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Von Thane - Wenn Pianoklänge auf Elektrosound treffen

Musik : Von Thane - wenn Pianoklänge auf Elektrosound treffen

Alte deutsche Volkslieder in modernem Sound – kann das gut gehen? Das Trierer/Berliner Duo Von Thane tritt den Beweis an. Gerade ist ihre neue EP „Bunte Wälder“ erschienen.

Wissen die Deutschen eigentlich, was für schöne Volkslieder sie haben? Das fragen Von Thane in ihrem Pressetext. Wisst ihr eigentlich, wie verstörend Volkslieder sein können? – möchte man zurückrufen. Da gilt es, das eine oder andere Trauma aufzulösen – zum Beispiel das von den 17 schaurig-traurigen Strophen der Königskinder, die auch nach dem zehnten Versuch des Auswendiglernens nicht zueinander finden konnten. Oder die Vogelhochzeit, die sogar noch mehr Strophen brauchte, um die gesamte deutsche ornithologische Vielfalt vom Wiedehopf bis zur Schnepfe darzustellen. Und der Klassiker, natürlich, wenn zwischen Mittagessen und Kaffeetafel „Das Wandern ist des Müllers Lust“ geträllert wurde, damit es den Kindern beim Sonntagsspaziergang nicht allzu langweilig wird.

Es hat also einen nahezu therapeutischen Ansatz, wenn Von Thane sich als dada-romantisches Piano/Elektronik-Duo bezeichnen und ihr Schaffen so beschreiben: „Wir spielen deutsche Volkslieder, dampfen sie auf ihre melodische Essenz ein und lassen sie mit Klavier und elektronischen Klängen neu erstrahlen.“ Das ist übrigens nicht immer auf den ersten Klang gefällig (und soll’s womöglich auch gar nicht sein), sondern vielmehr komplex – genau das macht das Anhören aber von Mal zu Mal spannender.

Das Duo an sich steckt voller Gegensätze: Hier der klassisch ausgebildete Pianist (Stefan Frenster), da der autodidaktische Elektronik­soundtüftler (Rolf Müller). Was die beiden verbindet? Freundschaft – und eine gemeinsame Vergangenheit in Trier, die musikalisch bei der Nachfolgeband von Triebverzicht, Firlefanz, startete. Als „wunderschöne Zeit“ beschreibt Frenster (51) die „vier, fünf Jahre“, die die beiden dort zusammen Musik machten. Und dann? Kam das Leben dazwischen. Der eine, Frenster, fing an mit seinem Studium, der andere, Müller, beendete seines. Jeder ging seiner Wege.

Frenster ist vielen Musikinteressierten in Trier ein Begriff. Unter anderem deshalb, weil er drei Jahre lang die Trierer Sängerknaben leitete. Aber auch als Komponist und musikalischer Leiter, zum Beispiel beim sehr erfolgreich aufgeführten „Karl für Kids“, einem Musical für Kinder im Karl-Marx-Jahr. Zudem sitzt er in unterschiedlichen musikalischen Formationen am Piano, zur Zeit bei liai.song.

Rolf Müller (58) spielte früher Gitarre und Bass in diversen Bands, unter anderem bei der Krautrock-Kapelle Wintauge sowie sev:n:inch, die 1991 den Deutschen Rockpreis gewannen und bei Sony Music unter Vertrag standen. Was folgte, war ein Jurastudium und die Gründung eines kleinen, exklusiven Musikverlags namens popagenten in Berlin sowie eine eigene Radiosendung gleichen Namens auf Fritz (RBB).

Erst vor drei Jahren fanden Frenster und Müller dank eines gemeinsamen Freundes wieder zusammen, nachdem sie sich rund 27 Jahre lang nicht gesehen hatten. Schnell war klar: Die gemeinsamen persönlichen und musikalischen Wellenlängen haben beide in der langen Zeit nicht verlassen. Erst trafen sie sich in Trier, dann in Berlin. Das Ergebnis waren verschiedene Ideen, zusammen künstlerisch tätig zu werden.

Eine Überlegung – Mitsingkonzerte – zerschlug sich wegen dem Beginn der Corona-Pandemie. Im Pool der Lieder, die Frenster dafür ausgesucht hatte, war ein nicht ganz unbekanntes über eine klappernde Mühle an einem rauschenden Bach. Corona-konform ging das digital auf die Reise nach Berlin – heraus kam „Die Mühle“, zu finden auf der ersten Von-Thane-EP „Königskinder“. Frenster: „Wir haben damit ehrlich gesagt erst mal ohne große Hintergedanken begonnen – und dann gemerkt, dass es uns wahnsinnig viel Spaß macht.“