Von Comedy bis Tragik

TRIER. Beste Unterhaltung bot das bunte und abwechslungsreiche Programm des Sommerfestivals des Max-Tuch-Theaters in der Tufa Trier. Aktuelle und ehemalige Ensemble-Mitglieder gaben Kostproben ihres Repertoires von Tragik bis Comedy und lieferten einen Vorgeschmack auf die nächste Bühnenproduktion.

Dass an diesem herrlichen Sommerabend viele Menschen statt zum Biergarten in den stickigen großen Saal der Tufa pilgern, ist bemerkenswert, aber kein Wunder. Denn seit 25 Jahren steht der Name "Max-Tuch-Theater" für Originalität und Anspruch und garantiert stets beste Unterhaltung. So auch beim Sommerfestival, das mit viel Charme, Humor und vor allem Können der Akteure aufwartet. Wie schon im vergangenen Sommer sind "Ehemalige" dabei, zum Beispiel Annika Krump, die als Monique Zihar etwas schrill gesungene, dafür aber mit warmen Akkordeon begleitete Chansons zum Besten gibt. Oder "Urgestein" Frank Jaeger, der in voller Deutschland-Fan-Kluft und der Hoffnung auftaucht, einen schönen Fußballabend zu verbringen, sich dank vergnüglicher Überzeugungsarbeit von Carsten Schwab jedoch bald in der Rolle dessen Mit-Conférenciers wiederfindet. Wenig später liefert er sich ein saarländisches Wortgefecht mit dem Dialekt-Profi Roland Wolf in der Gerd-Dudenhöfer-Heinz Becker-Szene "Der Disch do" und glänzt nach vielen anderen Schmankerln zum Schluss mit seiner Paraderolle als Regisseur in "Die Regiearbeit" von Dieter Krebs. Absurder, spitzfindiger und bitterböser Humor wird groß geschrieben an diesem Abend. In einem Hallervorden-Stück wird Esther Borkam als Gutsherrin telefonisch über den Tod ihrer Kuh Elsa informiert. Dieser entpuppt sich nach dem Brand des Landsitzes und dem Tod des Ehemannes als Schlusspunkt einer Katastrophenkette. Gefechtsfahrzeuge und Marzipankartoffeln

Die Produktionsumstellung von Gefechtsfahrzeugen auf Marzipankartoffeln (beides im Übermaß genauso unverträglich!) beschäftigt Frauke Stöter und Boris Kühl in einer Loriot-Szene. Und den Tiefstand ehelicher Beziehungen verdeutlichen Elke Kretzer und Martin Schraufstetter ausgerechnet beim Versuch, einen Witz zu erzählen (Tucholsky). Den schmalen Grat zwischen Humor und Tragik betritt auch die durch ihre Gesangskunst glänzende Anja Weichert; am Flügel von Bernd Nink begleitet, der auch sonst souverän die musikalische Umrahmung gestaltet. Reizt ihr groteskes "Zirkuslied" mit diebischer Freude an Brand und Mord zum Lachen, so rührt das jiddische "Papirossn" förmlich zu Tränen. Regisseurin Birgit Hoffmann hat großen Wert darauf gelegt, auch Ernsthaftes ins Programm aufzunehmen, und so kann darüber hinaus Thomas Edelmann mit dem Monolog des von der Menschheit enttäuschten Timon aus Athen (Shakespeare) brillieren. Großen Applaus erhält das aktuelle Trierer Ensemble für Auszüge aus seinem für Herbst geplanten Morgenstern-Programm. Beispielsweise das halb gesprochene, halb getanzte Lied von einem Butterbrot, das durch Angst Geist bekommt , lässt auf vordergründig witzige Art Unsinniges bedeutsam werden. Unsinn krönt auch den Schluss, in Gestalt des Überraschungsgastes Reich-Ranicki (Julia Schäfer). In seiner Rezension des Buches "The Theatercalb-Code" analysiert er ausschweifend, warum ein Bleistift für Autorin Birgit H. so bedeutsam ist: Das "T" ist Teil von Theater, Tucholsky, Kästner und Morgenstern! Eine augenzwinkernde Hommage, die Birgit Hoffmann nicht nur für diesen Abend wirklich verdient hat.

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