Von "Danys Bast" und "Seilers Jupp"

Für die Stadtführerin Rosmarie Berens gehört das Zurlaubener Ufer zu den schönsten Orten der Stadt. Weil ihre Großmutter dort lebte, kennt sich die Triererin besonders gut mit den Menschen und der Geschichte aus, die das Viertel einst prägten.

Ein kleines Bötchen (im Bildvordergrund) erinnert daran, dass das Zurlaubener Ufer früher das Fischer- und Schifferviertel Triers gewesen ist. Für Rosmarie Berens zählt das Viertel immer noch zu den schönsten Orten der Stadt. TV-Foto: Sabine Minsel

Trier. An schönen Sommer tagen trifft Rosmarie Berens am Zurlaubener Ufer ihre alten Bekannten. Dann sieht sie vor ihrem inneren Auge "Danys Bast", einen Sänger und Witzbold aus dem 19. Jahrhundert, auf einer Gaststättenterrasse sitzen. Während er die eine Hand auf seinem riesigen Bauch abgelegt hat, streicht er sich mit der anderen durch seinen Schnäuzer. "Er war wie die Bild-Zeitung des Viertels", erzählt Rosmarie Berens. "Weil er andere Leute gern beobachtet hat, wurde er von den Zurlaubenern auch gefürchtet."

In Rosmarie Berens' Phantasie berichtet "Danys Bast", dass der "Seilers Jupp" an diesem Tag den 47. Menschen lebend aus der Mosel gerettet hat. Der Fischer- und Fährmeister ist täglich mehrmals zwischen den beiden Moselufern hin- und hergeschippert, um den Trierern den weiten Weg bis zur Römerbrücke zu ersparen.

"Die Kaiser-Wilhelm-Brücke, deren Bau 1913 vollendet worden ist, wurde ihm nicht zur Konkurrenz", sagt Rosmarie Berens.

Sie stellt sich vor, wie die Frauen der alteingesessenen Familie Mettloch am Ufer ihre Wäsche bleichen und den Kindern beim Schwimmen zu sehen. "Das Wasser war damals noch viel sauberer", berichtet die Stadtführerin.

Die Männer seien schon früh zum Fischen hinausgefahren. Das Örtchen sei schließlich nicht umsonst wohlhabend gewesen. Gerade deshalb wurden die Uferhäuschen oft Ziel hinterlistiger Angriffe.

Weil das Zurlaubener Ufer vor den Stadtmauern liegt und somit ungeschützt ist, entschloss sich die Gemeinde sogar bei einem bevorstehenden Übergriff des Reichsritters Franz von Sickingen, die Heimat selbst niederzubrennen. "Nachdem über die Jahre allen Feinden der Wind aus den Segeln genommen war, haben die Zurlaubener ihre Häuser Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgebaut, und so stehen sie noch heute", erklärt Berens.

Erinnerungen an die Kindheit



Die Stadtführerin hat das Viertel bereits in ihrer Kindheit schätzen und lieben gelernt, weil ihre Großmutter dort wohnte. Heute kommt sie bei jeder Gelegenheit her, um sich an die Geschichten der Häuser zu erinnern, die sie schon damals so begeistert haben. Fast hat man den Eindruck, die alten Fischerfiguren über den Eingangstüren lächelten sie an, weil sie sich freuten, ihre Bekannte Rosmarie Berens wieder zu sehen.

Der TV stellt in dieser Serie Trierer Gästeführer und ihre Lieblings-Sehenswürdigkeiten, -Plätze und Histörchen vor und zeigt, was es abseits der ausgetretenen Touristenpfade alles zu entdecken gibt. Extra Rosmarie Berens ist seit 2002 Stadtführerin in Trier und arbeitet als Betreuerin für ältere Menschen beim Deutschen Roten Kreuz. Weil sie sich für Sprachen und den internationalen Austausch interessiert, engagiert sie sich in der Gloucester-Metz-Gesellschaft und bietet ihre Stadtführungen in Trier auch auf Französisch und Englisch an. "Oft sind besonders Amerikaner und Australier von den römischen Bauten in Trier beeindruckt", erzählt sie. "Die kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus." (smi)