1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Von hier oben fiel Tanja Gräff in die Tiefe

Von hier oben fiel Tanja Gräff in die Tiefe

Acht Jahre nach dem Tod von Tanja Gräff haben die Ermittler gestern am roten Felsen im Trierer Stadtteil Pallien den Sturz der 21-jährigen Studentin nachgestellt. Jetzt warten alle auf die Untersuchungsergebnisse von Rechtsmedizin, Landeskriminalamt und den übrigen Gutachtern.

Trier. Es wird wohl keinen Wanderführer über die Region rund um Trier geben, in dem der Felsenpfad nicht erwähnt wird. Besonders in Höhe des Ortsausgangs von Trier-Pallien lockt der am Rand der roten Sandsteinfelsen entlanglaufende Wanderweg mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und das Moseltal. Gestern allerdings hinderte rotes Absperrband der Polizei auf einem Teilstück Wanderer am Weitergehen. Und in dem Waldstück ringsherum kontrollierten uniformierte Beamte, dass das Verbot auch eingehalten wurde.Gutachten erwartet


Auf einem freigeschlagenen Platz, von wo aus die Sicht auf die Stadt besonders gut ist, sind Spezialisten vom Bundeskriminalamt und eines Höheninterventionsteams derweil dabei, den nächsten Sturz eines Dummys vorzubereiten. Vier Testpuppen haben die Ermittler im Gepäck, Größe und Gewicht sollen in etwa den Maßen von Tanja Gräff entsprechen. Von irgendwo hier oben muss die 21-jährige Trierer Studentin in den frühen Morgenstunden des 7. Juni 2007 in die Tiefe gestürzt sein. Die Stelle möglichst genau zu lokalisieren ist Ziel der Polizeiaktion am Mittwoch.

Alles zum Fall Tanja Gräff auf volksfreund.de/tanja

Die Ermittler der Sonderkommission Fachhochschule (FH) neu haben mehrere Szenarien für die Rekonstruktion vorbereitet, um möglichst alles, was in der Nacht von Tanjas Verschwinden passiert sein kann, abdecken zu können. Das Technische Hilfswerk Trier hat das Gelände abgesichert; ein Filmteam der Wittlicher Bereitschaftspolizei nimmt sämtliche Dummy-Stürze auf,vom Dach des am Fuß der roten Felsen liegenden Appartementhauses beobachten Ermittler, Staatsanwälte und Rechtsmediziner das Geschehen. Der Aufwand ist immens und erinnert unweigerlich an die Polizeiaktionen unmittelbar nach dem mysteriösen Verschwinden der jungen Frau aus Korlingen (Kreis Trier-Saarburg). Hängt es damit zusammen, dass die Beamten reichlich Kritik einstecken mussten, nachdem das Skelett der jungen Frau trotz des immensen Ermittlungsaufwands erst vor einem Monat durch Kommissar Zufall in Person zweier Waldarbeiter entdeckt wurde? Spüren die Ermittler den Druck, der jetzt auf ihnen lastet?

"Wir stehen als Polizisten eigentlich immer unter dem Druck, möglichst schnell Erkenntnisse zu liefern", weicht Sprecher Uwe Konz aus, dabei weiß er natürlich zu genau, dass der Fall Tanja Gräff in der Öffentlichkeit und in den Medien ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit genießt. Auch an diesem Vormittag sind wieder zahlreiche Journalisten und Kamerateams zur kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in den Trierer Weißhauswald gekommen.

Es scheint, als hätten Staatsanwaltschaft und Polizei inzwischen registriert, dass man in einem solchen Fall nicht einfach mal knapp zwei Wochen schweigen kann, wie dies im vergangenen Monat der Fall war. Zuletzt verging kaum ein Tag ohne neue Nachrichten zum Fall Tanja Gräff. Da war mal die Rede von einer Spezialeinheit des Bundeskriminalamts, die die roten Felsen mit Lasern abgescannt habe. Dann wurde der Schrei nachgestellt, den ein Theologiestudent in der Nacht von Tanjas Verschwinden von seiner Mansardenwohnung auf der anderen Moselseite gehört haben will. Und gestern nun wird nahezu den kompletten Tag lang der mögliche Sturz von Tanja an den roten Felsen rekonstruiert. "Das waren die drei großen Dinge, die wir aktuell vorhatten", sagt Sprecher Uwe Konz und deutet damit an, dass mit größeren Polizeiaktionen wohl in nächster Zeit nicht zu rechnen ist.

Dabei steht zumindest ein interessanter Termin noch aus. Mit Spannung wird das Gutachten des Mainzer Rechtsmediziners Professor Reinhard Urban erwartet. Sein Institut hat die sterblichen Überreste Tanja Gräffs untersucht. Erste Ergebnisse dürften den Trierer Ermittlern längst vorliegen. Doch außer einer wohl mit der Staatsanwaltschaft nicht abgesprochenen Äußerung Urbans über die Untersuchung von Tanjas Schädel ist nichts nach außen gedrungen.

Der Mainzer Rechtsmediziner stand am Mittwoch mit auf dem Dach des Appartementhauses in Trier-Pallien. Urban hat geschaut, inwiefern seine Obduktionsergebnisse mit einem der rekonstruierten Stürze in Einklang zu bringen sind.Extra

Am Fuß der roten Sandsteinfelsen liegt der Trierer Stadtteil Pallien. Richtung Biewer, am Ortsausgang, liegt das mehrstöckige Appartementhaus, hinter dessen Gärtchen die sterblichen Überreste von Tanja Gräff entdeckt wurden. An der Stelle ist die rote Felswand etwa 50 Meter hoch. Oben trennt ein 1,20 Meter hoher Metallzaun den Felsenpfad vom Abhang. Allerdings fällt das Gelände an dieser Stelle zunächst schräg ab, bevor es in die Tiefe geht. sey