Von wegen Null-Bock-Generation

Von wegen Null-Bock-Generation

Trierer Jugendliche übernehmen immer häufiger ein Ehrenamt - das geht aus dem Jahresbericht der Ehrenamtsagentur hervor. Überhaupt engagieren sich dem Bericht zufolge immer mehr Menschen für soziale, ökologische oder kulturelle Belange.

Trier. Dem Ehrenamt in der Region mangelt es zurzeit nicht an Nachwuchs. Mehr als die Hälfte der Menschen, die sich 2012 bei der Trierer Ehrenamtsagentur beraten ließen, waren jünger als 30 Jahre. Das geht aus dem Jahresbericht der Agentur hervor. "Das ist untypisch, aber es zeigt, dass auch diejenigen sich einbringen, denen man gerne unterstellt, keine Lust zu haben", sagt Carsten Müller-Meine, Geschäftsführer der Trierer Ehrenamtsagentur. Sogar Vollzeitbeschäftigte würden eine oder zwei Stunden in der Woche finden, um zum Beispiel Menschen im Altersheim zu besuchen. "Wenn sich jemand wirklich engagieren möchte, dann ist dies immer mit dem Terminplan vereinbar."Ob Leseförderung in Grundschulen, Nachbarschaftshilfe und die freiwillige Feuerwehr: Ehrenamtliches Engagement ist in Trier stark ausgeprägt. Dies sei auf den dörflichen Charakter der Stadt zurück zu führen, sagt Müller-Meine. Der Einsatz für das Gemeinwohl und das Schauen nacheinander seien tief verwurzelt. Allein in Trier gibt es mehr als 500 Vereine, Einrichtungen und Initiativen, die von ehrenamtlichem Engagement leben. Schwerpunkte in bestimmten Bereichen seien nicht zu erkennen, sagt Müller-Meine.Dennoch hält es der Experte für nötig, dass traditionell geprägte Strukturen etwa in Vereinen offener werden. Es müsse möglich sein, sich auch unverbindlich einige Monate zu engagieren. Ein wichtiger Schritt sei gewesen, dass Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland den Ehrenamtlichen Versicherungsschutz garantiert habe, sagt Müller-Meine. Doch es gebe weiterhin Barrieren, die Engagement verhinderten. "Wenn jemand, der wenig Geld hat, von Ehrang nach Zewen mit dem Bus fahren muss, können schon 2,40 Euro pro Fahrt dazu führen, dass die Unterstützung wegfällt."Dass es in der Gesellschaft künftig immer mehr ältere Menschen geben wird, ist in den Augen des Ehrenamtsexperten kein Problem. Schon jetzt zeige sich, dass Rentner sich für ihre Umgebung einsetzen und neue Kontakte knüpfen möchten.Ein solches Engagement werde existenziell wichtig bleiben, sagt Müller-Meine: "Das Ehrenamt ist der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält." Extra

Die Ehrenamtsagentur Trier wurde 2001 gegründet. Träger ist der Verein Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle Trier e.V., kurz Sekis. Die Aufgaben reichen von der Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Vernetzung von Vereinen. Im Januar 2013 wurde der 1000. Bürger beraten, der sich für ein Ehrenamt interessiert. 2012 veranstaltete die Agentur zum ersten Mal den Markt der Möglichkeiten, auf dem sich Vereine einem breiten Publikum vorstellen konnten. Zudem verleiht sie den Jugendehrenamtspreis für besonderes Engagement von Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. beh ehrenamtsagentur-trier.de

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