Von erhitzten Gemütern bis zum kühlen Kopf

Das Nichtraucherschutzgesetz spaltet die Gastronomie. Während die einen über Umsatzrückgänge klagen, lässt andere die Vorschrift kalt. Der TV hat sich im Kreis umgehört.

Schweich/Saarburg/Konz/Hermeskeil. (kat/sw/ves/ax) Aufatmen bei Gastwirt Bernd Gressnich vom Lokal "Zum Nussbaum" in Longuich: Der Betreiber einer Einraumkneipe hat dem Karlsruher Urteil entgegengefiebert. "Ich mache meinen Laden dicht, wenn hier nicht mehr geraucht werden darf", schimpfte er vor der Urteilsverkündung. 90 Prozent seiner Gäste seien Raucher. Für Herbert Mlotek, Betreiber eines "Imbiss-Bistros" in Leiwen, ändert sich nichts. In diesem Frühjahr hat er einen Nebenraum speziell für Raucher angebaut. "Schließlich sind neun von zehn meiner Gäste Raucher." Deutliche Umsatzeinbußen aufgrund des Nichtraucherschutzgesetzes verbucht Karl-Heinz Karrenbauer, Inhaber des Altstadtkellers in Schweich. "Etwa zehn Prozent der Stammgäste und die jugendliche Laufkundschaft bleiben weg", sagt der Gastwirt. Hermann Steffes vom Gasthaus Steffes in Schöndorf meint, das Karlsruher Urteil verzerre den Wettbewerb. "Besitzer von Einraumkneipen müssen nichts investieren", sagt der Besitzer einer "Zweiraumkneipe". Das Landgasthaus Winzerhof Hoffmann, Falkenstraße, liegt in Konz-Niedermennig direkt am Saar-Radweg und ist ein beliebtes Ausflugsziel. "Im Innenbereich haben wir absolutes Rauchverbot", sagt Josef Hoffmann. Draußen auf der Sonnenterasse allerdings dürfe geraucht werden. Deswegen sei es im Sommer wie zurzeit kein Problem, den Gästen das Rauchen drinnen zu untersagen. "Nur unsere Thekenkundschaft ist geschrumpft", bestätigt auch Hoffmann. Rund 30 Prozent der Stammgäste, die meist an der Theke säßen, kämen seit Einführung des Nichtrauchergesetzes nicht mehr zu ihm. Hoffmann: "Das macht sich schon bemerkbar."

Frank Hessek kann dem seit März in Rheinland-Pfalz geltenden Nichtraucherschutzgesetz überhaupt nichts abgewinnen. Im Gegenteil: "Für uns bedeutet es Einschränkungen ohne Ende", klagt der Wirt der "Hochwald-Jagdstube" in Hermeskeil. "Wenn ich es strikt durchgezogen hätte, wären die Umsätze um 70 Prozent eingebrochen", rechnet Hessek vor. Die Hochwald-Jagdstube musste zur Nichtraucherkneipe unfunktioniert werden. Denn Hessek ist, obwohl selbst Raucher, Angestellter seiner Lebensgefährtin. Somit konnte er sich nicht auf die Ausnahmeregelungen berufen, die für rein inhabergeführte Gaststätten gelten. Bis dato musste Einraumkneipier Hessek also zusammen mit seinen Gästen zum Rauchen raus. "Ich wäre froh, wenn man das Gesetz wieder kippen würde."

Recht unterschiedlich beurteilen die Gastronomen in Saarburg die Auswirkungen durch das Gesetz. So meint Vafa Mousavi, Inhaber des Restaurants "Amadeus" am Buttermarkt: "Im Winter habe ich durchaus Probleme gehabt. Gerade viele unserer Gäste aus Luxemburg und Frankreich sind weggeblieben. Da muss ich sehen, wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall habe ich vor, im Restaurant einen Raucherbereich abzutrennen."

"Alles Quatsch, das Thema wird aufgebauscht", findet Thomas Bier von der "Brasserie am Markt". Bei ihm darf - aus Eigeninitiative - bereits seit 2007 nicht mehr geraucht werden. "Wir haben keine Umsatz-Einbußen - im Gegenteil. Viele Familien und ältere Gäste kommen gerade, weil die Luft jetzt okay ist." Aus der Einraumkneipe "Marktschänke" heißt es: "Uns macht die Regelung nichts aus." Während das Rauchverbot im Sommer kein Thema sei, löse Rudolf Rassier es im Winter auf seine Weise, wie eine Mitarbeiterin erläutert: "Dann ist er alleine da, und in der inhabergeführten Kneipe darf geraucht werden." Unentschieden ist das Urteil von Robert Vadrot, Chef des Restaurants "Zunftstube": "Ich kann nicht sagen, ob wegen des Verbots jemand wegbleibt. Unsere Stammgäste rauchen vor der Tür, bisher gab es keine Probleme."