Von Leichen, Jungfrauen und Hurenkindern

Von Leichen, Jungfrauen und Hurenkindern

Ein Drucker sorgt dafür, dass die Buchstaben auf das Papier kommen. Während früher mit Lettern, Setzkasten und Farbwalze gearbeitet wurde, geschieht heute fast alles elektronisch. Trotzdem haben sich viele Fachbegriffe bis heute gehalten. Der TV erläutert in einer Serie Fachbegriffe der verschiedenen Berufe. Heute: der Drucker.

Trier. Buchdruckermeister Hans-Josef Schlegel arbeitet seit 25 Jahren in der Volksfreund-Druckerei. Wie seine Kollegen kennt der Drucktechnik-Profi sämtliche Fachbegriffe seines Berufsstands.
TV-Serie Fachchinesisch



Hochzeit und Leiche: Eine Hochzeit ist im Druck kein feierlicher Anlass, denn hier werden versehentlich dieselben Wörter, Satzteile oder Sätze doppelt gesetzt. Fehlen in einem Satz ein oder mehrere Wörter, findet der Buchdrucker hingegen eine Leiche.
Jungfrau: Gesetzte Seiten werden vor der Vervielfältigung gelesen und korrigiert. Ist ein Text oder eine Seite völlig fehlerfrei, müssen keine Korrekturen vor dem Druck vorgenommen werden. Die Seite ist somit frei von jedem Korrekturzeichen und damit rein wie eine Jungfer.

Hurenkind und Schusterjunge: In einem Druckerzeugnis sind diese Geschöpfe nicht sehr beliebt. Hurenkind nennt man die letzte Zeile eines Absatzes, die am Anfang einer neuen Spalte steht. Schusterjunge ist dagegen die erste Zeile des neuen Absatzes, die sich am Ende einer Spalte befindet.

Schimmelbogen: Ein Bogen Papier wird normalerweise beidseitig bedruckt. Wird versehentlich nur eine Seite bedruckt, bleibt die Rückseite weiß wie ein Schimmel. Auch die jeweiligen Folgeseiten sind dann alle weiß und machen das Druckerzeugnis unbrauchbar. Ein Schimmel bringt dem Druckermeister also kein Glück.

Quirlen, Eierkuchen und Bleisalat: Einen Schriftsatz setzte man früher Letter um Letter wie nach einem Rezept zusammen. Fiel ein Satz durch ein Missgeschick auf den Boden, quirlte man ungewollt alle Zutaten wild durcheinander. Dann hatte man den Bleisalat - oder einen schwer verdaulichen Eierkuchen.

Zwiebelfisch: Als Zwiebelfisch bezeichnete man früher wertlosen Kram, den Händler auf Märkten anboten. Arbeitete ein Kollege nicht sorgfältig und legte Lettern in das falsche Fach eines Setzkastens zurück, bot er Zwiebelfische an. Heute gilt der Ausdruck für durcheinander gebrachte Buchstaben, die zwischen einer anderen Schriftart auftauchen.

Zeitungsente: Für die Entstehung des Begriffs einer Falschmeldung gibt es mehrere Theorien.
Eine Version lautet folgendermaßen: Früher wurden alle Seiten, die in den Druck gingen und nicht korrigiert waren, mit dem lateinischen "non testatum" - zu Deutsch: nicht bezeugt - versehen. Daraus entstand die Abkürzung "n.t.", ausgesprochen "Ente".

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