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Vor 100 Jahren wurde Kinoplakatmaler Willi Laschet in Trier geboren.

Kino : Wie Filmlegenden den Trierer Willi Laschet bekannt machten

Vor 100 Jahren wurde der renommierte Kinoplakatmaler Willi Laschet (1920-2010) in Trier geboren. Die Karriere des außergewöhnlichen Künstlers begann 1947 in Bitburg.

Mit seiner realistisch wirkenden Werbemalerei machte sich der gebürtige Trierer Willi Laschet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen großen Namen als Kinoplakat-Künstler. Seinerzeit kreierte der begabte Maler und Grafiker zahlreiche großformatige Filmplakate mit lebensechten Abbildern berühmter Stars und Figuren der ganzen Filmwelt.

Eigentlich hätte der am 22. November 1920 geborene Moselaner nach den Wünschen seines Vaters Pfarrer werden sollen. Doch als Abiturient des Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums zog Laschet eine Karriere in der bildenden Kunst einer priesterlichen Laufbahn vor. So besuchte er die Meisterschule des Deutschen Handwerks in seiner Heimatstadt, um Malerei und Graphik zu studieren. Während des Zweiten Weltkrieges geriet der angehende Künstler aber zunächst als Frontsoldat in amerikanische Gefangenschaft.

Erst nach seiner Entlassung im Jahre 1947 konnte Laschet nach Deutschland zurückkehren. In seiner neuen Heimatstadt Bitburg sollte nun sein beruflicher Aufstieg als Werbemaler beginnen. Dort entwarf und malte er im Auftrag des früheren Skala-Kinos seine ersten großen Fassadenplakate. Mehrere Engagements weiterer regionaler Lichtspielhäuser folgten schon bald. Mit seinen gelungenen Entwürfen erregte der aufstrebende Maler vielerorts Aufsehen. So lockten die von ihm geschaffenen Porträts bekannter Stars wie Greta Garbo, James Dean oder Sean Connery zahlreiche Zuschauer ins Kino.

Während der großen Zeit des Film- und Kinobooms in Deutschland schuf der leidenschaftliche Maler insgesamt mehr als 10 000 Plakate. Diese entstanden insbesondere im Auftrag zahlreicher Kinos in Essen, Neuss, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz und Trier. Auch für die Vermarktung der im Hunsrück gedrehten Filmreihe „Heimat“ von Edgar Reitz entwarf Laschet großformatige Plakatwerbung. Die Originale bilden heute einen Blickfang in der Abteilung zur regionalen Kino- und Filmgeschichte des Hunsrückmuseums in Simmern  (siehe Info).

Zu Laschets persönlichen Lieblingswerken gehörten die frühen Filmplakate der legendären Kultklassiker „Casablanca“ und „Der dritte Mann“. Als seltener Kinogänger hielt sich der bescheidene Künstler aber stets im Hintergrund. „Mir ist es egal, was ich male. Je größer, desto besser, dann kann ich mich richtig austoben“, sagte er einmal in einem Interview.

Als Markenzeichen Laschets galten sein bunt bekleckster Overall und die große Schnelligkeit, mit der er seine Aufträge ausführte. So stellte er bis zu drei Plakate an nur einem Vormittag her. Neben Filmplakaten gestaltete der talentierte Künstler auch graphische Werbung für Privatpersonen und Unternehmen, darunter auch für die Brauerei Bitburger.

So verlieh er in den 1950er-Jahren dem bekannten „Genießer“-Logo und dem Werbeschriftzug der Eifeler Brauerei ein modernes Erscheinungsbild.

Seit etwa 1965 lebte Laschet mit seiner Familie im nordrhein-westfälischen Hürth, wo er mehrere Jahrzehnte lang ein eigenes Plakatmal-Atelier betrieb. Während der 1980er-Jahre entwarf der erfahrene Maler neben Filmplakaten unter anderem auch politische Wahlwerbung für die SPD in seiner neuen Heimat. Darüber hinaus begeisterte Laschet auch als Volkshochschuldozent viele junge und erwachsene Menschen für die großformatige Malerei.

Sein umfangreiches Lebenswerk würde mehrfach mit besonderen Auszeichnungen gewürdigt, darunter mit dem Kulturpreis seiner Heimatstadt Hürth (1995), dem Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises (1996) sowie dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland. In seinen letzten Wirkungsjahren betätigte sich der engagierte Künstler verstärkt auch als Bildhauer. Eine aus dieser Zeit stammende Edelstahlskulptur ziert seit 2006 einen Verkehrskreisel in der Stadt Wesseling.

Willi Laschet hat im Auftrag der Bitburger Brauerei das damals bereits verwendete Bitburger-Logo, den Genießer, sowie den Schriftzug „Bitburger“ leicht modifiziert. Er entwarf auch Produktetiketten und Werbeplakate. Foto: "g_kultur" <g_kultur@volksfreund.de>
Ein handgemaltes Plakat von Willi Laschet weist auf die Premiere in Simmern am 26. September 1973 hin. Foto: TV/Hunsrück-Museum Simmern

Im Alter von 89 Jahren starb Laschet am 30. Juli 2010 in seiner Wahlheimat Hürth. Ein Teil seiner vielbeachteten Werke wird heute im Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main aufbewahrt.