Von A llerheiligen bis Z urlauben

Von A llerheiligen bis Z urlauben

Ob antike Siegesfeiern in der Antike oder Public Viewing auf dem Viehmarkt - Festivitäten unter freiem Himmel haben in Trier Tradition. Fanden sich einst auch blutige Spiele im Festkalender, haben heutige Events durchweg lebensbejahenden Charakter. Auch einige Stadtteile warten mit feierlichem Brauchtum auf.

Trier. Feuchtfröhlich ging es zu in Triers guter Stube, und offenkundig sehr gesittet. Wie in etlichen deutschen Städten wurde 1911 auch auf dem Hauptmarkt der Margaretentag gefeiert. "Die Trierer Schönen verzapften und verkauften gestiftetes Bier", berichtete der Trierische Volksfreund am darauffolgenden Tag, und dass Schnittchen und Würstchen "von holder Hand gereicht" wurden. Man trug Hut, Frau auch. Verglichen mit der Eleganz, welche die Besucher des Margaretentags von 1911 an den Tag legten, wirkt das Publikum heutiger Volksfeste in punkto Kleidung doch eher gewöhnlich.
Großveranstaltungen unter freiem Himmel kennt die Stadt seit beinahe 2000 Jahren - seit die Augusta Treverorum von den Römern gegründet wurde und dem großen Vorbild am Tiber nacheifern wollte. Wie die Römer ließen sich auch die Trierer nicht lumpen und sparten weder an Prunk noch Pomp. Dabei galt es, den Festkalender des römischen Reichs zu achten, erläutert Paula Giersch. Klassische Gladiatorenkämpfe etwa seien nur während dreier kurzer Zeitspannen zugelassen gewesen, berichtet die Historikerin. Etwa vom 6. bis 13. Juli, wenn die Ludi Apollinares, die Spiele zu Ehren von Apollo, anstanden. Welchen Charakter Freiluftveranstaltungen im antiken Trier bisweilen annahmen, lässt sich einer Festrede zu Ehren Kaiser Konstantins entnehmen: Demnach wurden Gefangene schon mal "zur Rache in einem Schauspiel den wütenden Bestien in der Arena vorgeworfen."
Im Mittelalter waren es vor allem religiöse Anlässe, welche die Menschen in großen Scharen auf die Straßen brachten. Paula Giersch nennt beispielhaft die Verehrung des Apostels Matthias, dessen angebliche Gebeine in der gleichnamigen Basilika aufgebahrt sind. Seit dem frühen 12. Jahrhundert wird Matthias in Trier verehrt, regelmäßige Wallfahrten gibt es bis zum heutigen Tag. Ein klassisches Volksfest ist dies natürlich ebenso wenig, wie es die alljährliche Fronleichnamsprozession einmal war. Diese galt noch vor wenigen Jahrzehnten als gesellschaftliches Großereignis, doch heute handelt es sich bei ihr um ein recht überschaubares Ereignis.
Anders als die seit 1512 in unregelmäßigen Abständen stattfindende Heilig-Rock-Wallfahrt, die längst Eventcharakter hat. Wurde die Reliquie anfangs auf dem Domfreihof gezeigt, ist sie seit Jahrhunderten nur noch im Dom zu sehen. Hunderttausende kamen bei den letzten beiden Wallfahrten 1996 und 2012 nach Trier, und neben der Verehrung der Tunika Christi kam auch das Feiern nicht zu kurz.
Mitunter geriet in Vergessenheit, dass bestimmte Feste eine religiöse Anlehnung haben. Das gilt auch für die Allerheiligenmesse, die eine über 180-jährige Tradition hat. Wenn auf dem Viehmarkt die Schausteller ihre Buden und Fahrgeschäfte öffnen, dürfte nahezu niemand mehr an Heilige denken. Es sei denn, ein Gesetz sorgt dafür, dass der Rummel ausgerechnet am namensgebenden Festtag Allerheiligen zum Erliegen kommen muss; so geschehen erstmals 2012.
Zu Triers schönsten Open-Air-Veranstaltungen zählen das Heimatfest Zurlauben, für viele schlicht das "Moselfest", sowie das Olewiger Weinfest. Allein schon die jeweiligen Großfeuerwerke sind für viele Grund genug, diese Feste zu besuchen.
Mit solchen Programmpunkten können die meisten Stadtteilfeste nicht punkten. Doch eine beachtliche Tradition und ihren ganz eigenen Charme haben auch die Zewener Erdbeerkirmes oder der Ehranger Markt, die Eurener Helena-Kirmes oder das Heiligkreuzer Brunnenfest. Manch einst beliebter Brauch blieb jedoch auf der Strecke, etwa die Kürenzer Zwetschenkirmes, die 1997 "mangels Interesse" ausfallen musste, wie es in der Stadttrierischen Chronik vermerkt ist. Dagegen hat das Viezfest das Zeug dazu, zu einem neuen Trie rer Volksfest zu werden. 2016 steht die dritte Auflage auf dem Programm, spätestens dann darf von einer "Tradition" die Rede sein.

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