Von der Pferdekutsche zum Baby-Notarztwagen

Von der Pferdekutsche zum Baby-Notarztwagen

TRIER. Von der Leitstelle in der Feuerwache am St. Barbara-Ufer werden jährlich rund 120 000 Rettungsdienst- und Krankentransporte koordiniert. In weniger als 15 Minuten sind die Helfer am Einsatzort. Während der Feuerwehr heute eine moderne Fahrzeugflotte, ausgerüstet nach dem neuesten Stand der Technik zur Verfügung steht, beschränkten sich die Transportmöglichkeiten der Sanitäter vor 100 Jahren auf eine fahrbare Krankentrage.

Im Jahre 1906 fand der Rettungsdienst der Feuerwehr Trier mit der Bildung einer Sanitätskolonne erstmals Erwähnung. Die Feuerwehrmänner sollten im Rettungsfall mit einer fahrbaren Trage den Transport des Verletzten ins Krankenhaus sicherstellen. 1908 stiftete Branddirektor Eduard Schieffer zur Verbesserung des Krankentransportes eine pferdebespannte Krankenkutsche. 1918 wurde schließlich der erste motorisierte Rettungswagen in Dienst gestellt. Wenig Beachtung

Der Behandlung des Notfallpatienten am Unfallort und während des Transportes wurde anfangs nur wenig Beachtung geschenkt. Die Feuerwehrleute hatten dazu auch keine qualifizierte Ausbildung erhalten. Noch bis in die 60er-Jahre war der schnellstmögliche Transport ins nächstgelegene Krankenhaus die vorwiegende Aufgabe des Rettungsdienstes. Dies sollte sich Anfang der siebziger Jahre mit einer bundesweiten Umstrukturierung des gesamten Krankentransportes ändern. 1973 begannen erste Planungen des organisierten Notarztdienstes bei der Feuerwehr Trier. Und so wurde als Ergänzung zu den Rettungswagen noch im gleichen Jahr der erste Notarztwagen in Dienst gestellt. Es sollten aber noch drei Jahre vergehen, bis 1976 mit dem Krankenhausträger der Barmherzigen Brüder ein Partner gefunden wurde, mit dem das Projekt realisiert werden konnte. Im Mai 1976 konnte die notärztliche Versorgung der Trierer Bürger erstmals zwischen 7 und 19 Uhr sichergestellt werden. Durch das steigende Einsatzaufkommen entschloss man sich fünf Jahre später, im Oktober 1981, die Einsatzbereitschaft auf 24 Stunden auszudehnen. Jetzt war der Notarzt im Bedarfsfall "rund um die Uhr" zur Stelle. Man hatte aber auch erkannt, dass die Ausbildung der Feuerwehrleute als Rettungsassistenten verbessert werden musste. Bereits seit 1972 hatten diese auf Initiative des Chefarztes Heinrich Teuteberg vier Wochen lang praktische Unterweisungen im OP erhalten. Auf dieser Grundlage bauten die ersten Rettungssanitäterkurse auf, bis schließlich 1989 unter der Leitung von Arnold Dietzen beim Amt für Brandschutz die Lehranstalt für Rettungsdienst ins Leben gerufen wurde, an der die Feuerwehrbeamten bis heute eine zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten absolvieren. Die steigenden Einsatzzahlen des Notarztwagens veranlasste die Feuerwehr 2002 in Zusammenarbeit mit den Ärzten des Brüderkrankenhauses, das so genannte "Rendezvous-System" einzuführen: Während ein Rettungswagen von der Feuerwache zum Notfallort ausrückt, wird zeitgleich der Notarzt vom Brüderkrankenhaus zur Einsatzstelle gerufen. Nach Erstversorgung und Herstellung der Transportfähigkeit des Patienten entscheidet der Arzt, ob er den Transport begleiten muss oder für weitere Einsätze verfügbar ist. Neben einem Intensivtransportwagen für Krankenverlegungen steht den Rettungskräften auch noch ein Baby-Notarztwagen zur Verfügung.

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