Von Bergmann bis Beethoven

Ob klassisch aus Holz, modern aus Metall, mit Wappen oder ohne: Viele Orte im Trierer Umland heißen ihre Besucher mit speziellen Schildern an ihren Eingängen willkommen. Dabei beweisen einige viel Kreativität: Neben historischen Motiven spielt in einem Moseldorf auch der Komponist Beethoven eine wichtige Rolle.

Schweich/Waldrach/Kordel. Sie stehen meist in der Nähe der gelben Ortsschilder und grüßen Besucher mit freundlichen Botschaften: "Herzlich willkommen" und "Gute Fahrt" steht auf den Steinen oder Tafeln, mit denen viele Dörfer ihre Gäste empfangen. Bei einer Rundreise durch die Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich und Trier-Land hat der TV festgestellt: 45 von 50 Gemeinden setzen auf den speziellen Willkommensgruß. Material: Weit verbreitet ist die überdachte Holztafel, auf der das bunte Ortswappen prangt. Allein 14 Orte im Trierer Umland haben diese klassische Variante gewählt, darunter zum Beispiel Osburg, Leiwen und Welschbillig. Ebenso beliebt ist mit 14 Exemplaren der massive Stein, der mit Wappen verziert am Ortseingang steht. Leicht die Nase vorn hat aber die moderne Version, vor allem in der VG Schweich (10): Schilder aus Metall oder Kunststoff gibt es etwa in Bekond, Detzem, Ensch, Föhren, Klüsserath, Longen und Pölich. Insgesamt greifen 16 Gemeinden darauf zurück.Gemeinsames und Ungewöhnliches: Abgesehen vom Material haben die Begrüßungstafeln auch einiges gemeinsam. Jeweils zehn Orte nennen ihre Partnerstädte in Frankreich und umgeben ihre Schilder mit Blumenbeeten. Viele verweisen auf ihre lange Tradition mit Schriftzügen wie "1300 Jahre Klüsserath" oder "900 Jahre Gutweiler". Zusatzinfos liefern einige Moselgemeinden. Trittenheim, Longen und Kenn nennen etwa ihre Weinköniginnen. Riol informiert über den Gewinn der Silbermedaille beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" 2007. Einen ungewöhnlichen Hinweis für Autofahrer hat Mertesdorf parat: "Bitte Tempo 30 in unserem Ort" steht dort über der mit Blumen und Wappen geschmückten Mauer. Besonders fortschrittlich: Trierweiler hat als einziger Ort seine Internetadresse ins Schild integriert.Historische Motive: Besonders schön gestaltet sind die Tafeln in Fell und Thomm. Die Orte setzen auf die Bergbautradition der ehemaligen Schiefergruben. Mit Schiefer gefüllte Loren stehen deshalb in Fell am Ortseingang. Das Thommer Schild ziert ein Bergmann mit Spitzhacke. "Der Bergbau hat vielen Familien hier die Existenz gesichert", erklärt Ortsbürgermeister Hans-Peter Michels. Seit der Startpunkt des Schiefer-Wackenwegs in Thomm liege, gebe es zudem viele Touristen im Ort. "Denen wollten wir einen gastfreundlichen Anblick bieten." Finanziert wurde das Schiefer-Kunstwerk je zur Hälfte von Ortsgemeinde und Heimatverein.Auf ihre Historie setzt auch die Ruwergemeinde Waldrach: Die gut zwei Meter hohe Tafel zeigt den heiligen Laurentius, Schutzpatron der Kirchengemeinde, umrahmt von Weintrauben. In Köwerich thront über roten Rosen das Gesicht des berühmten Komponisten Ludwig van Beethoven. "Es gibt Hinweise, dass er Wurzeln in Köwerich hatte", sagt Ortsbürgermeister Robert Linden. Das Schild sei 2004 im Rahmen der 1300-Jahr-Feier aufgestellt worden und "relativ teuer" gewesen. "Wir wollten unsere Gäste damit ansprechend begrüßen", sagt Linden.Ohne Schild: Fünf Orte im Trierer Land verzichten auf eine solche Geste: Herl, Aach, Kordel, Newel und Ralingen. In der 260-Seelen-Gemeinde Herl hat dies auch finanzielle Gründe: "Wenn jemand ein Schild in Eigenleistung machen würde, wäre das für uns denkbar", sagt Ortsbürgermeister Artur Jäckels. In Kordel hat ein Begrüßungsschild derzeit wenig Priorität. "Es gibt wichtigere Ausgaben, etwa für neue Kitaplätze", sagt Ortschef Medard Roth. Vorschläge für eine Tafel aus Sandstein gebe es zwar. "Aber das würde etwa 10 000 Euro kosten."Eine Fotostrecke mit allen Ortsschildern gibt es im Internet:volksfreund.de/fotos