Von der Sandkastenliebe zur Kronjuwelenhochzeit

Von der Sandkastenliebe zur Kronjuwelenhochzeit

Anna Ries, geborene Steinbach, ist im Januar 99 Jahre alt geworden. Ihr Mann, Ernst Ries, feiert noch in diesem Monat seinen "Hundertsten". Noch außergewöhnlicher als das hohe Alter der beiden: Am Wochenende hat das Ehepaar Kronjuwelenhochzeit gefeiert.

Langsur/Mertesdorf. (anf) Immer wieder lächeln die Eheleute freundlich, während die Gratulanten ihre Ansprachen im Mertesdorfer Hotel/Weingut Weis halten. Vielleicht auch, weil keiner der Redner den Dialekt scheut - dem besseren Verständnis wegen. Denn die Ohren des Jubelpaars funktionieren nicht mehr ganz so gut wie früher. Fast ein ganzes Jahrhundert ist es nun her, dass beide in Langsur geboren wurden. "Kennengelernt haben sie sich schon im Sandkasten", berichtet Sohn Egbert Ries. Wann genau es "gefunkt" hat, und wer damals die Initiative ergriffen hat, weiß er nicht so genau. Fest steht nur, dass die beiden am 5. Februar 1936 geheiratet haben, und zwar in derselben Kirche, in der sie am vergangenen Wochenende, genau 75 Jahre später, ihre Kronjuwelenhochzeit gefeiert haben. Zwei Töchter und zwei Söhne gingen aus der Ehe hervor. Bis heute folgten acht Enkel und ebenso viele Urenkel. Küche und Wohnzimmer teilt das Jubelpaar mit seiner ältesten Tochter Ernestine. "Es gibt keinen Tag, an dem nicht irgendein Familienmitglied vorbeischaut", freut sich Sohn Egbert Ries. Er berichtet: "Die Bemühungen meines Vaters, sich als selbstständiger Fuhrunternehmer beruflich eine Existenz aufzubauen, wurden im August 1939 durch die Einberufung zum Kriegsdienst beendet. Erst neun Jahre später kam er aus russischer Gefangenschaft zurück." Die Verantwortung für bis dahin drei kleine Kinder lag also jahrelang alleine bei Anna Ries. Nach der Rückkehr des Familienoberhauptes lebte man zunächst von Landwirtschaft, Weinbau und gelegentlichen Aushilfsanstellungen. Weiter war Ernst Ries bis zum Rentenbeginn im Jahre 1975 in Luxemburg, meist als Kraftfahrer, tätig.

"Jetzt ist es gut", lächelt Ernst Ries. "Jetzt haben wir die Feier ja hinter uns." Der Jubilar verrät, dass er "vor lauter Aufregung" in den letzten 14 Tagen so manche schlaflose Nacht verbracht hat. Außerdem lüftet er das Geheimnis einer langen Ehe: "Es gibt keins!", sagt er. Und wie selbstverständlich fügt er hinzu: "Das ist doch der normale Verlauf. Man kennt sich doch gegenseitig." Dann lächeln beide: "Es ist nicht jeden Tag Sonntag, es gibt auch Arbeitstage." Neben einer großen Familie, Nachbarn und den Langsurer Ortsvereinen übermittelten auch die politischen Vertreter Glückwünsche. "Weder in Langsur selbst, noch in der Verbandsgemeinde Trier-Land und auch im gesamten Kreis Trier-Saarburg hat es so etwas noch nicht gegeben", waren sie sich einig. ExtraDie Geschichte der einzelnen Hochzeitstage geht auf das 17. Jahrhundert zurück. In den ersten Jahren bestimmen vielfach die Eigenschaften gewisser Materialien den Namen. So gilt Papier (1. Hochzeitstag) als leicht und rissig, Baumwolle (2. Hochzeitstag) als sanft und Leder (3. Hochzeitstag) symbolisiert das erworbene dicke Fell. Weitere Namen geben zum Teil Hinweise auf passende oder traditionelle Geschenke untereinander. Nach 10 Jahren Ehe wird Rosenhochzeit, nach 15 Kristall- oder gläserne Hochzeit und nach 20 Jahren Ehe Porzellanhochzeit gefeiert. Tradition bei uns: Die silberne nach 25, die goldene Hochzeit nach 50 Jahren Ehe. Regionsweit wurden in den letzten Jahren auch mehrere diamantene Hochzeiten (60 Jahre) gefeiert. Kein einziges Kronjuwelenpaar dagegen haben die Standesämter im Kreis Trier-Saarburg in den letzen 30 Jahren verzeichnet. Nur drei Namen sind für noch seltenere Hochzeitsjubiläen bekannt: Die Eichenhochzeit nach 80 , die Engelshochzeit nach 85 und die Himmelshochzeit nach 100 Ehejahren.

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