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Vor Eichen in der Region sollst du weichen - Giftige Raupen verursachen Juckreiz

Vor Eichen in der Region sollst du weichen - Giftige Raupen verursachen Juckreiz

Es ist nur ein harmloser Nachtfalter. Doch die Raupen des Eichenprozessionsspinners können unerträglichen Juckreiz auslösen. In Trier und in Konz sind Bäume von den gefährlichen Tieren befallen. Die Behörden rechnen mit weiteren Nestern.

Atemmaske, Kapuze, Schutzoverall: Nur so ausgerüstet wagt Konrad Böcking sich in die Nähe der Eichenprozessionsspinner. Und doch hat es ihn erwischt: "Die Haare der Raupen sind so fein, dass sie trotz Schutzkleidung durchdringen", berichtet der Trierer Baumpfleger. Die Folge: stark juckende Pusteln am ganzen Körper, Hustenreiz und andere allergische Reaktionen.

Im Auftrag der Trierer Stadtverwaltung hat Böcking in den vergangenen Tagen Nester der gefährlichen Raupe in der Nähe der Kita und der Grundschule in Feyen entfernt. "Es waren mehr als 20 Gespinste", berichtet der Baumexperte. Tagsüber und zur Verpuppung ziehen sich die etwa fünf Zentimeter langen Raupen in diese Gespinstnester - die aussehen wie aus Zuckerwatte gemacht - zurück. Der Kontakt kann schmerzhafte Folgen haben (siehe Info).

Auch die Stadt Konz und die Verbandsgemeinde Konz haben vorige Woche bereits Nester auf öffentlichen Grünflächen beseitigen lassen. "Wir rechnen durchaus damit, dass in den nächsten Wochen weitere Vorkommen im Landkreis Trier-Saarburg entdeckt werden und entfernt werden müssen", sagt Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Der Eichenprozessionsspinner - in Europa ursprünglich auf die südlichen Länder beschränkt - breitet sich laut Bundesumweltamt immer stärker auch in Deutschland aus. "Vor 14 Jahren habe ich das erste Nest entfernt, damals in Konz-Roscheid. 2015 haben wir dann bei Baumarbeiten entlang der Bahnstrecke zwischen dem Saarland und Trier etliche Gespinste entdeckt. Und dieses Jahr scheint es mir einen recht flächendeckenden Befall zu geben", berichtet Böcking von seinen Beobachtungen in der Region Trier. Die Entfernung der Nester an Eichen in der Nähe der Kita und der Grundschule Feyen seien tatsächlich nur "akute Maßnahmen", um die Kinder zu schützen, erklärt Triers Rathaussprecher Ralf Frühauf auf TV-Nachfrage. "Wenn die Raupen gegen Ende Juni mit der Verpuppung beginnen, können die Nester am effektivsten vernichtet werden", sagt Frühauf. Von einer Spezialfirma werden die Nester samt Puppen dann mit einer Art überdimensioniertem Staubsauger abgesaugt. "Bereits letztes Jahr haben wir so etwa 200 Bäume bearbeiten lassen", sagt Frühauf. Wie sich der Befall seitdem entwickelt hat, darüber könnten noch keine genauen Aussagen getroffen werden. Das Grünflächenamt habe die Sache allerdings bei seinen Baumkontrollen im Blick.

Die bloße Vernichtung der Nester könnte in Zukunft möglicherweise nicht mehr ausreichen. "Für dieses und nächstes Jahr ist weiterhin die mechanische Entfernung vorgesehen", sagt Frühauf. "Anschließend soll entschieden werden, ob eventuell Insektizide zum Einsatz kommen müssen." Da die Raupen der Motte Sonne und Wärme lieben, besiedeln sie gerne freistehende Eichen. Wer an einem solchen Exemplar im eigenen Garten die kleinen Tiere mit den langen weißen Härchen entdeckt, sollte allerdings keinesfalls in Eigenregie versuchen, das Nest zu entfernen, rät die Berufsgenossenschaft Gartenbau. Eine Verpflichtung, die Nester von Fachleuten - etwa Gärtnern oder Baumpflegern - entfernen zu lassen, besteht allerdings nicht: "Das liegt in der Verantwortung des Einzelnen, denn wer einen Bogen um die befallenen Nester macht, bleibt ja ungefährdet. Aber wenn damit gerechnet werden muss, dass andere - insbesondere Kinder - in die Nähe des Baums kommen und heftigere allergische Reaktionen auftreten, könnte sich die Haftungsfrage stellen", sagt Thomas Müller, Pressesprecher der Unteren Naturschutzbehörde, die bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg angesiedelt ist.Extra: RAUPEN MIT STARKEM NESSELGIFT

Das Umweltbundesamt hat im August 2016 eine Broschüre rund um den Eichenprozessionsspinner herausgebracht. Darin heißt es: "Wie der Eichenprozessionsspinner die Gesundheit des Menschen gefährdet, lässt das Umweltbundesamt jetzt genauer untersuchen." Alle Auswirkungen, die die feinen, bis zu 1,5 Zentimeter langen Nesselhaare der Schmetterlingsraupe haben können, sind also offenbar noch nicht bekannt. Fest steht, dass das eiweißhaltige Nesselgift Thaumetopoein starke allergische Reaktionen auslösen kann: Auf der Haut bilden sich rote Quaddeln inklusive mehrtägigem starken Juckreiz. Die Raupenhaare haben winzige Widerhaken, die sich auch auf Schleimhäuten der Atemwege verfangen und Husten, Bronchitis und Asthma auslösen können. Die Augen reagieren mit Rötungen, Jucken und Bindehautentzündungen. In sehr seltenen Fällen können auch Fieber sowie Kreislaufreaktionen ausgelöst werden. Beim Gesundheitsamt der Stadt Trier und des Landkreises Trier-Saarburg sind in diesem Jahr noch keine Fälle der sogenannten Raupendermatitis bekannt geworden. Meldepflichtig sind die Symptome ohnehin nicht. "Für eine Diagnose ist es allerdings wichtig, dass der Betroffene oder die Eltern sich überlegen, ob sie im Vorfeld in Kontakt mit den Raupenhaaren gekommen sein könnten", erklärt Horst van Hees, stellvertretender Leiter der Behörde.