Vor allem Jüngere sind willkommen bei den „Mundartfreunden im Unteren Ruwertal“

Kasel : Mundartfreunde suchen Unterstützer

Vor allem Jüngere sind willkommen bei den „Mundartfreunden im Unteren Ruwertal“, denen die gemeinsame Sprache am Herzen liegt.

Sie sind eine bunt gemischte Gruppe mit Bürgern aus Kasel, Waldrach und Morscheid. Was sie verbindet, ist das gemeinsame Interesse am Dialekt, der in ihren Dörfern wie Mertesdorf und Riveris gesprochen wird. Ihn zu pflegen und für nachfolgende Generationen zu erhalten oder der Herkunft von Ausdrücken nachzuspüren, liegt allen in der Interessengemeinschaft „Mundartfreunde im Unteren Ruwertal“ am Herzen.

2017 wurden sie für ihr Engagement ausgezeichnet (der TV berichtete). Mit ihrem erstmals verliehenen Ehrenamtspreis würdigte die Ortsgemeinde Kasel die Verdienste der um die 20 Mundartfreunde, die sich seit 2001 regelmäßig alle zwei Monate treffen. Seither bemühen sie sich, die Mundart des Ruwertals nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: im Rahmen von Mundartstammtischen wie gut zehn Jahre lang mit der eigenen Theatergruppe und auch mit größeren Veranstaltungen wie den Mundart-Abenden. Einer davon fand in Erinnerung an die vor 127 Jahren geborene Heimatdichterin Maria Peters statt, was mehr als 200 Besucher nach Kasel führte.

Unabhängig von Veranstaltungen bringen die Mundartfreunde „Dialektausgaben“ heraus. Hermann Jakobs, einem pensionierten Sonderschulkonrektor, sind bereits 20 Exemplare mit Liedern und Gedichten in Mundart zu verdanken. Hinzu kommen Sonderausgaben wie „So gött bei us geschwadt“ und eine Mundart-CD. Für Hermann Jakobs ist der eigene Dialekt „Teil unserer Heimat“.

Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald ist dankbar für das Engagement der Gruppe. Sie sammle unermüdlich Dialekt-Ausdrücke in den Dörfern, um diese der Nachwelt zu erhalten. Er selbst engagiert sich ebenfalls für den Erhalt des Ruwertal-Dialektes. Mit 66 Jahren ist er allerdings der Jüngste in der Gruppe. Sie brauchten dringend Nachwuchs, hoffen alle auf Verstärkung vor allem von jüngeren Mundartfreunden.

Entscheidenden Anteil an den Aktivitäten der Gruppe haben auch Jutta Schulz, die sich mit Mia Jakoby um Organisatorisches kümmert, und Lieselotte Pies. Die pensionierte Lehrerin der Grundschule Mertesdorf-Kasel führt Protokolle bei Treffen. Bei diesen wird nicht nur vieles besprochen. Es werden auch Beiträge wie Geschichten oder Gedichte in Mundart vorgetragen. Ähnlich wie an den Mundart-Abenden, zu denen sie inzwischen alle zwei Jahre einladen. Beim Treffen Anfang April wurde ihnen ein Büchlein mit Original-Aufzeichnungen von Maria Peters überreicht. Eine in Frankreich lebende Nichte vertraute es den Mundartfreunden an, die es wie ein Vermächtnis hüten. Abgesehen von ihrem Engagement für den Ruwertal-Dialekt setzen sich die Mundartfreunde zudem für die Pflege von Brauchtum und jahreszeitlichen Traditionen ein.

So wird beispielsweise das traditionelle „Osterklappern“ wieder rege gepflegt. 60 „Klapperkinder“ waren in diesem Jahr unterwegs, wobei sie einen schriftlich festgehaltenen Spruch von Maria Peters aufsagten. Dass sie das auch „in Platt“ können, ist Jutta Schulz zu danken. Sie ging mehrmals in die Schule, um das den Kindern beizubringen. Und die seien sehr interessiert gewesen, freut sie sich.

Für Lieselotte Pies, Autorin eines Buches über die örtliche Schulgeschichte, für die auch Hermann Jakobs vieles beisteuerte, ist der eigene Dialekt eine Identität stiftende Sprache: „Er zeichnet uns aus.“

Die Kaseler Mundartfreunde (von links): Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald mit Jutta Schulz, Mia Jakoby, Hermann Jakobs und Lieselotte Pies. Foto: Ursula Schmieder

Die Mitglieder der Gruppe schauten aber auch über den eigenen Tellerrand wie nach Trier und Luxemburg oder in Eifel und Hunsrück: „Autoren haben wir überall.“

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