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Von der Wichtigkeit, ein Ernst zu sein

Von der Wichtigkeit, ein Ernst zu sein

Mit Oscar Wildes Komödie "The Importance of Being Earnest" hat die English Drama Group Trier in der Tufa Premiere gefeiert. Treffend besetzt, mit Liebe zum Detail inszeniert und klasse gespielt geriet die Vorstellung unter Regie von Elke Nonn und Werner Bohnen zu einem spritzigen, kurzweiligen Vergnügen.

Trier. Die English Drama Group macht\'s möglich: Endlich kann man in Trier den Witz Oscar Wildes in Originalsprache erleben. Der fängt schon beim Titel an. Was in Deutsch zwar korrekt, aber unzureichend mit "Die Bedeutung, aufrichtig zu sein" übersetzt wäre, ist im englischen Original Wortspiel und Aufhänger der ganzen Komödie: "Earnest" als Charaktereigenschaft und "Ernest" als männlicher Vorname.
Die jungen Damen Gwendolen (Dana Huppertz) und Cecily (Annika Toll) wollen ausschließlich Männer mit Namen Ernest heiraten und glauben, in John (Lukas Tillmann) und Algernon (Thomas Wahrlich) entsprechende Kandidaten gefunden zu haben. Doch das beruht auf Lügen: John hat einen Bruder namens Ernest als Vorwand für Vergnügungsfahrten in die Stadt erfunden und sich dort als dieser ausgegeben. Und Algernon täuscht bei seinem ersten Besuch auf Johns Landgut, wo er Cecily trifft, ebenfalls vor, dessen Bruder Ernest zu sein. Stoff genug also für Turbulenzen, die das Ensemble mit hinreißendem Esprit in Szene setzt.
Ein Aha-Erlebnis sind schon die Besetzungen, nicht nur bei den oben genannten Hauptfiguren. Auch die von Algernons Tante Augusta Bracknell (Sabine Sieben), Gouvernante Prism (Johanna Lauer), Reverend Chasuble (David Kinkopf), Diner Happyman (Thomas Dewitz) und den witzigen versoffenen und devoten Butlern Lane und Merriman (beide Christian Lühr) sind absolut stimmig. Gelungen auch die Ausstattung, die mit aufwendigen Kostümen Charaktertypen unterstreicht und mit einem detailverliebten Bühnenbild Stadt und Land symbolisiert. Einfach klasse ist, wie die Darsteller genüsslich den sprühenden Sprachwitz und die Situationskomik des Stücks transportieren, das im Kern eine ironische Breitseite gegen die nichtsnutzige Oberschicht ist.
Wunderbar blasiert entlarvt Lady Bracknell beispielsweise, dass es da mehr auf Schein als Sein ankommt. Während sie den vermögenden John wegen seiner Herkunft als Findelkind als nicht standesgemäßen Ehemann für Gwendolen ablehnt, empfiehlt sie ihren Neffen als gute Partie für Cecily: "Er hat nichts, sieht aber nach allem aus." Das kommt trotz der Ansiedlung des Stücks in den 1920ern genauso aktuell herüber wie die Pointierung menschlicher Schwächen: Beispiel ein Zickenkrieg der beiden jungen Damen, in dem Giftpfeile aufeinander zu Lächeln und Freundschaftsbekundungen fliegen. Am Ende der "trivialen Komödie für seriöse Menschen" (Wilde) siegen natürlich Liebe und Aufrichtigkeit, aber auch das mit Augenzwinkern.
Weitere Vorstellungen am Sonntag 15. Mai, 20 Uhr, und am Montag 16. Mai, 19 Uhr. Tickets unter Telefon 06581/3082.