Von der Angestellten zur Tante Emma

Trier · Auf 60 Quadratmetern bietet "Uns Rita" alles, was der Kunde braucht - Plausch inklusive. Rita Drumms Tante-Emma-Laden gehört seit acht Jahren zum Maarviertel. Er ist Treffpunkt für Jung und Alt und dort nicht mehr wegzudenken.

Trier. Lakritze, Viez, Tomaten, Zeitschriften, Ölbilder, Tipps bei Halsschmerzen oder Hilfe, wenn der Staubsaugerbeutel klemmt. Bei Rita Drumm wird der Kunde fündig, im Regal oder im Gespräch mit der 52-Jährigen. Ihre blauen Augen funkeln, wenn das "Maarenser Mädchen", wie sie sich selbst nennt, von ihrem Tante-Emma-Laden erzählt: Jahrelang habe sie in Modegeschäften gearbeitet, aber in ihr gärte eine Idee. "Ich wollte im Maarviertel selbstständig einen Laden führen", erzählt Drumm. Warum dort? "Hier bin ich aufgewachsen, jeder kennt jeden, und die Leute helfen sich gegenseitig."
2004 hat sie wahr gemacht, wovon sie träumte und im Haus von Rosi Sahler, der stadtbekannten Wirtin vom "Aom Ecken", 60 Quadratmeter Parterre angemietet. "Ich stehe jeden Tag gerne auf, um von meiner Wohnung am Weidengraben runter in mein Lädchen, das ich "Uns Rita" genannt habe, zu fahren", sagt die Lebenskünstlerin. Als solche wird sie von vielen Maar-Bewohnern beschrieben.
"Uns Rita" ist heute aus dem Viertel nicht mehr wegzudenken. Denn sie bietet mehr als Waren. Im hinteren Teil ihres Geschäftes betreibt sie ein Stehcafé zum Klönen mit Blick auf die Statue des Heiligen Michaels, die links neben der Eingangstür wacht. "Sie ist von meinem Onkel Anton Prim, er war Bildhauer", erzählt Drumm. Altes zu bewahren, ist ihr eine Herzensangelegenheit: Schmucke antike Dosen reihen sich wie eine Perlenkette in den oberen Regalböden aneinander, in einer Kiste lagern betagte Trier-Postkarten. Und Donnerstag ist Waffeltag. "Nach einem Rezept meiner Mama mit guten Eiern, viel Milch und Mehl ", sagt die Einzelhändlerin, bevor sie sich einem Kunden widmet. Er will ein Ei und eine Zwiebel - nebenbei klagt er über Halsschmerzen. Rita Drumm gibt ihm das gewünschte Ei, die Zwiebel und einen Tipp gegen Halsschmerzen.
Jedes Jahr Viezfest


Die "Frau für alle Fälle" hilft, egal, ob der Staubsaugerbeutel oder die Seele klemmt. Und sie nimmt sich Zeit für ihre Kunden, denn sie verabscheut Hektik. Einmal im Jahr richtet die taffe Selbstständige ein Erdbeer- und ein Viezfest aus. Stolz ist sie, dass sie seit drei Monaten in einem Trier-Reiseführer als Extra-Tipp gilt. "Ich stemme mich noch lange gegen den landläufigen Trend, dass immer mehr Discounter das Ruder übernehmen", kündigt die Tante Emma aus der Maarstraße an. Die Anwohner und auch manchen Touristen wird es freuen.

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