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Von der Schulbank auf den Regiestuhl

Von der Schulbank auf den Regiestuhl

Ein Kampf gegen Zwänge und für die Freiheit des Individuums: Der Film "Wacht auf!" von Maurice Stach greift Goethes "Prometheus" auf und überträgt die Handlung auf das Leben eines Jugendlichen.

Trier. "Wacht auf!", fordert Mau rice Stach, Schüler der 13. Klasse des Max-Planck-Gymnasiums Trier, in seinem neuen Kurzfilm. Der Film ist im Rahmen seiner Jahresarbeit im Fach Deutsch entstanden (siehe Extra). Der Hauptcharakter heißt Theo (gespielt von Marius Lauer), ein Jugendlicher mit dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit, aber zugleich mit einem geringen Selbstbewusstsein. Er durchläuft seinen Weg von der Unterdrückung durch gesellschaftliche Zwänge bis hin zur Unabhängigkeit und Eigenständigkeit.Theo kämpft für seine Freiheit

Auf der Suche nach Anschluss, Anerkennung und Zuneigung hat er mit dem Gruppenzwang und dem Anpassungsdruck in seinem Bekanntenkreis zu kämpfen. Zunächst ordnet sich Theo diesem System unter. Später übt er aber Kritik an den Menschen, die sich durch Zwänge unterdrücken lassen und ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen. Die Figur Mara (gespielt von Diana Lipska), eine Lehrerin und Freundin der Hauptfigur, erzählt ihrer Klasse zehn Jahre später die Geschichte, als sie durch einen Schüler an Theo erinnert wird. Die weiteren Hauptrollen übernahmen Arn Mazomeit als Marco und Sebastian Lämmle, der Christopher spielte. Lukas Heinz war unter anderem für die Kameraführung verantwortlich. Der Film dauert 21 Minuten. Maurice Stach hat bei seinem Werk unter anderem Regie geführt und zuvor zusammen mit Arn Mazomeit im Laufe von fünf Monaten das Drehbuch geschrieben. Die beiden ergänzten sich bei der Arbeit perfekt: Während sich Mazomeit auf gute Formulierungen versteht, kann sich Stach besser in Bildern ausdrücken. "Die Erfahrung allein hat uns nicht gereicht. Wir haben viel in Büchern gelesen", sagt der Gymnasiast. Nicht nur seine Lehrerin und sein Deutschkurs sind begeistert und beeindruckt von der Leistung. Mittlerweile schauten mehrere Lehrer den Film mit ihren Schülern im Unterricht an. Doch trotz großen Erfolgs und viel Anerkennung bleibt der 19-Jährige selbstkritisch: "Ich kann mir den Film nicht mehr anschauen. Ich finde immer wieder Fehler, die ich in Zukunft gern vermeiden würde."Maurice Stach beschäftigt sich schon seit der fünften Klasse mit dem Filmen. Auch seine aktuelle Deutschlehrerin Esther Huhnd weiß sein Talent zu schätzen. Sie schlug ihm vor, eine Jahresarbeit zu schreiben und dazu einen Film zu drehen. Um einen Bezug zum Deutschunterricht herzustellen, verarbeitete er die Inhalte des Gedichts "Prometheus". Leistung zeigen wie im Sport

Für den Dreh lieh er sich die Ausrüstung des Offenen Kanals Trier aus. Dort ist der Film seit einigen Tagen zu sehen (Sendezeiten siehe Extra). Von Mai bis Juli standen die Jugendlichen vor und hinter der Kamera. Das meiste entstand in den Sommerferien. Aus Zeitgründen ging es an manchen Tagen schon um 7 Uhr morgens los. Doch wenn für die anderen längst Feierabend war, tüftelte Maurice Stach noch bis in die Nacht hinein weiter, zum Teil 13 Stunden pro Tag. "Ich habe mich vollkommen in die Arbeit hineingesteigert. Ich will Leistung zeigen wie im Sport", sagt Stach und beschreibt die Dreharbeiten: "Manchmal wurde mit großer Anspannung gedreht, aber es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Und ich wusste immer, wofür ich das mache."Sein Team setzt sich aus Mitschülern seiner Stufe, die zum großen Teil in seinem Deutschkurs sind, aber auch aus Schülern des Angela-Merici-Gymnasiums Trier zusammen. Maurice Stach hat Lust auf mehr: "Ich will noch mehr Filme drehen und vielleicht auch wieder mit Arn zusammen das Drehbuch schreiben." Nach dem Abitur will der Schüler weitere Erfahrungen im Filmgeschäft sammeln und Praktika absolvieren. "Ich will auf jeden Fall weiterkommen, und das erreiche ich nur durch Praxis. Man lernt unheimlich viel beim Arbeiten", sagt der 19-Jährige. Sein Ziel: Regisseur werden. "Ich will die Gesamtleitung, ich will organisieren und alles im Blick haben. Ein Teilbereich ist nichts für mich." Einen Plan B gibt es nicht.Aus seiner Sicht hat er eine Voraussetzung für seinen Traumberuf bereits erfüllt: "Als Regisseur muss man auf eine besondere Art und Weise bekloppt sein."Extra

Maurice Stach. Foto: Regina Stach

Maurice Stach hat den Film "Wacht auf!" im Rahmen seiner Jahresarbeit im Fach Deutsch gedreht. Sie trägt den Titel "Die Determinierung jugendlicher Individuen im 21. Jahrhundert - Eine freie filmische Adaption von Johann Wolfgang von Goethes \\'Prometheus\\'". Der Begriff Determinierung leitet sich aus der Philosophie ab. Er bedeutet die Bestimmung des unfreien Willens durch die Abhängigkeit von inneren oder äußeren Zwängen. Der Begriff stammt von dem lateinischen Wort "determinare", das soviel heißt wie "abgrenzen, festsetzen, bestimmen". Johann Wolfgang von Goethe hat die Hymne "Prometheus" zwischen 1771 und 1775 verfasst. Sie handelt vom Ausweg des Individuums aus übergeordneten Zwängen in die Freiheit, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Prometheus will die Menschen verändern und formt sie nach seinen Vorstellungen. Sendezeiten im Offenen Kanal Trier: Freitag, 21. September, 18.35 Uhr; Dienstag, 25. September, 18.19 Uhr; Montag, 8. Oktober, 20.30 Uhr; Mittwoch, 10. Oktober, 20. 40 Uhr; Freitag, 12. Oktober, 18.15 Uhr; Dienstag, 16. Oktober, 20.30 Uhr und Freitag, 19. Oktober, 19.45 Uhr.