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Von Deutschland in die Slums von Nairobi

Von Deutschland in die Slums von Nairobi

Gesundheit ist laut Charta der Vereinten Nationen ein Menschenrecht. Was es aber bedeutet, wenn wie in den Slums von Nairobi der Zugang zu entsprechender medizinischer Versorgung verwehrt ist, zeigt eine Fotoausstellung von Studierenden der Universität Trier in den Räumen der Sparkasse.

Trier. Mathare ist eines von vielen Elendswohnvierteln in Kenias Hauptstadt. Auf einer Fläche von drei Quadratkilometern leben 500 000 Menschen. In der flächenmäßig kaum größeren Trie rer Innenstadt sind es vergleichsweise 10 000. Winzige Hütten ohne Fenster zeigen die Fotos als Unterkünfte der Slumbewohner. Über Naturkatastrophen oder Kriege werde viel berichtet, die alltägliche, lebensbedrohliche Armut gerate kaum in den Blick, meint Johannes Michael Nebe. "Diese Stille braucht unsere Stimme", fordert er bei der Ausstellungseröffnung.
Gemeinsam mit 14 deutschen und zehn kenianischen Studenten ist Nebe im März diesen Jahres in das Elendsviertel Mathare gereist. Unter dem Projektnamen "Gesundheit für alle" ist eine Studie zur medizinischen Versorgungslage mit rund 450 Anwohnern durchgeführt worden.
Unterstützt wurde die Gruppe dabei von der Hilfsorganisation "German Doctors", die im Slum seit 1997 das Krankenhaus Baraka Health Center unterhält. Malaria, Typhus und Magen-Darm-Infekte zählen aufgrund der desolaten hygienischen Bedingungen zu den häufigsten Krankheitsbildern, wie Lisa Gambhir berichtet.
Die junge deutsche Ärztin war im Juli und August für die "German Doctors" in Mathare im Einsatz. HIV sei ebenfalls ein großes Thema. "Ich habe mich immer wieder gefragt, warum uns Patienten weglaufen, wenn sie die HIV-Diagnose bekamen, obwohl die Tests kostenlos sind", erzählt sie. "Schließlich wurde mir klar, die Menschen schämen sich, die soziale Stigmatisierung ist groß."
Den großen Wurf zur Lösung dieser Armutsprobleme gebe es nicht, sagt Christian Jaster, Sprecher der studentischen Projektgruppe, aus. Ironisch-selbstkritisch führt er vor Augen, welch schwierige Aufgabe Entwicklungshilfe ist. Schnellschüsse brächten nichts und würden von den Betroffenen entsprechend negativ gesehen.
Er erzählt von einer Begegnung, als die Gruppe unterwegs war mit ihren T-Shirts, auf denen hinten das Motto zu lesen war und vorne Projekt 2015: "Ein Mann kam zu mir und sagte: Ich lebe in deinem Scheiß-Projekt." Eine Aussage, die Jaster dazu bewegte, die eigene Arbeit zu hinterfragen.
Die Fotoausstellung "Gesundheit für alle - auch in den Slums von Nairobi?" ist noch bis zum 23. November in der Sparkasse in der Theodor-Heuss-Allee zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags jeweils von 8.30 bis 16.30 Uhr.