1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Von kleinen und großen Kämpfern

Von kleinen und großen Kämpfern

Römische Handwerkskunst, Legionäre in voller Rüstung, begeisterte kleine Gladiatoren-Schüler und generell die Idee einer Antike zum Bestaunen, Anfassen und Ausprobieren prägen das Angebot des Römerspektakels "Brot und Spiele" in den Kaiserthermen.

Trier. Markus freut sich, obwohl er fast hinter seinem riesigen Schild verschwindet. Der muntere Sechsjährige aus Trier steht in Luckys Gladiatorenschule in einer Reihe mit vielen Kindern, die vom Aufwärmen bis zum Umgang mit Schild und Speer die Kampftechniken der Gladiatoren lernen wollen. Die Gladiatorenschule, eine Aktion des Trierischen Volksfreunds zusammen mit der Medienfabrik, ist eine Premiere bei "Brot und Spiele" und passt nahtlos zum Angebot in den Kaiserthermen, das die Freude am Experimentieren in den Mittelpunkt stellt.

Kinder dürfen hier nicht nur zusehen. Sie lernen, mit einem Bogen zu schießen, prägen selbst Münzen, probieren Kettenhemden an und hören staunend den Männern des Mailänder Instituts "Ars Dimicandi" zu. Darion Battaglia und seine Leute, von Beginn an verantwortlich für die Kampfsequenzen bei "Brot und Spiele", demonstrieren und erklären mit Hilfe einer - sehr guten - Dolmetscherin den Kampf der Gladiatoren, und man sieht viele weit offene Kinderaugen.

Das Angebot in den Kaiserthermen lebt von Vereinen und Gruppen, die ihre Freizeit der Erforschung und Darstellung römischen Lebens widmen und ihre Ausrüstung und Begeisterung für dieses Thema gerne nach Trier mitbringen. Die römischen Kohorten sind Enthusiasten, ebenso begeistert und begeisternd wie die Schauspieler, die auf einer kleinen Bühne den "Perser" frei nach Plautus geben.

Tagsüber sind die Kaiserthermen ideal für Familienausflüge, nachts werden sie zur Party-Zone. Die mystische Nacht in den Gewölben unter den Thermen ist seit Jahren einer der beliebtesten Teile des Römerspektakels. Der unterirdische Spaziergang inmitten von Nebelschwaden, Lichtinstallationen und mystischen Klängen hat eine spezielle, beinahe hypnotische Wirkung. Die Elektromusik von Peter Mergener und die Choreographie von Aleksander Galitski drehen sich um die Magie des Wassers.

Eine weitere Premiere nach Luckys Gladiatorenschule ist die Römerlounge im Caldarium. Die nächtliche Party-Zone wird, wie sich schnell herausstellt, zur idealen Ergänzung der mystischen Nacht. Die DJ-Formation "Soulful Lounge" liefert die Musik, in den Bögen der Absis tanzt die Dancecompany Sascha G. Nach der Spätvorstellung im Amphitheater am Samstagabend versammeln sich die Fans des römischen Spektakels im Caldarium. "Eine wirklich starke Kombination", findet Richard Itzun aus Saarbrücken. "Ich kenne Brot und Spiele seit 2004, aber erst jetzt ist es ein wirklich rundes Angebot, das einen kompletten Tag optimal ausfüllt."

Meinung

Der Erfolg und die Gefahr

Brot und Spiele bewegt sich. In den ersten Jahren waren die Shows im Amphitheater noch eine Abfolge einzelner Gladiatoren-Kämpfe. Heute sieht der Zuschauer eine komplette Inszenierung mit hervorragenden Darstellern. Ronald Frank und seine Medienfabrik wollen von der simplen Wiederholung vergangener Leistungen - auch wenn sie erfolgreich waren - nichts wissen. Doch neue Wege kosten Geld und erfordern von den politisch Verantwortlichen eine ebenso hohe Flexibilität wie von den Machern. Das Risiko für die Medienfabrik wird mit jedem Jahr größer. Steigende Energiepreise und hohe Darstellergagen werden zum Unsicherheitsfaktor, wenn "Brot und Spiele" sich schon wieder ein stressiges Wochenende mit der Rallye teilen muss. Gesperrte Straßen und eine vergebliche Suche nach freien Hotelzimmern kosten vierstellige Besucherzahlen. Dennoch ist die Basis der Zusammenarbeit zwischen der Medienfabrik und der Stadt Trier immer noch der mittlerweile drei Jahre alte Ratsbeschluss, der nur bis 2010 gilt. Dessen Budget von 322 000 Euro wird bereits jetzt völlig ausgeschöpft. Fazit: Ronald Frank hat keinen Platz mehr, sich zu bewegen, kreativ und innovativ zu arbeiten. Wenn die Politik nicht schnellstens reagiert, ist "Brot und Spiele" in ernster Gefahr. j.pistorius@volksfreund.de