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Vorbereitung für den nächsten Akt

Vorbereitung für den nächsten Akt

Blick nach vorn: Das muss sich beim Stadttheater Trier ändern, damit der Betrieb in Zukunft funktioniert

Geldverschwendung, Chaos, mangelhafte Buchführung, unstrukturierte Arbeitsabläufe und fehlende Kommunikation: Der Rechnungsprüfungsausschuss hat die Arbeitsabläufe im Trierer Stadttheater scharf kritisiert. Die aufgedeckten Missstände bieten allerdings auch eine Chance. Sie zeigen auf, wie die Strukturen verändert werden müssen.
Der geheime Bericht des Ausschusses, der dem TV vorliegt, nennt konkrete Vorschläge, um das Theater zukunftsfähig zu machen:

Ist der Spielplan einmal aufgestellt, müsse er auch eingehalten werden, und zwar "zwingend", wie es im Bericht heißt. Nur so seien ein reibungsloser Ablauf und Planungssicherheit für Abonnenten möglich. In der vergangenen Spielzeit gab es mehrfach - manchmal täglich - kurzfristige Änderungen, was zu Problemen beim Kartenverkauf, bei der Koordination von Proben und Auftritten, dem Hin- und Hertransport von Bühnenbildern geführt hatte.

Von Außenspielstätten wie Walzwerk, dem Kasino am Kornmarkt oder die Viehmarktthermen soll "künftig weitestgehend abgesehen werden", empfiehlt der Bericht. Die Mehrkosten für personellen und materiellen Aufwand stünden nicht in Relation zu den Einnahmen. Vor allem "personal- und kostenintensive" Spielstätten wie das Walzwerk müssten auf ein Minimum reduziert werden. Kassenpersonal, extra angemietete Toilettenwagen, die Wegstrecken der Mitarbeiter und andere Zusatzkosten seien zu hoch. Das Kulturzentrum Tufa, das die Infrastruktur vorhält, sei dagegen eine "sinnvolle Alternative".

Um Honorare, Reise- und Übernachtungskosten von Gastkünstlern im Griff zu haben, müsse "zwingend eine Kostenübersicht aller Gastverträge inklusive Nebenkosten zentral verfügbar und fürs Finanzcontrolling zugänglich gemacht werden". In der Vergangenheit waren bei Gastverträgen mehrfach fällige Sozialabgaben nicht einkalkuliert worden.

Beim Orchester müsse dringend darauf geachtet werden, dass die gewählten Stücke mit den vorhandenen 56 Musikern zu stemmen sind und nicht - weil die Idealbesetzung es so vorgibt - zusätzliche Musiker engagiert werden müssen. Im Bereich "Konzerte, sonstige Beschäftigte" hatte das Theater 2015 statt der eingeplanten 140?000 Euro 241?000 Euro ausgegeben.
?Auch beim Chor könnten Mehrausgaben vermieden werden. Statt aufwendiger Tanzeinlagen - die Chormitgliedern laut Vertrag extra bezahlt werden müssen - solle der Chor nur für Standardtanzschritte, die vertraglich inkludiert sind, eingesetzt werden.

Zwischen dem Kassenprogramm SAP und den täglichen Zahlungsein- und ausgängen müsse "zwingend eine Schnittstelle" geschaffen werden, raten die Prüfer. Bislang wurden Ausgaben nach TV-Informationen teilweise mit Bleistift in Papierunterlagen notiert. Über den tatsächlichen aktuelle Kassenbestand gab es deshalb keine verlässlichen Informationen.

Die Dienstanweisung für Auftragsvergaben, die für die gesamte Stadtverwaltung gilt, müsse künftig auch im Theater "zwingend eingehalten" werden, fordert der Prüfungsausschuss. Bislang waren selbst Aufträge mit einem Volumen von mehr als 10?000 Euro freihändig vergeben worden. "Diese Situation hat auch schon vor der Spielzeit 2015/16 bestanden", betont der Prüfbericht.

Um weitere Probleme - etwa bei Kommunikation, Technik und Ticketvergabe - zu lösen, sollten Mitarbeitern künftig unter anderem nicht mehr mit privaten Computern arbeiten. Denn der Zugriff auf städtische E-Mails und andere Kommunikationsplattformen sei dann nicht möglich.

Arbeitsplatzbeschreibungen sollten für alle Mitarbeiter angefertigt werden, rät der Bericht. Bis dato sei nicht immer klar - insbesondere in der Technik - wer für was verantwortlich ist. Bei verbesserten Abläufe müssten zusätzliche, teure Technikmitarbeiter nur noch in Ausnahmefällen von externen Firmen dazugebucht werden.

Um die Personalsachbearbeitung effizienter zu machen, sollte diese in eine Hand gegeben werden, schlägt der Bericht vor. Bislang werden die 80 Mitarbeiter, die nach Landesbeamtengesetz und den Tarifvereinbarungen im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, von einer anderen Mitarbeiterin im Personalamt der Stadt betreut als die 54 Orchestermusiker. Wobei beim Orchester dazukommt, dass bislang der Generalmusikdirektor Herr der Bewerbungsverfahren ist und die Infos dann an das städtische Personalamt weiterleitet.
Für alle Theatermitarbeiter, die nach dem Normalvertrag Bühne angestellt sind - Künstler, Kostümbildner, Tänzer, Chor etwa - war bislang der Intendant für Bewerbungen und Vertragsverhandlungen zuständig, die dann von der Verwaltungsleitung fixiert und vom Personalsachbearbeiter "zahlbar gemacht" wurden. "Teilweise griffen auch die Spartenleiter ein", heißt es im Prüfbericht.
Meinung

Fast wie bei Peter Zwegat

Christiane Wolff

Jeder muss wissen, für was er zuständig ist, alle Mitarbeiter müssen ihre E-Mails lesen können, das Orchester darf nur spielen, was es spielen kann: Die Empfehlungen des Rechnungsprüfungsausschusses klingen fast nach den manchmal nahezu platten Spar-Ratschlägen Peter Zwegats, der in der RTL-Sendung "Raus aus den Schulden" verzweifelte Familien berät, die kein Gefühl dafür haben, was sie sich leisten können und was nicht. Am Prüfbericht liegt das allerdigns nicht, vielmehr an den offenbar unsäglichen Zuständen am Theater.
Zwar wird dieses auch mit effizientester Organisation und Finanzplanung immer ein Millionenzuschussgeschäft bleiben. Aber viele kleine Stellschrauben können ganz offensichtlich justiert werden. Fest steht: An allen falsch eingedrehten Schrauben ist Karl Sibelius ganz sicher nicht schuld.
c.wolff@volksfreund.de
Extra

Der städtische Rechnungsprüfungsausschuss hat in den vergangenen Monaten die Finanzmisere am Trierer Stadttheater untersucht. Der Abschlussbericht offenbart eklatante Mängel bei Buchhaltung, Organisation, Spielplangestaltung, Personalführung und Kontrolle durch den zuständigen Kulturdezernenten Thomas Egger.
Der Bericht ist geheim, liegt dem TV allerdings vor. Dem Stadtrat wurden am Donnerstagabend Auszüge präsentiert.