Von Lötzbeuren nach Los Angeles

Von Lötzbeuren nach Los Angeles

LÖTZBEUREN/BERLIN. Viele Fernsehzuschauer kennen sein Gesicht, doch nur wenige wissen, dass der junge Schauspieler, der in der Sat.1-Telenovela "Verliebt in Berlin" Luis Rothenburg spielt, noch vor wenigen Jahren die Schulbank in Traben-Trarbach gedrückt hat.

Mehrfach in der Woche ist der 22-Jährige Daniel Roesner aus Lötzbeuren in der Telenovela "Verliebt in Berlin" zu sehen. Als Sonnyboy und smarter "Runner", eine Art Praktikant, lernt er in der Modefirma Kerima die Auszubildende Theresa alias Anja Thiemann kennen und verliebt sich in sie. Die Rolle, in der er seit November zu sehen ist, hat das Leben des jungen Schauspielers ganz schön verändert. Gehe er heute in Berlin zum Bäcker, komme es immer häufiger vor, dass er erkannt werde. Als er nach einem Casting die Rolle des Luis Rothenberg in der Sat.1-Telenovela angeboten bekommt, ist er, wie er sagt, zunächst hin- und hergerissen. Ihm gefallen zwar die "Storys", aber er fürchtet, auf den Typ festgelegt zu werden. Von amerikanischen Freunden bekommt er den Rat: "Go where the work is", auf Deutsch: Geh' dahin, wo es Arbeit gibt. Dennoch ist dem zielstrebigen Schauspiel-Talent klar, dass er den Luis nicht ewig spielen will. Parallel gibt es andere Projekte. Am heutigen Montag wird im Rahmen des Max-Ophüls-Preises in Saarbrücken der Kurzfilm "Außergewöhnlich" von Regisseurin Barbara Stepansky gezeigt. Wie in den anderen Filmen des saarländischen Nachwuchs-Filmfestivals geht es um das Thema Heimat. Roesner spielt den depressiven polnischen Immigranten Karol, der sich auf spektakuläre Weise umbringen will. Besonders reizt den Lötzbeurener an dem Film, dass seine Rolle völlig konträr zu dem ist, was er bisher gespielt hat. Es gibt Menschen, denen wurde die Schauspielerei in die Wiege gelegt. Daniel Roesner gehört nach eigener Aussage nicht zu ihnen. Gegen das Angebot, im Schultheater mitzuspielen, "habe ich mich mit Händen und Füßen gewehrt", lacht er rückblickend. Doch in Berührung mit dem Beruf kam der gebürtige Wiesbadener schon früh. Vater Jürgen ist Regisseur, allerdings nicht für Spielfilme, sondern für Liveübertragungen von medizinischen Eingriffen. "Soll eine Herz-OP im Frankfurter Herzzentrum auf einem Ärztekongress gezeigt werden, dann ist mein Vater gefragt", erklärt er. Schon früh hat der junge Daniel bei Licht oder Ton mitgeholfen. Nach dem Abitur, das er in Traben-Trarbach machte, hatte er zunächst keinen konkreten Berufswunsch. Er absolvierte einen Schauspiel-Workshop in Köln und bekam Lust auf mehr. Die Eltern reagierten gelassen. Sprüche wie "Lern doch erst etwas Richtiges", blieben ihm nach eigener Aussage erspart. Daniel zog es nach Übersee, genauer gesagt nach Kalifornien. Dort hatte er als 15-Jähriger bereits ein Austauschschuljahr absolviert. Vater Jürgen empfahl die "New York Film Academy" in Los Angeles. Es folgte das "Theatre of Arts" in Hollywood. Roesner war begeistert von der ganz anderen Art zu arbeiten, ein Stück komplett durchzuspielen, statt Einstellung für Einstellung immer wieder zu wiederholen. Er genießt das Adrenalin und die unmittelbaren Reaktionen des Publikums. Auch mit bekannten Schauspielern kommt er in Kontakt. Zuerst habe er großen Respekt vor bekannten Namen gehabt, "aber es sind auch alles Menschen, die jeden Morgen aufstehen, frühstücken und abends wieder ins Bett gehen". Der Deutsche Hannes Jaenicke, der in den USA lebt, wird für ihn nach eigener Aussage eine Art Mentor. Sein Leinwanddebüt hat er im Kurzfilm "Die trojanische Kuh". In der Rolle des Sohnes eines Stasi-Mannes will er aus der DDR fliehen. Auch im deutschen Kino war er übrigens bereits zu sehen. In "Die Wolke", einer Verfilmung des Jugendbuchs von Gudrun Pausewang, hatte er 2006 eine Nebenrolle. Viel Zeit fürs Privatleben bleibt ihm nicht. Kein Wunder, dass er sich bei Familie und Freunden rar macht. Aus diesem Grund freut er sich besonders auf den heutigen Tag in Saarbrücken: "Meine Eltern kommen zur Premiere."

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