1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Vor 25 Jahren: Der erste Schritt zu offenen Grenzen

Vor 25 Jahren: Der erste Schritt zu offenen Grenzen

Der an der Mosel gelegene, luxemburgische Ort Schengen hat dem Schengen-Abkommen vor 25 Jahren seinen Namen gegeben. Seither steht er für die innereuropäische Grenzfreiheit. Das Jubiläum wird am 13. Juni mit EU-Kommissionspräsident Barrosso und der Eröffnung des Europa Museums gefeiert.

Auf dem Schiff Princesse Marie-Astrid ebneten die Staatssekretäre von Belgien, Luxemburg, Deutschland, Frankreich und der Niederlande am 14. Juni 1985 in Schengen den Weg für mehr Reisefreiheit in Europa. Was zunächst an den Grenzen der fünf Länder begann, umfasst heute - 25 Jahre später - 25 Staaten.

Langes Warten gehört der Vergangenheit an



Ein kurzes "über die Grenze springen" nach Frankreich, Luxemburg oder Belgien ist für viele Bürger dadurch alltäglich geworden. Langes Warten vor geschlossenen Schlagbäumen oder Passkontrollen gehören dabei der Vergangenheit an.

Mit dem Schengener Abkommen wurde 1985 der schrittweise Abbau der Personenkontrollen an den innereuropäischen Grenzen festgeschrieben. Bürger eines sogenannten Schengen-Landes benötigen seither keinen Reisepass mehr, um in ein anderes Schengen-Land zu reisen.

Die Umsetzung erfolgte jedoch nicht direkt mit der Unterzeichnung des ersten Abkommens. Erst zehn Jahre später fielen die Grenzkontrollen tatsächlich. Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Portugal und Spanien sind 1995 die ersten europäischen Länder, die an den gemeinsamen Grenzen nicht mehr kontrollieren. Inzwischen haben sich dem Abkommen 22 EU-Länder sowie Island, Norwegen und die Schweiz angeschlossen. Die Grenzkontrollen zu Bulgarien, Rumänien und Liechtenstein sollen demnächst wegfallen. Die Kontrollen zu Zypern bleiben noch bestehen, bis der Konflikt in dem geteilten Land gelöst ist.

Außengrenze wird stärker überwacht



Eine Sonderrolle nehmen Großbritannien und Irland ein. Die beiden EU-Staaten haben das Abkommen nur teilweise umgesetzt. Sie unterstützen zwar die polizeiliche Zusammenarbeit, verzichten aber nicht auf Personenkontrollen an ihren Außengrenzen.

Um neben der größeren Freiheit die innere Sicherheit der Länder nicht zu vernachlässigen, wird zum Ausgleich die Außengrenze der Schengen-Staaten stärker überwacht. Dazu wurde das Schengener Informationssystem (SIS) eingeführt. Das SIS ist eine Datenbank mit deren Hilfe Polizisten und Justizbehörden Daten schneller austauschen können. Die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten soll dadurch verbessert werden.

Vorteile bietet das Abkommen aber auch Reisenden aus anderen Ländern. War früher für jedes Land ein eigenes Visum nötig, so wird heute nur noch ein einziges Visum eines Schengen-Landes gebraucht, um fast ganz Europa bereisen zu können.

Zu besonderen Anlässen, wie Fußball-Welt- und Europameisterschaften, kann das Abkommen aber kurzzeitig außer Kraft gesetzt werden. Besonders Hooligans soll dann die Einreise verwehrt bleiben.
Extra


Feierlichkeiten zu 25 Jahren Schengener Abkommen:
Offiziell wird das Jubiläum am Sonntag, 13. Juni, in Schengen gefeiert. Rund 300 Gäste, darunter EU-Kommissionspräsident José Manuel Barrosso sowie verschiedene EU-Außenminister, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Junker und Großherzog Henri, haben sich angekündigt. Am gleichen Tag wird auch das Europäische Museum Schengen eröffnet, das sich mit der Geschichte und Bedeutung der Grenzöffnung befasst. Die Dauerausstellung zeigt auf etwa 200 Quadratmetern und in den drei Sprachen Französisch, Deutsch und Englisch, wie in Schengen ein grenzfreies Europa entstanden ist. Am 17. und 18. Juli gehen die Feierlichkeiten im Dreiländereck weiter. Dann begeht die Öffentlichkeit das Schengener Abkommen mit einem großen Volksfest in der Gemeinde Schengen sowie in den französischen Orten Sierck-les-Bains, Kirsch-les-Sierck, Manderen, Apach und im saarländischen Perl.