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Vor-Ort-Termin des Trier-Forums zum Theater: Alte Ideen und ein neues Mitglied

 Moderator Alois Peitz (im grauen Anzug) begrüßt die ersten Veranstaltungsgäste vor dem Stadttheater. Im Lauf des Abends wächst die Runde auf insgesamt rund 50 Teilnehmer. TV-Foto: Roland Morgen
Moderator Alois Peitz (im grauen Anzug) begrüßt die ersten Veranstaltungsgäste vor dem Stadttheater. Im Lauf des Abends wächst die Runde auf insgesamt rund 50 Teilnehmer. TV-Foto: Roland Morgen FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Trier. Illustre Runde beim zweiten Vor-Ort-Termin des Trier-Forums zum Theater und seinem Umfeld: Zu den rund 50 Teilnehmern zählte auch Hans Petzholdt, Triers Baudezernent von 1977 bis 1987. Beim Bau des Theaters am Augustinerhof war der heute 90-Jährige Chef des Stadtplanungsamtes. Roland Morgen

Trier. Das Theater Trier zieht wieder. Zumindest als Thema des zweiten Vor-Ort-Termins des Vereins Trier-Forum. Um den Musentempel am Augustinerhof und sein Umfeld ging es am Donnerstagabend. Erst Exkursion, dann Diskussion - das lockte mehr als 50 Teilnehmer an. Moderator Alois Peitz (84), früherer Bistumsarchitekt, war sehr angenehm überrascht ob des Zuspruchs. Darin erschöpfte sich der breite Konsens aber auch schon. Erwartungsgemäß vertraten die Haupt-Diskutanten unterschiedliche Standpunkte.
Professor Matthias Sieveke, Dekan des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Trier, bezeichnete das Erscheinungsbild des Augustinerhofs (Parkplatz) als "Beleidigung fürs Auge" - keine Spur von idealtypischem "auf die Kultur zuschreiten".Konträre Auffassungen


Eva-Maria Weiß vom Stadtplanungsamt verwies auf die trierischen Gegebenheiten: Es lasse sich auf archäologisch hochsensiblem Terrain nicht alles Blech unter die Erde verlagern, und das Theater stehe nicht allein auf weiter Flur: Es gebe vielfältige (Erweiterungs-) Ansprüche von Anrainern, darunter das Humboldt-Gymnasium und die Stadtverwaltung.
Sieveke ließ nicht locker in Sachen "visuelle Belästigungen": Das ganze Theater-Umfeld bis hin zur Antoniuskirche wirke ungeordnet, konzeptlos, worunter auch das Gotteshaus leide. Karl-August Heise, Regionalvorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), konterte mit der historischen Dimension von Stadtentwicklung an dieser Stelle und über Jahrhunderte gewachsene Strukturen: "Hier gilt es, Geschichte fortzusetzen."

Aber wie umgehen mit dem Theatergebäude, das ursprünglich gar nicht am Augustinerhof, sondern neben den Kaiserthermen geplant war? Hans Petzholdt hat die (Standort-) Diskussion Anfang der 1960er Jahre aktiv mitgestaltet - als damaliger Stadtplanungsamtschef. Das bauliche Resultat: Vorzeigearchitektur von Gerhard Graubner (1899-1970) im Altstadtzentrum, 1964 in Betrieb gegangen, aber nie in Gänze ausgeführt. Der sich in Richtung Antoniusstraße anschließende Bauabschnitt zwei fehlt. Abseits der quälenden Raumnot wäre nach Einschätzung des langjährigen Baudezernenten (1977 bis 1987) schon viel erreicht, könnte das genau zwischen Theater und Viehmarkt stehende ehemalige Pfarrhaus von St. Antonius in der Hindenburgstraße von der Bildfläche verschwinden. Es entstünde eine große Öffnung und damit ein "großer Gewinn", so Petzholdt.

Der 90-Jährige wurde am Donnerstagabend ausnahmsweise einmal seiner selbst auferlegten Zurückhaltung ("keine öffentlichen Äußerungen über Bauangelegenheiten im Ruhestand") untreu und und forderte, als das unvermeidliche Thema Kosten zur Sprache kam, die Landkreise der Region mit zur Kasse zu bitten. Schließlich kämen mehr als die Hälfte der Theaterbesucher von außerhalb Triers.

Ein Neubau kommt laut Alois Peitz für das Trier-Forum nicht in Betracht. Man wolle mit dazu beitragen, dass das bestehende Gebäude, das "vom Brandschutz bis zur Statik ja in Ordnung" sei, saniert, die alte Planung der Erweiterung Richtung Kirche realisiert und für das Umfeld ein städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgeschrieben wird. Alte Ideen, die, wie Peitz weiß, sich nicht auf die Schnelle umsetzen lassen: "Wir reden hier von einer Entwicklung, die sicherlich 25 bis 30 Jahre braucht."

Die eigentliche Überraschung des Abends: Kulturdezernent Thomas Egger erklärte nach einem leidenschaftlichen Plädoyer für einen Fortbestand der drei Sparten (Schauspiel, Musik, Tanz/Ballett), dem Trier-Forum beitreten zu wollen. Der Verein hat rund 100 Mitglieder, die jährlich 20 Euro (ermäßigt 10 Euro) an Beitrag zahlen.Extra

Das Gelände der Deutschordenskommende zwischen Langstraße und Schießgraben steht im Blickpunkt der nächsten Vor-Ort-Veranstaltung des Trier-Forums, das für "sinnvolles Bewahren, behutsame Erneuerung und Entwicklung" eintritt.

Termin: Donnerstag, 22. September. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr der Parkplatz Ausoniusstraße. Moderation: Jens Fachbach. Inhaltlich geht es um das Potenzial, das die Vielfalt der dortigen baulichen Zeugnisse von der römischen Stadtmauer bis hin zum vom Musikclub villaWuller genutzten Ex-Ökonomiegebäude, der ebenfalls auf dem Besichtigungsprogramm steht. Infos: www.trier-forum.de rm.