag wurde eine dritte Kürenzer Position ins Haushalts-Rennen geschickt. Das letzte Wort hat allerdings der Stadtrat: 100 000 Euro möchte Kürenz beim städtischen Haushalt eingeplant wissen, um die Orangerie im Schlosspark baulich aufzupäppeln und auf Vordermann zu bringen (der TV berichtete mehrfach). Den Unterschiedsbetrag von 42 000 Euro (Gesamtkosten 142 000 Euro abzüglich 100 000 Euro der Stadt) würde aus Ortsbeiratsmitteln fließen, so die Vorstellung des Rates.Parteipolitische Ränkespiele


Mehr als eine Stunde zogen sich die Diskussionen über kleinere Positionen hin, vor allem, wenn es um 1000 Euro oder weniger ging. Da wurde lang und breit diskutiert, vielleicht auch deshalb, weil es um haushaltsrechtliche Grundsätze und Begriffe ging. Auf die Tube drückte Michels bei den bis ins Jahr 2013 hinübergeretteten Mitteln aus vergangenen Jahren. Sie verfallen dann, wenn sie nicht bis 31. Dezember 2014 ausgegeben worden sind.
Aber auch parteipolitische Ränkespiele trugen nicht gerade zur Kürze der Sitzung bei, insbesondere zwischen Ortsteilchef Michels (CDU) und Karl Lübeck (FWG).
Soll das Teehäuschen im Schlosspark nun mit teurem Naturschiefer saniert werden ("Ein vernünftiges Dach muss her", meint Karl Lübeck), oder reicht ein viel billigeres Dach aus Bitumenschindeln, lautete die vieldiskutierte Frage. Am Ende gab es eine Mehrheit für den Naturschiefer mit Mehrkosten gegenüber dem Bitumenmaterial von 2000 Euro, was den stellvertretenden Ortsvorsteher Stefan Wilhem (SPD) zu der Forderung veranlasste, dann müsse das Häuschen auch öffentlich zugänglich gemacht werden.
Geld für 2015/2016 hatte der Ortsbeirat auch noch für andere Projekte: An den Hort Am Weidengraben sollen 1500 Euro für den Ersatz von Zelten für sozial-pädagogische Maßnahmen fließen, an den neu gegründeten Verein Kunstdünger gehen 2000 Euro für ein Kunstobjekt auf dem Petrisberg. Dem Turnverein-Jahn-Kürenz soll zu seinem 120-jährigen Bestehen 500 Euro gewährt werden, die Kita Lebenshilfe zur Anlegung eines Waldspielplatzes 1500 Euro erhalten. Die Spielwiese Petrisberg soll mit 1000 Euro gefördert werden.
Die Kita Kürenz erhält 1500 Euro für die professionelle Gestaltung einer Wand mit Graffiti. Das Jugendzentrum Mergener Hof wurde mit 500 Euro für den Kauf neuer Möbel bedacht.