Von der Pferdebahn zum Wasserstoffbus

TRIER. Wer am Samstagmorgen noch nicht wusste, dass die Trierer Verkehrsbetriebe ihr 100-jähriges Bestehen feiern, bemerkte es spätestens beim Einstieg in einen der 77 Busse des Stadtwerke-Fuhrparks. Denn neben dem großen Jubiläumsfest auf dem Betriebshofgelände an der Gottbillstraße schenkte das Traditionsunternehmen den Trierern am Samstag freie Fahrt auf allen Linien.

"Wir haben Wert darauf gelegt, das Jubiläum ordentlich zu feiern", sagte Stadtwerke-Vorstand Olaf Hornfeck. Nur wenn man sich seiner Wurzeln bewusst sei und sich mit seinem Unternehmen identifiziere, könne man gute Arbeit leisten. "Man muss immer wissen, wo man herkommt." Dies scheinen die Straßenbahner und die gesamte Trierer Stadtwerke-Familie nicht vergessen zu haben, denn das Fest im Großformat zum Hundertsten wurde bei bestem Wetter bis in die Nacht zum Publikumsmagneten.Rund 14 Millionen Fahrgäste im Jahr

Die erste "Elektrische" als Nachfolger der Pferdebahn chauffierte am ersten Betriebstag im Jahr 1905 etwa 10 500 Trierer auf den beiden Linien in Richtung Pallien und Euren. Heute befördern 185 Busfahrer werktags rund 47 000 Menschen - das sind insgesamt 14 Millionen im Jahr. Zur den Hauptkunden gehören Schüler, Studenten, Kinder und Menschen ohne Führerschein. Frank Birkhäuer, Direktor des Stadtwerke-Verkehrsbetriebs, hält eine Erweiterung des Kundenkreises aufgrund der steigenden Treibstoffpreise in Zukunft für wahrscheinlich.

Das Empfinden, dass die Preise im öffentlichen Personennahverkehr zu hoch seien, gehöre bundesweit zu einer grundsätzlichen Haltung, treffe aber nicht zu. "Wir sind bemüht, für den Fahrpreis gute Qualität zu liefern", so Birkhäuer. Es gäbe zwar Modelle, die wie in Belgien kostenlose Beförderungsmöglichkeiten bieten, das würde hier die Stadt allerdings eine zweistellige Millionensumme kosten. Mit betrieblichen Sparkursen, die sich etwa in der Verringerung von Taktzeiten niederschlagen, sei man schon ziemlich weit vorgedrungen. "Wir bemühen uns, nur die Dinge zu tun, die verträglich sind. Die Trierer brauchen da keine große Angst haben", verspricht Birkhäuer moderate Entwicklungen. Beim Fest in der Gottbillstraße bewiesen die Verkehrsbetriebe auf angenehme Weise Kundenfreundlichkeit. Die zahlreichen Attraktionen für die ganze Familie lockten Hunderte Trierer an. Kutscher Wilfried Kaspers aus Bonn brachte mit seinem von zwei stattlichen Kaltblut-Rössern gezogenen doppelstöckigen Londoner Pferdeomnibus einen Hauch Nostalgie an die Gottbillstraße.

Oldtimer-Korso und Blick in die Zukunft

Auch ein Besuch im neuen Straßenbahnermuseum und ein Korso von Oldtimer-Bussen, darunter der Trierer Henschel von 1964, sowie Fahrzeuge von befreundeten Straßenbahner-Vereinen aus Luxemburg bis Dortmund, ließen die Geschichte der Personenbeförderung lebendig werden. Daneben demonstrierte ein moderner Wasserstoffbus die Zukunft des Fahrbetriebs.

Wer selber auf dem "Bock" eines Busses sitzen wollte, konnte in der Busfahrschule Gas geben. "Das war super. Vielleicht werde ich auch Busfahrer", freute sich der 13-jährige Stefan Claß aus Saarburg über die erste Fahrstunde.

Dass Straßenbahner kräftig anpacken können, zeigten acht Mannschaften beim ersten rheinland-pfälzischen "Buspulling"-Wettbewerb. Im K.O.-System mussten die Teams aus je fünf starken Männern einen zehn Tonnen schweren Bus möglichst schnell über eine Strecke von 30 Metern ziehen. Der Geruch von Schweiß hing bei dem außergewöhnlichen Kraftakt in der Luft. "Das ging in die Beine und die Hüften", sagte Georg Wirschen mit Schweißperlen auf der Stirn, denn die Trierer Verkehrsbetriebler fuhren den Sieg ein. Als Bonbon am Abend folgte schließlich der Auftritt von Thomas Schwab und Band.

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