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Vor 80 Jahren ist der bedeutende Trierer Maler und Architekt Carl Rüdellgestorben.

Kunst : Farbenfrohe Aquarelle und sakrale Gebäude

Vor rund 80 Jahren ist der Trierer Maler und Architekt Carl Rüdell in Köln gestorben. Der größte Wunsch des gebürtigen Moselaners blieb ihm im Alter verwehrt.

Im frühen 20. Jahrhundert erfreuten sich Künstler-Bildpostkarten mit Lithographien (Steindrucken) von gemalten Ortsansichten großer Beliebtheit bei Urlaubern und Sammlern von Andenken. Seinerzeit produzierte der Kölner Verlag Karl Rud. Bremer & Co. eine Vielzahl von Kartenserien mit rheinländischen Motiven, darunter auch mit abgedruckten Gemälden des früheren Moselaners Carl Michael Rüdell. Dieser schuf zahlreiche Vorlagen für Postkartenansichten von Köln und Trier (siehe Foto rechts) sowie von der Eifel- und Moselregion. Ein Großteil seiner zumeist sehr farbenfrohen Aquarelle zeugt von der  Liebe des Künstlers zu seiner Vaterstadt Trier. Dort wurde Rüdell am 13. September 1855 im Hause der ehemaligen Raskopp’schen Bierbrauerei in der Fleischstraße geboren.

Vater Michael betrieb eine Drechslerei nebst einem Laden für Tabak, Pfeifen und Federmesser. Darüber hinaus verkaufte er Billardbälle, Kegel und Kegelkugeln aus eigener Produktion. Carl Rüdells berufliche Ausbildung begann im Jahre 1869 mit einem Architekturstudium beim Trierer Diözesan-Baumeister Reinhold Wirtz. Anschließend siedelte der damalige Kunstschüler nach Köln über, um seine Lehre bei Johann Theodorus Stracke fortzusetzen. Zwischen 1872 und 1875 arbeitete er als Landesbauführer mit den Architekten August Carl Lange und Heinrich Nagelschmidt zusammen. Danach schloss sich Rüdell einer Künstlergruppe der Düsseldorfer Malerkolonie Zons an. Auf einer Bildungsreise durch Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien fertigte er zahllose Aquarelle mit Architekturstudien, Landschaften, arbeitenden Menschen und Porträts an. Ab etwa 1885 machte sich der begabte Künstler selbständig und arbeitete freiberuflich als Architekt.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert errichtete er zusammen mit dem Kölner Baumeister Richard Odenthal circa 80 Gotteshäuser im Rheinland. Zu diesen zählen die katholischen Pfarrkirchen St. Andreas in Leverkusen, St. Laurentius in Uedem (Niederrhein), St. Agnes in Köln, St. Ewaldi in Duisburg-Laar, St. Lambert in Spay sowie St. Maternus in Merbeck. Gegen Ende der 1920er-Jahre zog sich Rüdell aus der Architektur zurück und widmete sich gänzlich der Kunstmalerei. Im Rahmen verschiedener Eifel-Ausstellungen wurden zahlreiche seiner stimmungsvollen Gemälde einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Anlässlich seines 70. Geburtstages fanden zwei Sonderausstellungen unter dem Titel „Carl Rüdell“ in Trier und Köln statt. Seine farbenprächtigen Heimatbilder waren äußerst begehrt und wurden sowohl für lithographische Reproduktionen von Postkarten als auch für die Herstellung von Kalenderbildern benutzt. So druckte auch die frühere Trierer Brauerei Caspary vorzugsweise Rüdell’sche Kunstwerke in ihren Kalendern ab. Von seiner lebenslang währenden und engen Verbindung zur Heimatstadt Trier zeugt der zeitgenössische Bericht eines Bekannten Rüdells: „(…) und fast kein Jahr verging ohne kürzeres oder längeres Durchstreifen der lieben alten Gassen und Gäßchen seiner glücklichen Jugendzeit. (…) Sein innigster Wunsch, den Lebensabend in seinem geliebten Trier verbringen zu dürfen, blieb ihm wegen der übergroßen Wohnungsnot leider versagt. So musste er denn, wenn auch schweren Herzens, in Köln bleiben. Und dort malt er in seiner stillen Künstlerklause in Köln-Mülheim, im Geiste mit Trier fest verankert, mit ungebrochenem Mut und jugendlicher Begeisterung „Trierer“ Bilder, die alle Heimatliebe atmen.“

 Ein Selbstbildnis.
Ein Selbstbildnis. Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier
 Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier
Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier

Am 26. Mai 1939 starb der bekannte Sohn der Stadt Trier im Alter von 83 Jahren in seiner Wahlheimat. Zu Ehren des namhaften Künstlers wurde die Rüdellstraße in der Kölner Gartenstadt Nord (Stadtteil Longerich) nach ihm benannt. Sein gesamtes Lebenswerk umfasst mehr als 2000 Exponate. Aus seiner Ehe mit Christina Paulina Empt gingen drei Söhne und eine Tochter hervor.